Vogelkunde Sanderlinge - Wintergäste an den Küsten Schleswig-Holsteins

Vogelkunde Sanderlinge - Wintergäste an den Küsten Schleswig-Holsteins

Er wiegt nur 55 Gramm und ist dennoch unter den Küstenvögeln ein ausgesprochener Weitstreckenflieger, wenn er aus seinen hocharktischen Brutgebieten in den Tundren Kanadas, Grönlands, Russlands sowie aus Spitzbergen nonstop bis zu 5.000 Kilometer den Sand und Schlick unserer Wattenmeerzone erreicht.

Die zahlreichsten Sanderlinge können an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste in den Monaten August und September beobachtet werden, ziehen sie doch im Oktober und November erneut weiter an die westafrikanische Westküste, um dort zum Beispiel in Namibia und Südafrika den Winter zu verbringen. Auffallend ist bei diesem Watvogel sein typisches Verhalten bei der Nahrungssuche; mit schnellen Trippelschritten - zumeist sehr gesellig und in geschlossenen Trupps - erscheint er uns als wendiger Wellenjäger, indem er vor auflaufenden Wellen vor- und zurückrennt.

Im schnellen Lauf geht es im Bereich der sich brechenden Wellen und eventuell vorhandenen Anwurfstreifen hin und her, um hinter dem zurückweichenden Wasser die an den Strand gespülten Beutetiere oder diese im kontrollierten Angespül aufzupicken, bevor die nächste Welle wieder aufläuft. Die Nahrungsaufnahme wird im "Handbuch der Vögel Europas" wie folgt beschrieben : "Sobald sich etwas bewegt, jagt der Sanderling dem optisch fixierten Objekt nach; erst im Schnabel wird entschieden, ob es sich um Nahrung handelt oder nicht".

Und ihre Nahrung ? Sie ist so klein, dass der Mensch diese leicht übersieht, und sie besteht aus ein bis zwanzig Millimeter kleinen Lebewesen der Spülzone wie Sandflohkrebse, junge Garneelen, Ringelwürmer, kleinste Schnecken und Muscheln. Wir beobachteten aber auch Sanderlinge an Aas, die Fleisch aus verendeten Strandkrabben pickten. Die ausgesprochene Emsigkeit der Nahrungssuche hat dem Sanderling im Plattdeutschen den kennzeichnenden Namen "Keen Tied" ( keine Zeit ) und in den Niederlanden "Drieteenstrandloper" eingebracht; weitere, weniger originelle Namen werden vom friesischen Helgoland mit "Wyt Stennyk" überliefert, und in Dänemark heißt er einfach "Sandloeb/per oder Selning".

Die wissenschaftliche Bezeichnung lautet übrigens "Calidris alba" - alba als weibliche Form von albus ( weiß ) und der antik-griechische Gattungsname steht für "kleiner Vogel, der am Wasser lebt ( und keine Schwimmhäute hat )". Wenn Sanderlinge sich bei uns als durchziehende Gäste aufhalten, weisen sie ein graues Rücken- und ein weißes Bauchgefieder auf. Ihr Pracht- oder auch Brutkleid ist wie bei vielen Limikolen ( Watvögeln ) farblich ausdrucksvoller - aber wir können nur selten bei einzelnen Übersommerern diese Veränderung beobachten. Anlässlich der Ölkatastrophe im Herbst 1998 durch die leckgeschlagene "Pallas" litten diese Vögel wegen ihrer beschriebenen Nahrungssuche an einer auffällig starken Verunreinigung ihres Gefieders und führte dadurch zu zahlreichen letalen Verlusten - ein Matyrium der Unschuld in der Natur.

Foto ( Christian Garleff, Hamburg ) : Sanderlinge im Herbst bei der Nahrungssuche

Holger Jürgensen

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