Vogelkunde - Bengt Berg - der Mann vor Grzimek und Sielmann

Vogelkunde - Bengt Berg - der Mann vor Grzimek und Sielmann

Wegen seines ausgeprägten Interesses an Tieren musste er die Schule vorzeitig verlassen - es muss daher wohl etwas Gravierendes geschehen sein, und das, obwohl sein Vater Lehrer war : Es handelt sich um den schwedischen Ornithologen, Naturforscher und Schriftsteller Bengt Berg. Nach Jahren der Lehre, u. a. Vögel zu präparieren, wurde Berg durch seine Begeisterung und sein Wissen sowie durch Fürsprache des Museumskonservators in Göteborg von 1909 bis 1913 Mitarbeiter des "Alexander-König-Museums" in Bonn, wo er eine bedeutende Vogelsammlung hinterlassen hat.

Als Krönung erfolgte 1935 die Verleihung der Ehrendoktorwürde an ihn - ein erneutes Beispiel, dass jeder Mensch ( trotz Schulabbruch ) "seinen Marschallstab in der Tasche trägt". Bergs Reisen in die Welt hat er in vielen Büchern beschrieben, und der älteren Generation wird sein damaliges Highlight "Mein Freund, der Regenpfeifer" als sehr gefühlvolle Beschreibung seiner Begegnung mit dem Mornellregenpfeifer in Lappland in Erinnerung sein. Berg wurde einer der ersten erfolgreichen Tierfotografen und allmählich auch zu einem in Europa bekanntesten Pioniere der Tierfotografie und Verfilmung von Tierleben - lange vor den "Fernsehstars" Grzimek und Sielmann.

Seine herausragende Arbeit wird auch dadurch deutlich, dass er nach 1925 im Berliner Victoria Theater, dem größten "cinomatographischen Theater" seiner Zeit, zu jeder Vorstellung 2.600 Personen begeistern konnte - und das längere Zeit täglich zweimal. Berg erklärte dabei die laufenden Bilder seiner stummen Filme von einem Sessel aus - zum Beispiel "Abu Markub", einen Stummfilm über Elefanten und Schuhschnäbel in Afrika. Bengt Berg war neben Fotograf und Schriftsteller auch Jäger, und er glaubte an ein "natürliches Leben inmitten der Tiere"; aber allem voran galt seine Liebe und sein Interesse der Vogelwelt. Von insgesamt 30 Tierbüchern, die in 16 Sprachen übersetzt wurden, erschien 1930 sein wohl erfolgreichstes Buch : "Die Liebesgeschichte einer Wildgans", was den heutigen Autor sehr an Konrad Lorenz` Buch der "Ethologie einer Graugans" erinnert.

Im Zusammenhang mit dem Zug der Kraniche begab er sich auf die Suche nach ihrem südlichsten Winteraufhalt in Afrika, und er setzte sich bereits in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts für einen Naturschutz-Status der Halbinsel Darß in Mecklenburg ein - dem heutigen berühmten Rastplatz dieser nordeuropäischen Stelzvögel. Abenteuerlich erscheinen auch seine spektakulären Aufnahmen von Bartgeiern am Nest, die Bengt Berg im Himalaya von an einem Seil hängenden Ballonkorb aus tätigte. Und er nahm gelegentlich dabei auch seine Frau mit ..... Die ganze Breite seines Lebens wird - so nebenbei - auch durch Bergs Tätigkeit als Kriegsberichterstatter für schwedische Zeitungen während des ersten Weltkrieges an der deutsch-österreichischen Front in Galizien ( Ukraine ) deutlich. Sein Bekenntnis für Deutschland und seine NS-Sympathien wurden auch durch sein Buch "Ein Germane" bekannt, was ihm nicht nur freundliche Kommentare einbrachte.

Bengt Berg wurde 1885 im schwedischen Kalmar geboren und erlag 1967 einem Herzinfarkt während eines Schwimmbades auf seinem 1938 erworbenen Gut Eriksberg, das er zu einem Wild- und Naturpark entwickelte. "Die ganze Natur ist Harmonie, und wir sind geschaffen, mit ihr zu harmonieren" - ist ein überliefertes, mahnendes Wort an seine Nachwelt. Manche Menschen seiner Zeit meinten, dass Dr. Bengt Bergs kritischer Ton in Sachen Umweltschutz überzogen sei, und er konterte nur :" Beurteilt nicht meine Person, sondern was ich geleistet habe" - der zwar vermögende Bengt Berg starb jedoch verbittert...

Holger Jürgensen

Foto ( Schümann ) : Kraniche in Nachbarschaft mit weidenden Rindern auf dem Darß, dessen einmalige Landschaft Berg bereits vor 60 Jahren unter Schutz zu stellen vorschlug

Fotos ( Jürgensen ) : Abendlicher Einflug von Kranichen auf den Darß und Zingst in Mecklenburg

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