Vogelkunde - Die diebische Elster

Vogelkunde - Die diebische Elster

Mit einem Trommelwirbel beginnt die Ouvertüre zur Oper "La gazza ladra" - "Die diebische Elster", komponiert von Gioachino Rossini, der von 1792 bis 1868 lebte, und sie wurde 1817 in der Mailänder Scala uraufgeführt. Die abenteuerlichen Handlungen spielen in einem Dorf bei Paris, in dem wegen des Diebstahls eines silbernen Löffels eine junge Dame mit dem Tode bestraft werden soll. Letztendlich findet sich der Corpus delicti aber in einem Elsternnest wieder, und das epische Drama nimmt eine positive Wendung - insgesamt eine tragisch-absurde Sicht über das Leben.

Das Aussehen unserer Elster ist eigentlich allen Menschen gut bekannt - sie gehört übrigens zur Familie der Rabenvögel. Aus dem althochdeutschen "algastra" soll sich "agelster" und dann der heutige Name entwickelt haben. In der germanischen Mythologie gilt sie als Götterbotin, aber auch alternativ als Hexentier und Galgenvogel; im Gegensatz dazu machten andere Völker die Elster zu einem heiligen Tier - so unterschiedlich sind die Menschen in allen Zeiten gewesen. Heute steht sie in Schleswig-Holstein unter "absolutem" Naturschutz - zum Zorne vieler Vogelfreunde.............

Die Wissenschaft ist dem ihr allgemein anhängenden Vorwurf, eine Diebin zu sein, nachgegangen. Sie soll ja im Volksmund gerne blinkende Gegenstände wie silbern glänzende Metallteile oder gar goldene Ringe stehlen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jetzt die Elster von solchen Vorwürfen endgültig freigesprochen. Mit unterschiedlichen Methoden sind frei lebende Elstern im Groß Britannien mit "verführerisch blinkenden" Gegenständen konfrontiert worden. In keinem Fall wurde ein Interesse an diesen Auffälligkeiten festgestellt, in Einzelfällen sogar das Gegenteil, indem sich die Vögel - ihre Intelligenz nutzend - von den naturfremden Gegenständen auffallend und vorsichtig fern hielten.

Unsere Elster ist ein sehr intelligenter Vogel; ihr IQ-Wert soll dem des Hundes oder dem von Menschenaffen entsprechen. So hat man gekäfigte Vögel mit ihrem Spiegelbild konfrontiert und dabei festgestellt, dass ein künstlich aufs Federkleid plazierter Farbfleck im Spiegel erkannt und dann vom Vogel durch Putzen entfernt wurde.

Die Elster ist seit wenigen Jahren eine ganzjährig geschützte Vogelart; die letzte Auflistung ihrer Jagdstrecke in Schleswig-Holstein erfolgte für die Zeit 2013/2014 mit knapp 3.900 gestreckten Kreaturen. Aus dem zweiten Brutvogelatlas für unser Bundesland geht hervor, dass sich gegenüber dem Bestand von 1985-94 eine leichte Erholung ablesen lässt ( 7.000 Brutpaare ).

Elstern gelten bei vielen Gartenbesitzern als "Eierklauer" und Gefährder vieler Jungvögel - ein ewiges und sehr emotional belastetes Thema. Namhafte Ornithologen bezweifeln, dass sich diese Prädation negativ auf das zahlenmäßige Vorkommen von Kleinvögeln und ihre Populationen in unserem urbanen Umfeld auswirkt. Elstern sind durch die veränderte Landbewirtschaftung und den früheren Jagddruck mehrheitlich in die Städte verdrängt worden. Aber auch diese Vogelart hat natürliche Feinde : Rabenkrähen sind erfolgreiche Räuber ihrer Gelege.

Wovon ernährt sich unsere Elster noch über die Jagd auf Kleinvögel und ihre Eier hinaus ? Sie hat einen breiten Speiseplan, der mit Insekten beginnt, Amphibien und Kleinsäuger nicht verschmäht, aber auch jede Form von Aas und selbst Früchte nutzt.

Rossini berichtete später in einem Interview, dass er das Vorspiel zu seiner diebischen Elster noch am Tag der Uraufführung unter kriminalistischen Bedingungen unter dem Dach der Scala schreiben musste, wo ihn der Theaterdirektor gefangengesetzt hatte. Streng bewacht hatte er die Originaltexte nach Fertigstellung Blatt für Blatt für die weitere Verwendung aus dem Fenster zu werfen. Wäre er dieser Aufforderung nicht gefolgt, hätte man ihn - Rossini - selbst aus dem Fenster geworfen.............

Fotos ( Christian Garleff, Hamburg ) : Elster räumt eine Futterstelle ab,

         ( Autor ) : sie brütet 2017 am Eutiner Lerchenfeld

Holger Jürgensen