Vogelkunde: Millionenfacher Vogeltod für die Bratpfanne

Vogelkunde: Millionenfacher Vogeltod für die Bratpfanne

Bereits in der Frühzeit Ägyptens spielte die Jagd auf Vögel im Leben der dortigen Menschen eine wichtige, gesellschaftliche Rolle - kulturell und wirtschaftlich. Das verdeutlichen die Tierdarstellungen in ihren Tempeln und vor allem an den Grabkammerwänden. Sie waren ein schmückendes Element auf den Möbeln und des Throns des Pharaos, und das Tier hatte darüber hinaus als Nahrungsquelle und in der Mythologie einen besonderen Stellenwert.

Tiere genossen in diesen historischen Hochkulturen in ihrer göttlichen Ordnung religiöse Verehrung - so brachte man dem Falken Ehrfurcht und Achtung entgegen. Dieser Greif fand in seiner Mischgestalt aus Mensch und Vogel eine Darstellung als falkenköpfiger Horus, dem König von Ober- und Unterägypten. Daneben dienten Vögel als Schriftzeichen. So lautet eine entsprechende Übersetzung einer Zeile nur aus Vogelbuchstaben: "Der Landmann klagt mehr als ein Perlhuhn", was aussagen will, dass seine klagende Stimme lauter sei als dieser, als "Schreihals" im Hühnerhof bekannte Vogel - der Autor dieser Zeilen hätte eine andere Übersetzung parat.

Das damals den Menschen am Nil unerklärliche Phänomen des Vogelzuges, der in jedem Frühjahr und Herbst ihr Land berührte, mag der Grund dafür gewesen sein, dass bestimmte Vögel als Königsboten ausgesendet wurden, die sinnbildlich zum Beispiel eine Thronbesteigung in alle vier Himmelsrichtungen verkündeten - entweder sind es Spießenten oder Blauracken gewesen; sie werden jedoch in den Überlieferungen nie mit ihrem zoologischen Namen aufgeführt, sondern ausschließlich schlicht als "Boten" oder als "Horuskinder" benannt. Wie eingangs erwähnt hatte die Vogelwelt bereits im alten Ägypten eine reale Funktion zu erfüllen - sie war eine begehrte Nahrungsquelle. Auf Grund der sehr gründlichen Erforschung der ägyptischen Schriftzeichen wissen wir heute, welche Vogelarten vorrangig gejagt wurden, nämlich große Stelzvögel wie Strauße und Kraniche, Wassergeflügel wie Krick- und Spießente sowie die Rothalsgans und Feldgeflügel wie Rebhühner, Wachteln und Tauben.

Die Bewaffnung der vorzeitlichen Jäger am Nil bestand aus Wurfhölzern, Speeren sowie aus Pfeil und Bogen, die aus verschiedenen Materialien wie Akazienholz, Tierknochen oder sogar aus Elfenbein gefertigt wurden. Die Pfeile waren oft mit Vogelfedern versehen, die ihre Flugeigenschaft verbesserten. In der altägyptischen Welt der Sinne wurden Vögel als Gottesschöpfung angesehen; in ihrem Schöpfungsplan kommt ihnen die Aufgabe zu, höher entwickelten Lebewesen als Nahrung zu dienen - zu diesem Zweck erhalte Gott sie am Leben. Dieses Zitat aus einem Übersetzungstext kann aus heutiger Sicht nur als Überbewertung der Tiere in der altägyptischen Theologie angesehen werden. Diese Ansicht kann schon gar nicht derzeit als Begründung für das millionenfache Sterben von Neuntöter, Grasmücken, Laubsänger und Co. am Nil gelten.

Denn so ist die heutige Situation : An Ägyptens Mittelmeerküste werden in jedem Jahr Millionen durchziehende Vögel gefangen, in Netzen in einer Länge von 700 Kilometern ( ! ), oder sie werden von Freizeitschützen in großen Mengen geschossen. Gerade unsere in ihrem Bestand besonders gefährdeten Singvögel gehören zu ihrer Beute, die anschließend in Kairo auf dem Markt landet. Die auch in Ägypten als illegal geltende Jagd auf Vögel ist so "erfolgreich", dass zu befürchten ist, dass sie bereits einen negativen Einfluss auf den Bestand in ihrer europäischen Brutheimat hat.

Foto ( Autor ) : Papyruszeichnung einer Jagdszene

Holger Jürgensen

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