Vogelkunde: Ein Star, der unter Wasser fliegt

Vogelkunde: Ein Star, der unter Wasser fliegt

Jeder Vogel hat im Verlaufe seiner erdgeschichtlichen Entwicklung eine ökologische Nische gefunden, an die er sich im Verlaufe einer lang anhaltenden Evolution in Gestalt und körperlicher Ausrüstung angepasst hat.

Wer das nicht schaffte, ging im Lebenskampf um Nahrung und der Möglichkeit, sich fortzupflanzen, unter - so mögen viele tierische und pflanzliche Entwicklungsstufen mangels ausreichender Fitness, einer guten körperlichen Gesamtverfassung, auf ihrem Wege nach "oben" zu ihrer "eventuell endgültigen" Gestaltung auf der Strecke geblieben sein - wir haben sie nie kennen gelernt. Erfolgreich auf diesem Wege war aber eine Vogelart, die wir in SchleswigHolstein in unterschiedlichen Landschaften mundartlich "Wasserschmätzer, Bachamsel oder Wasserstar" nennen. Ihr gebräuchlicher Name ist Wasseramsel.

In allen Bestimmungsbüchern fehlt dieser besonders interessante Vogel auf den Brutverbreitungskarten in der norddeutschen Tiefebene - in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie in den polnischen Gebieten. Die Niederungsgebiete zwischen Skandinavien und dem deutschen Mittelgebirge zeigen weiße Flecken auf, was nicht heißt, dass sich die Wasseramsel hier nicht beobachten lässt - sie ist dort Wintergast oder ein Durchzügler. Es ist fast unglaublich : Der nur staren-große Vogel ist vollständig an das Leben an und unter dem Wasser angepasst, wo er sich schräg nach unten gegen die Strömung der schnell dahin plätschernden Fließgewässer stellt, damit er auf den Bachboden gedrückt wird.

Auf der Suche nach Nahrung läuft die Wasseramsel unter Wasser über den kiesigen Grund und schiebt dabei hin und wieder einen Stein beiseite, wenn sie darunter etwas Fressbares vermutet. Ihre kräftigen Krallen sorgen auch bei starker Strömung für den notwendigen Halt. Ihre Nasen- und Ohrenöffnungen sind verschließbar; außerdem besitzt sie eine gut entwickelte Bürzeldrüse, mit deren Fett sie ihr besonders dichtes und damit gut isolierendes Gefieder imprägnieren kann. Eine Wasseramsel wirkt trotz ihres gedrungenen Körperbaus recht anmutig. Ihr weißer Latz hebt sich besonders stark von ihrem dunkelbraunen Gefieder ab. Die außerordentlich geschickte Taucherin fängt mit ihrem spitzen Schnabel im Wasser lebende Kleintiere - Insektenlarven und kleine Krebse, Würmer und sogar sehr kleine Fische und Amphibien; sie kann sich aber auch "an der Luft" mit Fluginsekten als Nahrung versorgen.

Eine lange zurückliegende, seltene Beobachtung machte der Autor und seine Exkursionsgruppe anlässlich einer Wanderung während der Klappholttaler Vogelkurse im Frühjahr des Jahres 1986, als eine Wasseramsel in den Gräben der Keitumer Wiesen auf Sylt beobachtet wurde, die daraufhin in die Annalen der dortigen Vogelwelt Eingang gefunden hat. Sie diente als erneuter Nachweis, dass diese Vogelart unser Land durchstreift - auf der Winterflucht aus Skandinavien sowie im Frühjahr zurück. In Ostholstein sind es oft traditionell örtlich gebundene Winterreviere, die Eingeweihte kennen. Unser "Star im Wasser rasch strömender Bäche" hat die englische Bezeichnung "Dipper".

Unsere Vokabelkenntnis aus dem Schulunterricht reichte in der Übersetzung zu Schöpflöffel oder Suppenkelle, aber auch für Abblendschalter und den Kleinen Wagen im Sternbild des Kleinen Bärs. Ein Dipper ist jedoch ein Taucher, und dieser ist ein ganz besonderer !

Foto ( Christian Garleff, Hamburg ) : Eine vielfach "ausgezeichnete" Wasseramsel an der Elbe - mit Jahres- und Individualkennzeichnungen

Holger Jürgensen
www.vogelschutzeutin-badmalente.de

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