Vogelkunde Ein Leben in der Gemeinschaft

Vogelkunde Ein Leben in der Gemeinschaft

Vögel halten sich gerne in Gruppen auf, sei es nur gelegentlich zur Nahrungsaufnahme oder in bestimmten Jahreszeiten wie zur Zugzeit. Wir kennen Brutkolonien, Nahrungstrupps und zugdisponierte Schwärme von Gänsearten und Watvögeln an der West- wie an der Ostküste Schleswig-Holsteins. Sie genießen durch den Sozialverband eine ganze Reihe von Vorteilen, und diese Vogelverbände regeln ihr soziales Miteinander durch eine hierarchische Rangfolge.

Straßentauben sind häufig als gut strukturierte Gruppen auf öffentlichen Plätzen anzutreffen, wo sie Futter suchend umherlaufen. Was wir - flüchtig betrachtet - oft als chaotische Ansammlung empfinden, unterliegt in den meisten Fällen durchaus einer geordneten Regelung; dominante Tiere werden gut erreichbares Futter als Erste fressen und die im Rang am niedrigsten stehenden Individuen als Letzte. Gut untersucht ist das Sozialleben der Eierproduzenten im Hühnerhof, wo eine besondere Hack-Rangordnung bei geduldiger Beobachtung erkennbar wird und dort eine besonders wichtige Rolle spielt, um aufwändige und ständige Streitereien zu vermeiden. Diese "Hackordnung" ist als ein populäres Synonym auch in unserem Sprachgebrauch der menschlichen Gesellschaft zu finden.

Dominanz in der Gruppe hat Vorteile; der Dominante hat nicht nur den leichtesten Zugang zu Nahrungsresoursen, sondern auch zum Beispiel zu den besten Sitzplätzen und zu den meisten paarungsbereiten Partnern. So ein Vogel muss aber auch immer wach- und aufmerksam sein, um diesen Status in der Gruppe zu behalten er muss aggressiv und stets verteidigungsbereit sein. Das Gruppenleben unserer Vögel hat auch weitere Vorteile - bei der Futtersuche und der Nahrungsaufnahme kann man sich auf andere verlassen, benötigt nicht ständig den Kopf zu heben ( "aufzumerken" ), um nach Bedrohungen Ausschau zu halten. Besonders Kolonien von Möwen- und Seeschwalbenarten sind wehrhafte Zusammenschlüsse, um Eier- und Jungvogelraub durch Feinde erfolgreich zu verhindern. Beeindruckende Bilder von gewaltigen Schlafplatzflügen der Stare gehen im Herbst durch die Presse; gelegentlich versucht sich an ihnen ein Wanderfalke, dem eine konzentrierte Jagd durch die wirbelnde Menge sehr erschwert wird. Wenn eine einzelne Möwe eine Nahrungsquelle entdeckt hat, gesellt sich die "Meute" sehr schnell dazu. Und wenn hoch am Himmel Kraniche oder Schwäne in Formationsflug unterwegs sind, gilt für diese Gruppe, dass jedes Individuum Energie sparen möchte.

Dabei übernimmt der erste Vogel die kräfteraubendste Position an der Spitze, während die übrigen Vögel jeweils versetzt hinter einem weiteren Vogel herfliegen. Es wird berichtet, dass die erste Position an vorderster Stelle immer wieder ausgetauscht wird. Der Kräfte zehrende, anstrengendeste Posten wird somit recht sozial geteilt. Gesellig lebende Meisen, Finken oder Seidenschwänze verständigen sich über Kontakt- sowie Alarmrufe. Ihr Gruppenleben ist oft eine Reaktion auf den starken Feinddruck. Ihre Verbände sind durch die hohe Zahl und die Art der Nahrungssuche sehr leicht zu lokalisieren, aber zumindest ein Gruppenmitglied wird den Sperber entdecken, und alle können - entsprechend gewarnt - versuchen, sich noch rechtzeitig durch eine Flucht zu retten.

Obwohl das Leben in der Gruppe sehr vorteilhaft erscheint, leben doch sehr viele Vogelarten auch als Einzelgänger oder zumindest in Paaren mit einer besonderen Anpassungsstrategie : Brutplatz angepasste Färbung des Federkleides, nachtaktive Tätigkeit oder eigene Wehrhaftigkeit; so haben sich im Verlaufe der Evolution sehr unterschiedliche Überlebensstrategien entwickelt.

Foto ( Christian Garleff, Hamburg ) : Uferschwalben aus Skandinavien ziehen gemeinsam durch Schleswig-Holstein

Foto ( Autor ) : In Bucheckern-Jahren können sich 100-Tausende Bergfinken bei uns einfinden

Holger Jürgensen
www.vogelschutzeutin-badmalente.de

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