Vogelkunde -Kuriose Gelege in einer Brutkolonie

Vogelkunde -Kuriose Gelege in einer Brutkolonie

Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass jedes Vogelpaar nicht nur sein eigenesNest baut, sondern auch nur dort seine Eier ablegt und anschließend darin seine Jungen groß zieht. Ein solches Verhalten gilt als "normal"; Anomalien sind jedoch in der Natur keinesfalls selten, wie zum Beispiel anlässlich der Rundgänge als Betreuung der Möweninsel im Sibbersdorfer See bei den bodenbrütenden Vögeln beobachtet werden kann.

Veränderungen an Gelegen von Kleinvögeln kennen wir durch den Kuckuck, der bekanntermaßen sein Ei von einem Wirtsvogel ausbrüten lässt, während er ein Ei aus dem Nest verspeist, damit die anfängliche Zahl wieder stimmig ist und gleichzeitig der Eiweißhaushalt des Kuckuckweibchens davon profitiert. Eierraub hingegen zum ausschließlichen Nahrungserwerb ist aus vielen Naturabläufen bekannt.Gelege jedoch, die sich mit Eiern aus unterschiedlichen Vogelarten präsentieren, sind biologisch besonders interessant. Sie sind am häufigsten bei Wasservögeln anzutreffen, die offenbar nicht die Empfindlichkeit der versteckt brütender Kleinvögel besitzen.

Gemeinsame Gelege unterschiedlicher Vogelarten können zunächst einmal die Ursache haben, dass das Nest in Legenot geratener Weibchen während ihrer Abwesenheit zerstört worden ist. In einem solchen Falle - besonders in Brutkolonien -ist ein offenes Nest in der Nachbarschaft geradezu einladend, das Ei dort zu plazieren. Dabei können solche gemeinsamen Gelege durchaus auch aus artfremden Eiern zusammengesetzt sein, obwohl diese farblich und in der Größe voneinander abweichen. Die Akzeptanz der Mischgelege durch den Eigner des Nestes mag auch darin liegen, dass die Färbung der Eischale sich im Verlaufe des Bebrütens sowieso durch den anhaftenden Schmutz des Bauchgefieders verdunkelt. Ein reinweißes Ei deutet stets darauf hin, als letztes gelegt worden zu sein.

Auch das selten beschriebene, gemeinsame Brüten eines, dann relativ großen Geleges, konnten wir beobachten. In einem Brutkasten saßen eine Stockente neben einer Kanadagans - offenbar im gegenseitigen Einvernehmen.Nicht ganz auszuschließen sind Eingriffe "menschlicher Spaßvögel", wenn sich verbotenerweise Fremdkörper zu den Eiern gesellt haben. Es ist jedoch auch bekannt,dass der Brutvogel sich offenbar für ihn interessante Gegenstände ins Nest rollt. So wurde nachgwiesen, dass Höckerschwäne durch Auswechslung eines Eis gegen eine Flasche diese dann weiterhin brütend unter ihre Fittichen nahmen. Ein ähnliches Verhalten ist auch bei Graugänsen dokumentiert.

Im Falle unserer Beobachtungen können wir die interessante Frage nach dem Schicksal derartiger Mischgelege nicht in jedem Fall beantworten. Es ist zu vermuten, dass die jungen Gäste eines fremden Nestes sich nach ihrem Schlupf dem führenden Vogel anvertrauen, was jedoch bei einem Enten- oder Gänse-Pullus in einemMöwennest schon wegen der unterschiedlichen Nahrungsansprüche nicht funktionieren würde. Legeabstand und arteigene Bebrütungszeit werden in vielen Fällen nicht übereinstimmen, so dass es zu einem Ausfall kommen muss.

Wir haben hier die beobachtete Nichteinhaltung von Normen in der Vogelwelt beschrieben, von deren Abläufe mancher überrascht sein wird. Naturfreunde werden immer darauf hinweisen, im sensiblen Bereich der Reproduktion von Vögeln rücksichtsvoll Abstand zu halten.

Holger Jürgensen Foto ( Autor ) :

1 - Stock- und Reiherenten-Eier in einem Nest der Graugans
2 - Graugansgelege - der Grad der Verschmutzung weist auf den zeitlichen Legeabstand
3 - Gelege der Stockente mit einem Marmeladenglas
4 - Ei der Sturmmöwe mit einer Teichmuschel

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