Vogelkunde: "... mit Vögeln zu jagen"

Vogelkunde: "... mit Vögeln zu jagen"

"Über die Kunst mit Vögeln zu jagen" nannte Kaiser Friedrich II. seine bis heute unübertroffene Anweisung in dieser königlichen Jagdart. Die berühmte, heute im Vatikan verwahrte Handschrift, ist mit realistischen Miniaturen illustriert.

Der in diesem Jahr verstorbene Journalist Horst Stern begann im Januar 1970 eine Sendereihe, die im ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde und unter dem Namen "Sterns Stunde" manchem Älteren unter uns noch gut in Erinnerung ist. Stern beshäftigte sich mit dem gedankenlosen Umgang mit Tieren - bissig, provokant, lehrreich. Er war es übrigens auch, der mit Professor Bernhard Grzimek den BUND, den "Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland" gründete.

In einer dieser Sendungen behandelte Stern die kaiserlichen Ausführungen aus dem Jahre 1071 "De arte venandi cum avibus".

Weshalb sich Stern ausgerechnet mit diesem Thema beschäftigte, ist dem Schreiberling nicht mehr bekannt, aber die geschichtliche Dimension hatte ihn damals gepackt, so dass die spannenden und auch erschreckenden Passagen dem damals jungen Fernseher bis heute in Erinnerung verblieben sind. Die Jagd mit Greifvögeln soll im Nahen Osten entstanden sein, weil bei der Jagd auf flinke Gazellen das Pferd des Jägers diese nicht einholen konnte. Der gezähmte Falke konnte sie jedoch von den Beinen holen, indem er dem Opfer auf den Kopf flog und mit ihren scharfen Krallen seiner Fänge ihre Augen blendete.

Besonders erschreckend war Sterns Ergänzung, dass diese Methode im Altertum auch bei der "zivilen" Nutzung solcher Waffen bekannt war : Jagdadler blendeten auch die Lenker feindlicher Kampfwagen. Geübt hatten sie dieses grausame Geschäft an menschlichen Leichen, die man an die Kanzel der Wagen schnürte - soche Berichte blieben dem Jugendlichen in schauriger Erinnerung. Der Kreuzfahrer Friedrich II. - Enkel des Kaisers Barbarossa - wurde mit den orientalischen Sitten und Gebräuchen bekannt und avancierte derart zum Großmeister der europäischen Falknerei. Selbst kirchliche Würdenträger wie Bischöfe "parkten" damals ihre Beizvögel auf dem Altarrand, während sie die Messe lasen. Ein freier Mann war damals keiner, der keinen Greifvogel besaß.

Der Kaiser war "allround" an der Vogelwelt interessiert; er beschrieb den Flugapparat seiner Jagdvögel "bis in die letzten Knochen und Federn". Es blieb ihm auch nicht die Keilform ziehender Kraniche und anderer Großvögel verborgen, in der der ermüdete Frontvogel häufig abgelöst wird, dem ja kein Auftrieb zuteil wird, da durch den fehlenden "Vordermann" kein tragender Abwind erzeugt wird. Hiermit korrigierte er Aristoteles, von dem man andererseits mit Fug und Recht behaupten könnte, die Vogelkunde als erster Mensch zum Rang einer Wissenschaft erhoben zu haben. Dessen Aufzeichnungen sprechen nämlich fälschlicherweise davon, dass der stärkste und klügste Vogel stets an der Spitze flöge - die moderne Forschung gibt jedoch dem Kaiser recht 

Die heutige Falknerei - auch Beizjagd genannt - ist vor circa zehn Jahren für viele Staaten der Erde durch die UNESCO in die "Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit" aufgenommen, zunächst für asiatische sowie arabische Staaten. Im Jahre 2016 folgte diese Anerkennung dann auch für Deutschland.

Foto ( Autor ) : Szenen aus einer Faksimile-Ausgabe des historischen Falkenbuches "De arte venandi cum avibus"

Holger Jürgensen
www.vogelschutzeutin-badmalente.de

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