Vogelkunde Start und Landung - vom Vogel gelernt?

Vogelkunde Start und Landung - vom Vogel gelernt?

Für den Betrieb eines Flugzeugs wird bekanntlich eine Start- und eine Landebahn benötigt, auf der der Flieger ständig an Geschwindigkeit zunehmend letztendlich den notwendigen Auftrieb durch die Tragflächen erhält, die in eine Anstellwinkelerhöhung gebracht werden. Inzwischen wird das Fahrgestell eingezogen.

Falls wir in einem Ferienflieger einen günstigen Sitzplatz erhalten, haben wir einen guten Blick auf die Flügel des Jets und auf die ausfahrenden oder sich senkenden Bremsklappen. Diese verändern bei einer Landung vom Cockpit gesteuert den Luftstrom an den Flügeln, so dass weniger Auftrieb entsteht. Durch Schubumkehr der Turbinen entsteht eine Gegenkraft, die für die den Flug abschließende Landung von den ausgefahrenen Rädern und deren Bremsen unterstützt wird. Die Geschichte der Luftfahrt begann mit einem Flug von Kreta nach Sizilien, nur dass die "Piloten" Dädalus und Ikarus nicht angekommen sind, weil ihre Federn mit Wachs montiert waren, und diese der Sonne zu nahe kamen und schmolzen.

Otto Lilienthal war da dann schon weiter, jedoch auch er bezahlte seine Demonstration mit dem Leben. Aber immer hat man sich den Flug des Vogels zum Vorbild genommen - und stets Wesentliches übersehen. Beim Auffliegen eines Vogels oder bei seiner Landung spielt auf Grund der hohen Beweglickeit des Schwanzes dieser eine entscheidende Rolle. Wenn der Vogel sich niederlässt, hält er ihn zur Unterstützung des Bremsvorganges gefächert und nach unten geklappt. Beim Abflug vom Boden oder von einem Ansitz aus zeigt er den Schwanz dagegen bis zu den ersten Flügelschlägen hoch aufgerichtet und erhält so den notwendigen Auftrieb - wie beim Flugzeug.

Überhaupt nimmt der Vogelschwanz beim Segeln und Wenden eine stabilisierende Funktion ein. Er bestimmt zusammen mit dem Flügelschlag die Änderung der Flugrichtung, und dies geschieht in der Regel ziemlich abrupt beim Beutefang oder bei der Gefahrenabwehr, ganz abgesehen von den akrobatischen Flugmanövern während einer Luftbalz - eine derartige Erwartungshaltung werden wir dagegen einem Flugzeugführer gegenüber aus verständlichen Gründen ganz sicher nicht äußern. Während des Fliegens nimmt der Vogelschwanz eine stabilisierende Funktion ein. Andererseits kann er sich in horizontaler Linie mit Hilfe seitlicher Muskeln im Fluge drehen. Im Segelflug der großen Vogelarten - wie beim Seeadler - kann man die Auffächerung des Schwanzes gut beobachten, die der aufsteigenden warmen Strömung der Luft, der Thermik, mehr Fläche bietet und damit die Tragfähigkeit erhöht.

Bei Vogelarten des Waldes und gebüschreicher Zonen ist der Schwanz häufig besonders lang; ein herausragendes Beispiel gibt dazu die Schwanzmeise ab. Ihr relativ kleiner Körper erhält hier ein Gegengewicht, das zugleich der hohen Beweglichkeit im Fluge durch ihren blattreichen Lebensraum dient. Das Rütteln in der Luft wie beim Beutesuchen des Turmfalken sowie der Rückwärtsflug eines Kolibris blieben bisher nur den Leistungen der Vogelwelt vorbehalten, für deren Gleichsetzung für Passagiermaschinen noch manche Ingenieursleistung gefordert werden müsste - falls solche Flüge überhaupt einen Sinn machen würden. Inzwischen hat der Mensch die Drohne erfunden, deren Flugmöglichkeit auf ganz neuen Kriterien basieren. Der keilförmige Flug wandernder Vogelgruppen ist einer ganz neuen Idee beim Flugzeugbauer Airbus nachempfunden, nämlich mehrere Maschinen ihrer Klasse A 350 versetzt hintereinander in einem Formationsflug zu testen - die Kraniche wussten schon immer, wie man "Sprit" sparen kann !

Foto ( Archiv VSG ) : Anflug einer Ringeltaube an eine Fütterung

Holger Jürgensen

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