19. Mai 2019: Wanderung zu den Lebrader Teichen

  Am Sonntag, den 19. Mai waren 9 Interessierte aufgebrochen, um an den Lebrader Teichen und anschließend an der Pohnsdorfer Stauung Vogel-Beobachtungen zu betreiben.
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Vogelkunde Kaspar Hauser - Geerbtes oder Gelerntes ?

Vogelkunde Kaspar Hauser - Geerbtes oder Gelerntes ?

Der historische Roman "Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens" erschien vor nunmehr 110 Jahren, geschrieben von Jacob Wassermann, einem deutsch-jüdischen Schriftsteller, der von 1873 bis 1934 lebte. Mittels sog. "Caspar-Hauser-Versuche" will man bei nestjungen Vögeln herausfinden, welche Verhaltensweisen angeboren sind und welche im Verlaufe des weiteren Lebens erlernt wurden.

Das Werk schildert das dunkle Schicksal des Caspar Hauser, der im Jahre 1828 plötzlich in Nürnberg "wie aus dem Nichts" auftauchte und fünf Jahre später durch einen Mordanschlag im bayerischen Ansbach starb; das Buch beinhaltet eine verworrene, bis heute nicht endgültig bestätigte, historische Begebenheit. Angeblich hatte das rätselhafte Findelkind 16 Jahre in absoluter Isolierung gelebt, was zu seiner weitgehenden Sprachlosigkeit und zu weiteren anomalen Auffälligkeiten dieses jungen Mannes führte - so geht die widersprüchliche Überlieferung. Heute werden biologische Experimente - die übrigens aus ethischen Gründen umstritten sind - wissenschaftlich unter dem Namen "Caspar-Hauser-Versuche" durchgeführt; sie haben das Ziel, von nestjungen Vögeln aus isolierter Volierenhaltung Nachweise zu erhalten, welche Verhaltensweisen angeboren sind und welche im Verlaufe des weiteren Lebens erlernt wurden.

Auf Grund der Ergebnisse kann man heute davon ausgehen, dass die Rufe der Singvögel angeboren sind; der Gesang des Männchens zur Paarbildung muss jedoch in der Regel von Artgenossen gehört, kopiert und damit erlernt werden. Einer unserer stimmlich auffälligsten Sperlingsvögel ist der Buchfink; sein bekannt schmetternder Gesang ist trotz fest umrissener Grundelemente recht variabel - die Wissenschaft drückt sich dazu wie nachfolgend aus : "Die Strophe besteht aus einer kurzen, schmetternden Kaskade von meist zwei bis drei aus einer Reihung in sich gleichartiger Silben, aus stereotypen Elementkombinationen aufgebauten Phrasen ( von Liebhabern Stakkato-Touren oder Triller genannt ) und einen in der Tonhöhe meist absteigenden Schlusslaut oder einer stereotypen Schlussgruppe von Elementen, auch als Endschnörkel oder Überschlag bezeichnet" - ja, so kann man es auch ausdrücken.

Die europaweit, nicht nur in Nuancen, geographisch unterschiedlichen Buchfinkenschläge können in sogenannten Sonagrammen sichtbar gemacht werden, auch um die individuell unterschiedliche menschliche Verhörleistung auszuschalten. Die an Buchfinkenmännchen - die keinen eigenen Artgesang vorher hören konnten - durchgeführten Kaspar-Hauser-Experimenten ergaben, dass ihr Gesang in der Länge mit normal aufgewachsenen Finken übereinstimmte, aber nicht mit der typischen Unterteilung; sie entwickelten vielmehr einen monotonen Gesang mit weitgehend gleichen Tönen. Diese wissenschaftlichen Untersuchungen ergaben unter anderem auch, dass ein geflügelter Revierinhaber Teile des Gesangs eines Eindringlings übernehmen kann, um diesem erfolgreicher bei der Verteidigung seines Reviers begegnen oder bei der Werbung um ein Weibchen als Sieger vom Platz gehen zu können - ein Beispiel, dass weiteres Lernen sich im Leben immer auch lohnt.

Das durch Lernen von Artgenossen möglich werdende Gesangsrepertoire eines Finken wird bei den "Finkenmanövern" im Oberharz deutlich; auf einem der seit dem 15. Jahrhundert überlieferten Brauchtum ( UNESCO-Kulturerbe ! ), bei dem der schönste und längste Finkenschlag prämiert wird, hat ein besonders begabter Buchfink "zwischen 20 und 71 ( unterschiedliche ) Gesänge vorgetragen".

Foto ( H. Jürgensen ) : Versuchsobjekt Buchfinkenmännchen im Prachtkleid

Holger Jürgensen
www.vogelschutzeutin-badmalente.de

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