Vogelkunde - Die Sache mit dem Fliegen

Vogelkunde - Die Sache mit dem Fliegen

Wie die Vögel abzuheben, hinauf in den Himmel, war schon immer ein Traum der Menschen. Doch der Traum scheint nichts zu sein im Vergleich mit der Wirklichkeit, die Welt mit Flügeln zu erleben und die Erde mit anderen Augen zu erleben. Ein Traum ist Wirklichkeit geworden.........

Für Otto Lilienthal ( 1848 - 1896 ) war der Storchenflug unmittelbar ein Impuls für seine epochalen Flugkonstruktionen. In einem Flyer der damaligen Jahre annoncierte er unter einem entsprechenden Bild "Segelapparate zur Uebung des Kunstfluges - gefertigt von der Maschinenfabrik O. Lilienthal in Berlin S., Köpenickerstraße 113".

1894 begann die Geschichte der Fliegerei und zwar am Fuße des Gollenberges im kleinen brandenburgischen Dorf Stölln, 3 Kilometer von der Stadt Rhinow entfernt; damit liegt dort der älteste Flugplatz der Welt. Er ist heute gekennzeichnet durch ein Museums-Flugzeug, eine Iljuschin II-62 mit dem Namen "Lady Agnes", in einer DDR-Interflug-Ausstattung mit einer nachträglich eingerichteten Traukabine, der eine abenteuerliche Landung am 23. Oktober 1989 auf dem dortigen, notdürftig präparierten Acker gelang, obwohl die ausgemusterte Maschine normalerweise 2.500 Meter Landebahn benötigte, aber ihr nur 900 Meter zur Verfügung standen - alles ging gut.

Lilienthal verunglückte 1896 tragischerweise am gleichen Ort bei seinen todesmutigen Versuchsflügen durch einen Absturz aus nur 15 Metern Höhe. Vogelflug bedeutet in seiner Standardform eigentlich Rudern in der Luft. Wegen des aber anstrengenden sowie Kräfte zehrenden Ruderns haben sich viele Vögel darauf gelegt, zumindest den Anschub mit verstärkter Muskelkraft zu bewältigen, um dann, wenn sie erstmal in Bewegung sind, sich auf das Kräfte sparende Gleiten zu verlegen, auf die perfekte Antwort auf das Energiespargebot unserer Vögel - dennoch ohne Wind und ohne Thermik geht gar nichts.

Der Seitenblick auf die Vogelflugkunst kann auch heute noch von Fall zu Fall erleuchtend sein. Dem Bioniker, dem auf die technischen Leistungen der Vögel und Insekten schauenden Ingenieur Ingo Rechenberg, fiel bei den Flugbeobachtungen einer Raubmöwenart namens Skua auf, dass diese bei ihren Suchflügen so langsam flog, wie es nach den bekannten Gesetzen der Aerodynamik eigentlich nicht möglich sein konnte. Zeitlupeneindrücke von oben jedoch zeigen, dass vor dem Stosstauchen dieser Vögel Einzelfedern besondere Aufgaben übernehmem, um den Vogel trotz langsamer Fluggeschwindigkeit stabil auf Kurs zu halten. Man ist dabei, diese Beobachtung für intelligente sowie später auch marktfähige Erfindungen zu nutzen - Natur als Vorbild für die Technik.

Auch der umfänglich begabte Leonardo da Vinci beschäftigte sich mit dem Versuch der Aufhebung der Schwerkraft und schuf bereits im 15. Jahrhundert eine "Flughand", die an die zart bespannte Tragfläche von Fledermäusen erinnert; offenbar waren allerdings die Mechaniker seiner Zeit von den Planskizzen des Genies überfordert. Leonardo meinte, dass sich Menschen durch Flügelbewegungen wie beim Vogel und nicht durch starre Flügel in die Lüfte erheben können. Unsere Vögel aber blieben in all` ihren vielen Jahren der Evolution bei ihrer ersten Erfindung. Dabei entdeckt man perfekte Spezialisierungen.

Die breiten Flügelfedern der Finkenvögel sind zwar nicht so ideal, um mit ihnen lange Strecken zu überwinden, aber sehr gut für lebensrettende, schnelle Wendungen bei einem Sperberangriff. Tauben können dahingegen schnelle Blitzstarts hinlegen, wenn der Wanderfalke sie anpeilen sollte. Nur unsere Möwenarten haben einen optimalen Kompromiss gewählt : Sie können ausreichend schnell fliegen, Sturzflüge nach Nahrung hinlegen, im Küstensturm manövrierfähig bleiben und im Gegenwind in der Luft stehen - optimal.

Foto ( Autor ) : Waghalsige Konstruktion Lilienthals

Fotos ( Otto-Lilienthal-Verein Stölln e.V. ) : Waghalsige Landung auf dem ersten Flugplatz der Welt

Holger Jürgensen