Vogelkunde: Eine heimliche und dennoch lautstarke Erscheinung im Walde

Vogelkunde: Eine heimliche und dennoch lautstarke Erscheinung im Walde

Mit einer roten Kappe geschmückt ist der Schwarzspecht einer der prächtigsten Vögel unserer Landschaft, und er überflog einen baum- und deckungslosen Bereich landwirtschaftlich genutzter Flächen, als der Schüler meinte, eine Rabenkrähe im Fernglas zu erblicken. Aber dann hörte er seinen "krück"- Ruf und beobachtete den typischen, wellenförmigen Flug aller Spechte, und der Junge war sich sicher, zum ersten Mal in seinem Leben einen Schwarzspecht beobachtet zu haben.

Das zweite Erlebnis des Schülers waren vogelkundliche Ausflüge in das Areal einer ehemaligen Wald-Landschaft mit vielen verbliebenen Stubben, die nach einem Windwurf noch einige Zeit darauf warteten, bis sie von der Nachkriegs-Bevölkerung der 1950-er Jahre mit großem Einsatz und viel Schweiß als Brennholz gewonnen wurden. Wir beobachteten hier Schwarzspechte, die sich dieser restlichen Hölzer annahmen, um durch kraftvolles Klopfen sich der dort wohnenden Ameisen und Käfer sowie ihrer Larven anzunehmen - mit 170 Schnabelhieben pro Minute - sagt die ornithologische Literatur. Bei abendlichen Vogelstimmenwanderungen folgten wir dem zwei bis vier Kilometer weit hörenden Hämmern des Schwarzspechtes, und wir bestätigten seine Anwesenheit durch das Verhören seines langgezogenen Rufes, der wie "kliöh" klang.

Wer hat schon das Glück, einen Schwarzspecht während des Bauens seiner Bruthöhle zu beobachten ? Es dauert im weichen Holz immerhin zwei Wochen, bei der Wahl einer Buche als Nisthöhle hämmert der Schwarzspecht aber auch glatt die doppelte Zeit an seinem zukünftigen Heim. Neugierige Vogelkundler haben sogar die dabei entstehenden Späne gezählt : Es sollen bis an die 10.000 sein.


Foto ( Autor ) : Eine neu gezimmerte Schwarzspechthöhle mit den dabei angefallenen Spänen

Ist die Höhle auch von beiden Partnern akzeptiert, legt das Weibchen ihre drei oder vier weißen Eier auf einen Rest von Spänen; ihre Farbe ist weiß, weil Vögel in der dunklen Umgebung der Höhlung ihre Eier gut erkennen und diese keine tarnende Farben aufweisen müssen. Die erstaunlich "komfortablen" Bruthöhlen des Schwarzspechtes dienen auch Nachmietern wie dem Rauhfußkauz, der Hohltaube oder Dohlen und der Schellente, und sogar Fledermäusen, Hornissen und Wildbienen als Wohnstätten oder Aufzucht ihrer Nachkommenschaft. Der schleswig-holsteinische Altornithologe Friedrich Naumann behauptete noch vor 200 Jahren, dass der Schwarzspecht "ein scheuer Bewohner hochgelegener Bergwälder" sei.

Der zweite Brutvogelatlas für Schleswig-Holstein weist auf eine starke Zunahme dieser Vogelart bei uns hin und schätzt die Präsenz in unserem Bundesland auf 600 Paare. Jedes Paar hat einen Revieranspruch von bis zu 400 Hektaren, und diese Wälder bestehen dann hauptsächlich aus Rotbuchen und Kiefern; der Schwarzspecht nutzt natürlich besonders gerne den Totholzanteil in seinem Revier, und er rückt dort dem Borkenkäfer und seinen Larven zuleibe. Nicht zu übersehen sind seine Besuche auch an den Hügeln der Roten Waldameise, in die er deutliche Spuren seiner Eingriffe hinterlässt. Deutliche Spuren seiner Anwesenheit hinterlässt der Schwarzspecht auch mit seinen "Spechtschmieden"; sie entstehen dadurch, dass der Vogel Zapfen von Fichten in eine natürliche Spalte eines Baumastes zwängt, um nun ohne große Verluste den nahrhaften Samen des Nadelbaumes herauszuklopfen.

Foto ( Horst Ehrhardt, Eutin ) : Schwarzspechtleben im Seescharwald bei Eutin

Holger Jürgensen

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