Vogelkunde: Von großen und kleinen Eiern

Vogelkunde: Von großen und kleinen Eiern

Eier begegnen uns am ehesten auf dem Frühstückstisch - weich oder hart gekocht. Sie entstammen sehr häufig Hühnern, die bezeichnenderweise einer "Wirtschaftsrasse" angehören. Die menschliche Beschäftigung hinsichtlich der Legeleistung dieser Hennen - sprich : züchterische Bearbeitung über Jahrhunderte hinweg - , führte zu erstaunlichen Ergebnissen.

So ein 2000 Gramm wiegendes "Wirtschaftshuhn" kann heute jährlich 320 Eier legen - in 10 Tagen 9 Eier; bei einem Ei-Gewicht von 55 - 65 Gramm produziert so eine Henne 14 bis knapp 17 Kilogramm Eier im Jahr. Das Bankivahuhn, aus dem alle Zucht-Rassen des scharrenden Geflügels stammen, lebt heute noch als wilde Urform und zwar in China sowie in Südasien, und es legt gerademal fünf bis sechs Eier in sein Bodennest, von dem jedes Ei nur 40 vH des späteren Zuchtergebnisses wiegt, nämlich 23 Gramm. Einmal abgesehen davon, dass unser Frühstücksei keine Endstation einer Vermehrung darstellt, da in den viel kritisierten Legehennenfarmen der Hahn fehlt oder es sich um Produkte der Hybridrassen handelt, soll hier das Schicksal eines durchschnittlichen Vogelkükens vor und während seines Schlüpfens betrachtet werden.

Der Aufbruch aus einem Leben im Ei - aus dem gut isolierten Heim - zu dem außerhalb der Eischale ist ein Kraftakt für das Küken. Ähnlich der Geburt eines menschlichen Säuglings muss der junge Vogel seine Sauerstoffzufuhr durch die Blutgefäße beenden und seine Lungen erstmals zum Atmen benutzen. Das funktioniert jedoch nur, wenn nach dem Verbrauch des Dotters und des Eiweißes am stumpfen Ende der Kalkhülle sich eine kleine Luftkammer gebildet hat, die der junge Vogel als lebensnotwendig nutzt, um die Kraftanstrengung für die Sprengung seines bis dahin behüteten Gehäuses energetisch aufzubringen. Erleichtert wird der Schlupfvorgang durch die während der Brut dünner gewordene Eischale, da der Jungvogel Teile des Kalkmantels für den Aufbau seines Skeletts benötigte. Der sogenannte Dottersack, in dem sich die Reste des Eidotters befinden, dient dem schlüpfenden Vogel als Proviant für die ersten anstrengenden Tage seines jungen Lebens.

Übrigens : Auch ein menschlicher Säugling verfügt - rudimentär - über so einen Dottersack. Mit der Schulter und mit den Beinen beginnt nun der pressende Schlüpfvorgang, der vom Schnabel unterstüzt wird, auf dessen Spitze sich der aus Kalk bestehende Eizahn gebildet hat und dieser hilfreich die Eischale öffnet. Das kann mehrere Stunden, bei großen Vogelarten sogar zwei Tage, dauern. In einem Vogelgelege schlüpfen die Geschwister im Legeabstand ihrer Geburt. Am Boden brütende Vogelarten hätten jedoch mit dieser Ordnung ein Problem, da sich die durch Prädatoren gefährdete Zeit zu sehr in die Länge ziehen würde, bis der letzte Jungvogel das Licht der Welt erblickt hätte - bei Hühnervögeln oder Entenarten mit zwanzig Eiern im Gelege besonders verständlich. Aus diesem Grunde werden solche großen Gelege vom Altvogel zunächst nur soweit gewärmt, dass der Embryo einerseits nicht abstirbt, andererseits sich aber auch kaum entwickeln kann. Erst wenn das letzte Ei gelegt wurde, beginnt das eigentliche und intensive Brüten, mit dem Erfolg eines synchronisierten Schlüpfvorganges - erstaunliches Ergebnis einer unendlich lange wirkenden Evolution.

Foto ( Autor ) : Keine Regel ohne Ausnahme : Nachtgreife wie hier der Uhu brüten bereits vom ersten Ei an - das Ergebnis ist ein Nachwuchs, der an "Orgelpfeifen" erinnert

Holger Jürgensen
www.vogelschutzeutin-badmalente.de

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