Vogelkunde - Vom Fliegen der Vögel

Vogelkunde - Vom Fliegen der Vögel

Der Pionier der Luftfahrt, Otto Lilienthal, hat den Vogelflug genau beobachtet. Er konnte dennoch die Technik der Vögel nicht vollkommen in seine Anwendungen umsetzen und zahlte dafür mit seinem Tod. Vögel schlagen bekanntlich mit den Flügeln, und zwar nicht nur einfach auf und ab, sondern sie drehen diese bei der Aufwärtsbewegung nach oben, bei der Abwärtsbewegung nach unten. Mit dieser Drehung gelingt es ihnen, ohne großen Energieaufwand ihren Vortrieb beim Flug zu steigern.

Die Erkennung eines Vogels hoch am Himmel oder im Gegenlicht anhand des Flugbildes ist nicht leicht und setzt gute Kenntnisse über die Silhoulette und die Flugkennzeichen voraus.

Vögel, die sich von Fluginsekten ernähren, müssen eine große Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit besitzen, um ihrer Beute habhaft zu werden. Das gilt beispielweise besonders für Schwalben und Mauersegler, die mit hohen Geschwindigkeiten auch um Hindernisse der Stadt herumschießen und dabei besonders geschickt manövrieren. Dabei haben die Segler so kurze Beine, mit denen sie sich nur an senkrechten Fels- und Hauswänden festhalten, jedoch nicht auf dem Erdboden weite Strecken laufen können. Sie können nur von einem erhöhten Punkt aus zum Flug starten.

Greifvögel als Jäger bei der Verfolgung eines Beutetieres erreichen ebenfalls sehr hohe Geschwindigkeiten. Der schnellste Vogel ist dabei der Wanderfalke, der im Sturzflug bei der Jagd bis zu 300 km/h erreichen kann. Der Mauersegler erreicht als Insektenjäger bis zu 100 km/h. Höckerschwäne, als Beispiel für schwere und behäbige Vögel, erreichen im Mittel etwa 65 km/h.

Nicht alle Vögel fliegen in der gleichen Höhe. Ihre Flughöhe hängt davon ab, ob sie auf Beutefang sind oder beispielsweise nur "ziehen" - auf dem Zug maximale Entfernungen zurücklegen müssen. Sperlingsvögel ( eine allgemeine Bezeichnung für Kleinvögel ) bleiben in der Regel in der Nähe des Bodens. Hühnervögel wie Fasan und Rebhuhn fliegen auch generell bodennah, nachdem sie vorher laufend zunächst Deckung gesucht haben. Adler und Geier segeln oft kraft- und energiesparend in großer Höhe und können so mühelos weite Strecken überwinden.

Turmfalken sind Greife der Feldlandschaft. Hier kann man sie in der Luft rüttelnd beobachten, während ihre Augen auf den Boden gerichtet sind. Dabei beschreiben sie mit den Flügeln abwechselnd eine Vorwärts- und eine Rückwärtsbewegung, sicher eine äußerst kräftezehrende Flugweise. Etwas leichter fällt es dem Falken, wenn warme Aufwinde den Flug etwas unterstützen. Hat der Turmfalke seine Beute, meistens Feldmäuse oder Eidechsen entdeckt, stürzt er zu Boden, wo er sie mit seinen starken, nach vorne gerichteten Fängen schlägt. Auch Mäusebussarde können in der Luft rütteln, und besonders die bei uns im Herbst und Winter durchziehenden Rauhfußbussarde, die in ihrer skandinavischen Heimat in dieser Form Lemminge jagen.

Zum Thema Flugtechnik gehört auch der Singflug der Feldlerche. Dieser selten gewordene Vogel des Grünlandes und einer offenen Landschaft markiert sein Revier durch den bekannt melodischen Singflug. Dabei steigen die Männchen flügelschlagend, unter sicher hohem Kraftaufwand singend vom Boden auf, um bekanntlich eine Weile singend in der Luft zu verharren sowie danach sich wie ein Stein herabfallen zu lassen, um in einer engen Kurve über dem Boden verdeckt zu landen.

Fotos ( Autor ) : Mauersegler auf der Hand,  ( Wohlfahrt ) : Rüttelnder Turmfalke

Holger Jürgensen