Vogelkunde Komfortverhalten in der Vogelwelt

Vogelkunde Komfortverhalten in der Vogelwelt

Es ist in der Regel kein schöner Anblick, wenn wir des Morgens uns aus den Federn erheben und unseren Körper unter einem letzten und überlauten Gähnen strecken und recken; man nennt jedoch solche Tätigkeit "Komfortverhalten" ! Selbst bei unseren Vögeln können wir Verhaltensweisen beobachten, die auch dem "Konfort" dienen und hier besonders der Körperpflege.

Da werden Kratz- und Putzbewegungen durchgeführt, da wird gebadet - im Wasser, in der Sonne, im Schnee oder im Staub - , und es werden Streckbewegungen vollführt, die mit einer Förderung der Sauerstoffzufuhr in Zusammenhang gebracht werden. Beim Wasser-Baden stehen Kleinvögel in der Regel am Ufer, oder sie suchen seichte Stellen dazu aus; in Gartenteichen, die dafür gerne angenommen werden, sollten tiefe Stellen mit einem Stein versehen werden, um der Ertrinkungsgefahr vorzubeugen. Das Gefieder wird beim Baden meistens nur gleichmäßig benetzt, ohne dass es sich mit Wasser vollsaugen kann.

Wenn aus solcher "Katzenwäsche" jedoch ein intensives Bad wird, kann es bei Landvögeln zu einer weitgehenden Durchnässung des Gefieders kommen, das auch zu einer kurzfristigen Einschränkung der Flugfähigkeit führen kann. Unsere Schwalbenarten sowie der Mauersegler baden im Fluge, was übrigens auch alle Seeschwalben tun, die man erstaunlicherweise als möwenartige Meeresvögel relativ selten auf dem Wasser schwimmend beobachtet. Auch unser Eisvogel mag gerne baden, was er während der Jungenaufzucht auch bitter nötig hat, da die Eltern zur Fütterung des Nachwuchses sich durch die enge Brutröhre arbeiten müssen, durch die auch der übel riechende Kot der Jungen schräg nach unten durch den Gang ins Freie fließt.

Kormorane nehmen bekanntlich charakteristische Trockenhaltungen ein, mit vom Körper ausgestreckten Flügeln nach einem Tauchgang, da ihre Federn nicht ausreichend mit Fett der Bürzeldrüse imprägniert sind - die Trocknung ist wohl der Kompromiss zwischen Unterstützung eines Tauchganges mit nassem Gefieder und der Wiedererlangung einer baldigen Flugfähigkeit. Lange Zeit wurde in der Wissenschaft fälschlicherweise bezweifelt, dass Kormorane überhaupt eine Bürzeldrüse besitzen. Zu den Komfortverhalten von Vögeln gehört auch das Regenbaden, das bei Spechten und Lerchen weit verbreitet ist. Von uns gehaltene Papageien machen dabei lustig wirkende Verrenkungen und drücken damit die Intensität ihres Genusses aus. In den Tropenwäldern benässt sich die dortige Vogelwelt an der durch Tau oder Regen benetzter Vegetation. Unter den Vogelarten, die in Trockengebieten wie Steppen oder gar Wüsten ihre Heimat haben, ist das Staub- oder Sandbaden verbreitet.

Auch im Hühnerhof ist diese Beobachtung zu machen und besonders bei Sperlingsvögeln. In einer leichten Mulde wird lockeres Material unter Badebewegungen unter sowie in das Gefieder gebracht, verteilt und anschließend wieder ausgeschüttelt. Dieses Verhalten dient ganz wesentlich der Gefiederpflege und bekämpft Parasiten wie Milben und Vogelflöhe. Ein hochspezialisiertes Komfortverhalten ist das "Einemsen" des Federkleides, das bei über 200 Sperlingsvögeln nachgewiesen wurde. Anlässlich dieser Aktion werden Ameisen mit dem Schnabel aufgenommen und am Gefieder gerieben, so dass die Insekten ihre Säure auf die Federn des Vogels verspritzen - was eine bekannte Abwehrmaßnahme der Winzlinge bei Gefahr darstellt. Eine leicht veränderte Methode ist das Gefiederspreizen über einer Ameisenansiedlung und die Erlaubnis, dass die nützlichen "Plagegeister" zwischen die Federn eindringen dürfen. Wahrscheinlich dient dieses Einemsem der Reinigung oder der Abtötung der Ektoparasiten durch die Ameisensäure.

Holger Jürgensen

Fotos ( Christian Garleff, Hamburg ) : Das Bad eines Rotkehlchens

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