Wenn man sich an die großen deutschen Vogelkundler der letzten Jahrhunderte erinnern möchte, wird einem zunächst Johann Friedrich Naumann ( 1780 - 1857 ) einfallen, der aus dem anhaltinischen Köthen stammte. Dabei dürfen wir nicht den "Vogelpastor" Christian Brehm und seinen Sohn Alfred vergessen, der "Brehms Tierleben" schrieb.

Dem wissenschaftlichen Vogelschutz hatte sich auch Hans Freiherr von Berlepsch verschrieben, der als Erfinder der künstlichen Nistkästen gelten kann. Weitgehend vergessen und unbekannt erscheint der katholische Priester und spätere Hochschullehrer Bernard Altum ( 1824 - 1900 ), der sich mit der Revierbildung unserer Vögel befasste. Ihm verdanken wir die wissenschaftliche Entwicklung erster Theorien zu unserem heutigen Thema.

Das Revier eines Vogels wird während einer bestimmten - im Einzelnen variierenden - Zeit des Jahres Besitz ergreifend besetzt. Bei Singvögeln handelt es sich um das Brutrevier, das von der Zeit seiner Besetzung über die der Partnerwahl und - bindung, des Brütens sowie der Aufzucht des Nachwuchses bis zu deren Ausfliegen verteidigt wird. Zu dieser Revierverteidigung gehört der in der Regel für das menschliche Ohr gar nicht so aggressiv klingende Gesang des Männchens, der dennoch den Besitzanspruch gegenüber Artgenossen oder artfremden Konkurrenten signalisiert, wenn nicht in erregter Steigerung sogar Verfolgungsflüge und gelegentlich auch Kämpfe folgen sollen.

Viele Territorien dienen der Sicherung der Nahrung, wenn zum Beispiel Graureiher weite Gewässerabschnitte, Eisvögel einen Bachlauf oder Greife ganze Landschaftsteile kontrollieren. Andererseits verteidigen manche Vogelarten ausschließlich ihren Brutplatz, wie im Falle der in Kolonien brütenden Möwen und Seeschwalben. Selbst wenn es dabei kein eigentliches Revier zu verteidigen gilt, bleibt doch eine gewisse Distanz zwischen fressenden und ruhenden Vögeln bestehen - der Volksmund kennt den Ausdruck "Hackabstand". So ein Individualabstand erscheint auch vorteilhaft, wenn man bei einer plötzlich notwendigen Verteidigung auffliegen und die Schwingen ohne Probleme ausfahren muss. Überwiegend dient die Verteidigung eines Reviers gegenüber der gleichen Vogelart, wie wir es von den "zänkischen" Blässrallen oder von den sich majestätisch aufführenden Höckerschwänen kennen, die kein zweites Brutpaar auf kleinen Gewässern dulden.

Aber auch unterschiedliche Vogelarten können ein Interesse an einem gleichen Territorium haben, falls sie ähnlichen Ernährungsweisen nachgehen. Viele Vogelarten verhalten sich zur Brutzeit streng territorial, leben jedoch nach Beendigung des Fortpflanzungsgeschehens wieder in geselligen Verbänden. Denn sobald weder die Nahrungsresource noch der Partner zu verteidigen sind, wird auch der territoriale Energieeinsatz unnötig. So kann sich der individuelle Vogel wieder ausschließlich dem eigenen Überleben widmen und nur für sich Futter suchen; denn ab nun bringt das Leben in einem Verband sogar Vorteile - erhöhte Sicherheit vor Fressfeinden und oft leichteren Zugang zu Nahrungsquellen. Bernard Altum war aus seinem römisch-katholischen Verständnis heraus ein Gegner der Darwinschen Lehre - keinen geschickteren Verteidiger als Altrum hätte die damalige theologische Naturauffassung der Kirche finden können - seine Kampfschrift gegen den Darwinismus "Der Vogel und sein Leben" bescherte ihm im Jahre 1868 "viel Freude und viele Feinde".

Foto ( Autor ) : Auseinandersetzung zwischen einem Höckerschwan und einer Kanadagans auf dem Dodauer See bei Eutin

Holger Jürgensen
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