Vogelkunde - Zurückgezogen und heimlich lebt der Ziegenmelker

Vogelkunde - Zurückgezogen und heimlich lebt der Ziegenmelker

Für den jungen Soldaten wurde die abendliche Wache am Fliegerhorst in Schleswig zu einer spannenden Nacht : Auf Grund des warmen Sommers 1959 gab es wie in vergangenen Jahr 2018 eine Einwanderung von Skabiosenschwärmern aus Südeuropa.

Diese Schmetterlinge, die täuschend ähnlich einem Kolibri gleichen und sich wohl vom Licht der Beleuchtung durch die Lampen des Kasernentores angezogen fühlten. In Abständen erschien ein damals dem Wachhabenden zunächst noch unbekannter Vogel, um die um das Licht herum schwärmenden Insekten im leichten sowie lautlosen Flug zu erbeuten. Es stellte sich heraus, dass der Soldat eine seltene Vogelart beobachtet hatte, nämlich den Ziegenmelker, der bei uns auch den Namen Nachtschwalbe trägt.

Beide Namen müssen zunächst erklärt werden : Der in der Dämmerung und nächtlich aktive Vogel ist wohl sehr häufig bei seinem Flug nach Insekten in der Nähe von Weidetieren beobachtet worden - die Fantasie römischer und griechischer Schriftsteller haben ihren Teil dazu beigetragen, und sein sehr wendiger Jagdstil hat die Namensgeber an eine Schwalbe erinnert. So entwickelten sich in den verschiedenen Sprachen auch noch andere Bezeichnungen wie "Kuhmelker" ( Tirol ) oder "Geißmelker" ( im Kanton Bern ), "Dagsläper" ( Tagschläfer ), "Söbensläper" ( Siebenstundenschläfer ) und "Dumvagel" in plattdeutschen Regionen - entnommen dem Vogelverzeichnis der "Kieler Vogelkundlichen Arbeitsgemeinschaft".

Der beschriebene Vogel besitzt eine perfekte Tarnung, die ihn während des Tages versteckt auf dem Boden oder auf einem Ast sitzend verborgen hält. Er ist somit schwer zu entdecken - mit seinem braungrauen Federkleid, das an eine Baumrinde oder an trockene Blätter erinnert. Zudem sitzen Ziegenmelker in Ruhezeiten - die Tarnung vervollständigend - der Länge nach auf einem Ast, wie es alle anderen Vogelarten eigentlich nicht tun - mit fast geschlossenen Augen. An die Jugendjahre - erinnert sich der Soldat - waren ihm auf abendlichen Pirschgängen im Mai noch an- und abschwellende Schnurrgeräusche im Gedächtnis, die als Balz des Männchens der Nachtschwalbe mit einem deutlichen Flügelklatschen während seines schmetterlingsartigem Fluges abschlossen. Das fünf bis eventuell neun Minuten dauernde Schnurren wird in der Literatur mit einem in der Ferne vorbeifahrenden Motorrad verglichen und ertönt scheinbar bei geschlossenem Schnabel, was jedoch durch die Wissenschaft noch nachzukontrollieren wäre.

Ziegenmelker leiden besonders stark unter der Entwertung und Zerstörung ihrer Lebensräume - trockene Heide- und Waldbiotope sind selten geworden, und so ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass dieser sagenumwobene Insektenjäger sich in Ersatzlebensräumen wie in schwer zugänglichen Truppenübungsplätzen angesiedelt hat, in denen er dann aber auch beträchtliche Populationen entwickeln kann. So kam es auch zu einer Beobachtung durch Exkursionsteilnehmer der Vogelschutzgruppe Eutin Bad Malente anlässlich ihres Aufenthaltes auf einem ehemaligen, russischen Militärgelände in Brandenburg im Jahre 2016.

Es sind die bevorzugten Sand- und Heideregionen sowie die offenen Kiefernwälder, die unser nacht- und dämmerungsaktiver Vogel benötigt, in der Regel also nährstoff- sowie ertragsarme und daher landwirtschaftlich weitgehend uninteressante Böden. Der Band 7 des "Zweiten Brutvogelatlas`" für Schleswig-Holstein geht davon aus, dass es maximal nur noch drei Brutnachweise in unserem Bundesland gibt, nachdem um 1970 herum der Bestand zusammengebrochen war, der interessanterweise bis dahin nie zahlenmäßig erfasst wurde, da die Vogelart Ziegenmelker damals offenbar "zahlreich oder häufig" vorkam, wegen seiner heimlichen Lebensweise aber wohl auch einer sorgsamen Kontrolle entgangen war.

Foto ( Mathias Schäf, Neuhofen ) : Tagesruheplatz eines Ziegenmelkers

Holger Jürgensen
www.vogelschutzeutin-badmalente.de

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