Vogelkunde - Kampfläufer, keine neue militärische Einheit

Vogelkunde - Kampfläufer, keine neue militärische Einheit

Dass sich 15 bis 25 Männchen des Kampfläufers auf einem Balz- oder Turnierplatz einfinden, um sich paarungswilligen Weibchen zu präsentieren, gehört in Schleswig-Holstein fast der Vergangenheit an. Meliorationsmaßnahmen der Moore und der feuchten Grünlandstandorte lassen diesen Watvogel nur noch ganz geringe Chancen zum Brüten, so dass auch der "Zweite Brutvogelatlas" für unser Bundesland in naher Zukunft kein Vorkommen mehr erwartet. Letzte, geringe Kampfläufervorkommen finden wir in Küstenregionen der Nordsee. Unsere Beobachtungen beziehen sich im Frühjahr und Herbst auf nordeuropäische Durchzügler, die - oft dann auch in bedeutenden Zahlen - zu ihren Brutgebieten in die Taigamoore und Tundren unterwegs sind oder von dort zurückfliegen.

Das gesellige Verhaltensinventar und das Verhaltensspiel der Hähne dieser besonders interessanten und auffälligen Vogelart ist bei ihrem Balzgehabe spektakulär. Sie laufen in waagerechter Haltung aufeinander zu, springen Flügel schlagend gegeneinander in die Höhe, um dann wieder wie unschlüssig herumzustehen und nach geraumer Zeit das gleiche Spiel in gleicher Intensität wieder aufzunehmen. So erbittert diese Kämpfe auch aussehen, dienen diese ausschließlich der Zurschaustellung ihrer bunten Halskrausen. Da es bei den Kampfläufern keine feste Bindung mit ihren Weibchen über eine Zeit- oder Brutperiode gibt, kopuliert das kurzzeitige Paar abseits des Brutplatzes, und der Hahn kehrt darauf in den Kreis der Gefährten zurück. Er überlässt dem weiblichen Partner nicht nur den Bau des Nestes, sondern auch die Bebrütung des Geleges und die alleinige Aufzucht der Jungen.

Auf dem Balz- oder Turnierplatz, der oft traditionell mehrere Jahre hintereinander aufgesucht werden kann und meistens nichts anderes als eine spärlich bewachsene Grasfläche darstellt, erkennt der Beobachter durch das Fernglas oder im Spektiv die vielen bunten Farben des männlichen Federkragens, der aufgerichtet neben einfarbig rostbraune, gelblich-rahmfarbene, blauschwarze und weiße auch gesperberte oder scheckige Muster aufweisen kann. Verständlicherweise haben diese Unterschiede zu mehr oder weniger wissenschaftlichen Untersuchungen in sehr umfangreicher Zahl geführt, die zu klären versuchten, welche Farbe zu einer bevorzugten Akzeptanz durch weibliche Kampfläufer führt. Ernst zu nehmende Untersuchungsergebnisse haben zu den Ausdrücken der "dominanten Platzmännchen und zu den weniger dominanten, sich meist periphär aufhaltenden Satelittenmännchen" geführt und diese so im Fachjargon geprägt.

Überlagert und ausgelöst werden jedoch alle männlichen Aktivitäten in erster Linie durch die Anwesenheit der Weibchen, und nachfolgend sind diese dann vorrangig witterungsabhängig. In den umfangreich veröffentlichten Ergebnissen lesen wir zu diesem Thema, dass Männchen mit weißen oder hellen Halskrausen nicht in der Topwunschliste weiblicher Kampfläufer zu finden sind. "Tröstlich" erscheint uns aber, dass die wissenschaftlich nachgewiesenen Verschmähten durch irgendeine Gelegenheit doch zum Zuge gekommen sein müssen, sonst würde die Lehre der Genetik und Vererbung ad absurdum geführt werden.

Der Hahn unseres beschriebenen Watvogels hat eine Größe vergleichsweise mit einem Kiebitz, die Weibchen sind von auffallend geringerer Größe, aber stets auch auf relativ langen Beinen. Sie überwintern zunehmend in den Mittelmeerländern, ziehen aber in der Regel südwärts bis Namibia. Verirrte Kampfläufer wurden auf Grönland, in Nordamerika, auf den Antillen und sogar auf den Philippinen in Südostasien angetroffen - Verdrifftungen durch Stürme sind immer wieder schicksalhafte Ereignisse mit Flügeln ausgerüsteter Tiere.

Foto ( Heinrich Scheel, Scharstorf ) : Kampfläufer-Männchen im prachtvollen Balzgefieder

Holger Jürgensen