Bereits der legendenumwobene Begründer der europäischen Fabeldichtung, der antik-griechische Dichter und Sklave "Äsop", der um 600 v. Chr. lebte, hat sich mit Einzelheiten der Nahrungsaufnahme und Verdauung bei Tieren in seinen Gleichnissen befasst. In diesen zahlreichen Kurzgeschichten treten auch viele Vögel auf, die Äsop offenbar gründlich untersucht hat.

Folgen wir diesen Untersuchungen, finden wir im Hals unserer Vögel drei unterschiedliche Systeme mit ebenfalls absolut unterschiedlichen Funktionen : Die Wirbelsäule, die Luft - und die Speiseröhre. Wie bei allen Lebewesen ist die letztere für den Transport der Nahrung vom Schnabel in Richtung Magen verantwortlich. Sehr viele Vögel besitzen als Erweiterung dieser Speiseröhre im Bereich ihres Halses einen Kropf, einen ausbeulenden Sack, der verschließbar ist und einem notwendigen zwischenzeitlichen Nahrungstransport dient - entweder zur Übergabe des Inhaltes an Jungvögel im oder außerhalb des Nestes oder an den zur Zeit nicht jagenden, brütenden oder flugunfähigen Partner, oder für seine eigene Versorgung in wenigen anschließenden Minuten oder nach vielen Stunden.

Taggreife besitzen einen besonders großen Kropf, der große Beutestücke auf Grund einer erfolgreichen Gelegenheit aufnehmen kann; hingegen wissen wir, dass Nachtgreife wie unsere Eulen und Käuze mangels gar keines Kropfes Nahrungsvorräte oder -überschüsse am Rand des Nestes sozusagen zwischenlagern müssen. Vom Kropf - oder bei seinem Fehlen direkt - gelangt die Nahrung des Vogels in seinen zweigeteilten Magen. Im ersten, dem Drüsenmagen, wird die eiweißreiche Speise durch das auch bei unserer Verdauung bekannte Pepsin aufbereitet. Der sich anschließende Muskelmagen kann auch Kaumagen genannt werden, und er ist je nach arttypischer Nahrung des Vogels differenziert gebaut. Körnerfresser verfügen über einen massigen und kräftigen, Fleisch-, Fisch- und Insektenfresser über einen dünnwandigen Muskelmagen.

Die ihn umschließenden Muskelringe dienen durch ihr Reiben und Mahlen der Zerkleinerung ihres Inhaltes. Diei Mageninnenwände sind mit sogenannten Kauplatten verstärkt, die mit der Zeit immer wieder einmal verschleißen, sich auch selbst gelegentlich häuten und dann ausgeschieden werden; sie sind auch nie so hart wie im Vergleich mit unseren Zähnen, und daher nehmen Vögel Magensteine auf. So fallen uns Vögel am Straßenrand auf, die dort nicht nach Futter suchen, sondern Steinchen aufnehmen - und erleiden dabei oft den Verkehrstod. An einem selber geschlachteten Huhn hätten wir Gelegenheit, den Verbleib solcher Steine zu erkunden - es sind schon über 1.000 Stück pro Tier gezählt worden. Das Ganze nennt man dann mit kalkhaltigen Substanzen vermischt "Grit", der auch an Jungvögel im Nest "verfüttert" wird, da ihr Kalkbedüfnis durch den Wachstumsprozess besonders groß ist.

Der anlässlich der Verdauung anfallende Stickstoff wird als Harnsäure ausgeschieden; die weißen Harnsäurekristalle geben dem Vogelkot der fleischfressenden Tiere, dem Schmelz, seine typische Farbe; wer sich Enten-, Gänseoder Kot des Höckerschwanes betrachtet fällt der weiße Harnsäureüberzug am Ende der Kotrollen auf. Pflanzennahrung ist nicht sehr gehaltvoll, zumindest für Vögel schwer aufschließbar, und deshalb wird auch viel der schwer verdaulichen Zellulose wieder ausgeschieden, deren Farbe grün ist.

Foto ( Archiv des Autors ) : Darstellung des Weges der Nahrung durch den Körper einer Singdrossel

Holger Jürgensen