Vogelkunde - Am Myvatn-See im Norden Islands

Vogelkunde - Am Myvatn-See im Norden Islands

Die im Mai des Vorjahres weitgehend vogelkundlich ausgerichtete Fahrt führte uns mit dem Bus von Seydisfjördur im Westen Islands in eine weltweit einmalige, mondähnliche Hochebene an den Myvatn, dem "Mückensee". Seine vierzig Quadratkilometer liegen in einer der schönsten Regionen der Insel mit blubbernden Schlammlöchern und heißen, schwefelhaltigen Quellen mitten in einer zerklüfteten Lava-Landschaft - ein olfaktorisches Erlebnis : Es stinkt !.

Bereits im Jahre 1959 bereisten Mitglieder der damaligen "Kreisgruppe Eutin im Bund für Vogelschutz e.V." den Myvatn und berichteten zwischem dem 23. Januar und 2. Februar des folgenden Jahres ausführlich auf drei exclusiven Sonderseiten des "Ostholsteiner Anzeigers" über ihre erfolgreiche Reise. Die jugendlichen Vogelfreunde vor 60 Jahren zelteten drei Wochen auf Island, und der Fahrer des Moser-Busses hatte bis zu 14 Stunden am Lenkrad zu sitzen, um die weiten Entfernungen von einem zum anderen Exkursionsziel zu überwinden - Urlaubs- und Arbeitsbedingungen in einer anspruchsloseren und bescheideneren Zeit.

Der relativ flache "Mückensee" ( die meisten sollen nicht stechen ) von maximal vier Metern Tiefe gibt fünfzehn unterschiedlichen Entenarten einen Brut- und Lebensraum. Einer der Gründe für das breite Spektrum an Vogelarten sind viele, teils bewachsene Inseln als Rast- und Brutplätze. Rund um den See wachsen Seggen und verschiedene Zwergsträucher wie Birken und Weiden, ein ausgezeichneter Biotop für Limikolen ( Watvögel ) wie Gold- und Sandregenpfeifer, Uferschnepfen, Bekassinen sowie für Rotdrosseln und Steinschmätzer. Es war uns leider nicht vergönnt, weder einen Eis- noch den Ohrentaucher oder den scheuen Gerfalken zu beobachten. Das Südufer des Myvatn ist von zahlreichen Pseudokratern geprägt. Dabei handelt es sich nicht um kleine Vulkane, wie man vielleicht annehmen könnte; sie entstanden vielmehr durch Lavaströme, die die Sumpfgebiete überflossen und der dadurch entstehende Wasserdampf explosionsartig seinen Weg ins Freie suchte.

Zu den ornithologischen Besonderheiten des Myvatn-Sees gehören die Kragenente und die Spatelente, da beide Arten in Europa nur auf Island als Endemiten brüten. Die ansprechend gezeichnete Kragenente ist von April bis Juli an vielen Stellen, meist an schnell fließenden Wasserläufen, zu sehen. Im August sind die Männchen dann schwieriger zu finden, da sie in dieser Zeit draußen auf dem Meer mausern, während sich ihre Weibchen mit ihren Jungen auf dem, den See entwässernden LaxaFluss, aufhalten. Auch die Spatelenten gehören zu den Attraktionen der Insel, und sie brüten auf Island vor allem um den Myvatn, wo sie einfach und häufig zu sehen sind.

Im Jahre 2019 "verirrte" sich ein Vogel dieser Entenart - offenbar ein Volierenflüchtling - nach Schleswig-Holstein und wurde auf dem Lanker-See bei Preetz fotografiert.Kurzschnabelgänse hört und sieht man mitunter in überfliegenden Gruppen auf ihrem Weg nach Grönland; sie brüten nicht am Myvatn, genauso der Singschwan, der sich eventuell zur Mauserzeit auf dem See niederlässt. Ein kleiner nordischer Greif und Wintergast in Schleswig-Holstein, der nur Straßentauben-große Merlin, nistet in den seenahen Felswänden, von wo aus er Wiesenpieper und Birkenzeisige schlägt. Es gibt am Myvatn mit einem Restaurant, Hotel und Campingplatz eine ausreichende touristische Infrastruktur, die ein Besucherzentrum mit einem Openair-Schwimmbad einschliesst - auf eine Stunde limitiert, im dreißg Grad Celsius warmen Quellwasser, 25 Euro pro Stunde und Person.

Foto ( Autor ) : Balzende Kragenenten auf Island Foto
( Hans-Peter Zeller, Hansühn ) : Spatelenten-Besuch im Kreis Plön Foto
( Autor ) : Karte des Myvatn als Handzeichnung der Exkursionsteilnehmer 1959

Holger Jürgensen

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