Vogelkunde - Der australische Krieg gegen die Emus

Vogelkunde - Der australische Krieg gegen die Emus

Als wir vor geraumer Zeit auf der heute durch entsetzliches Leid bekannt gewordenen griechischen Insel Lesbos der Vogelbeobachtung nachgingen, besuchten wir auch das interessante Kloster Limonos, das den Namen des orthodoxen wie katholischen Heiligen Ignatius trägt. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf die Bucht von Kaloni und die Salinenfelder; in den Klostermauern waren auch Nachtgreife wie Steinkauz und Zwergohreule zu beobachten, und in einem Strommast hatte erstaunlicherweise ein Mittelspecht seine Bruthöhle geschlagen.

Aber die Begegnung mit einem Emu hatten wir auf der Insel nicht erwartet; der aggressive Vogel war sicher in einer Voliere untergebracht, denn an Menschen gewöhnte Tiere dieser Art sollte man sich nicht zu dicht nähern, bringen sie es doch auf eine Wuchshöhe von einem Meter fünfzig bis neunzig und auf ein Gewicht bis fünfundvierzig Kilogramm. Der korrekte Name dieses Laufvogels ist "Großer Emu" - verwandte, kleinere Arten sind bereits ausgestorben - und seine eigentliche Heimat ist Australien, obwohl er heute weltweit zu unterschiedlichsten Zwecken gehalten wird - als Park- und Zoovogel sowie als Fleischlieferant.

Angesicht der Entdeckung dieses Vogels auf der griechischen Insel Lesbos kam uns eine Erinnerung : Da war doch `mal `was ? Vor neunzig Jahren begann das an den Küsten bereits urbane Australien sein Hinterland zu entwickeln, um dem steigenden Nahrungsbedarf seiner Bevölkerung gerecht zu werden. Es wurden zum Beispiel gediente Soldaten angesiedelt, und diese gründeten Farmen, die jedoch wegen der Emu-Plage keine ertragreichen Ernten erbrachten. Diese großen Laufvögel sammelten sich auf ihren Wanderungen zu zehn Tausenden, fraßen die Kulturpflanzen oder trampelten diese nieder.


Foto ( Autor ) : Das "einsame" Große Emu im griechischen Kloster Limonos ( Lesbos )

Im Jahre 1932 begann wohl die kurioseste Geschichte Australiens, als das Parlament beschloss, dem Unwesen der Emus ein Ende zu bereiten, indem das Militär aufgerufen wurde, mit Waffengewalt einzugreifen. In zwei unterschiedlichen Zeiträumen wurden die Vögel unwaidmännisch gejagt, zum Teil unter Einsatz von Maschinengewehren. Dennoch blieb der Erfolg nicht befriedigend, denn die Emus jagten bereits durch die ersten Schüsse aufgeschreckt mit einer Laufgeschwindigkeit von fünfzig Kilometern pro Stunde davon; sie schienen dabei auch weitgehend widerstandsfähig gegenüber der verwendeten Munition zu sein, was möglicherweise auf ihre dichte Fettschicht zurückzuführen war - der Verteidigungsminister soll keinen leichten Stand im Parlament gehabt haben.

Obwohl das Problem erhalten blieb, brach man das erfolglose militärische Unterfangen ab; im Verlauf der Zeit besann man sich auf die in der Landwirtschaft üblichen Zäune in Australien - wegen der Kaninchenplage, der Känguruh-Schäden und der Schafsrisse durch die Dingos ( verwilderte ehemalige Haushunde ) -, die man nun auch gegen das "Große Emu" verstärkte und verlängerte. Man arbeitet auch heute noch an eine Vervollkommnung der Barriere, und die Zäune werden zur Zeit eine Länge von fünftausendsechshundert Kilometern haben. Trotz großer Ähnlichkeit ist der Emu übrigens nicht mit dem Strauß oder mit dem Nandu verwandt; das hat Gründe in der getrennten Entwicklungsgeschichte der drei Vogelarten durch ihre weit entfernten Siedlungsgebiete; der eine ist auf dem sechsten Kontinent zuhause, die anderen beiden Arten in Afrika beziehungsweise Südamerika - sie sind sich dadurch verständlicherweise nie begegnet.

Holger Jürgensen

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