Vogelkunde - Vögel der weiten Meere

Vogelkunde - Vögel der weiten Meere

Wenn wir an Vögel über den ausgedehnten Wasserflächen der unsere Kontinente einschließenden Ozeane denken, verbinden wir diese mit bewunderswerten Eigenschaften, haben sie doch tödliche Stürme, harte Kälteeinbrüche, meterhohe Wellenberge und dadurch periodisch Nahrungsknappheit zu überstehen. Viele von ihnen leben pelagisch, das heißt, sie verbringen die Gesamtheit ihres Lebens auf dem offenen Wasser und kommen nur zur Fortpflanzung auf das feste Land.

Zu diesen ausgeprägten Hochseevögeln zählen wir die formenreiche Gruppe der Sturmvögel, Sturmtaucher und Sturmschwalben. Sie sind für ihre maritime Welt besonders ausgerüstet. Die mauerseglergroßen Sturmschwalben besitzen sogenannte Röhrennasen und werden auch zusammen mit anderen Vogelarten unter diesem Begriff geführt. Sie besitzen nämlich nach vorne röhrenartig ausgezogene Nasenöffnungen, aus denen das zwangsläufig mit der Nahrung aufgenommene Meeressalz wieder ausgeschieden werden kann. Kleine Sturmvögel leben von auf dem Wasser treibenden, winzigen Partikeln, die für unser Auge kaum wahrnehmbar sind.

Um diese auflesen zu können, stellen sich die Vögel rüttelnd vor den Wind, wobei sie als Art Rettungsanker ihre Beine ins Wasser hängen lassen, um nicht rückwärts abgetrieben zu werden. Da das Plankton sehr unregelmäßig auf der Wasseroberfläche verteilt ist, wäre die Nahrungssuche sehr anstrengend, wenn die Röhrennasen nicht zusätzlich zu ihrem Sehvermögen über einen ausgezeichneten Geruchssinn verfügen würden. Eigentlich kann gut entwickeltes Riechen für Vögel, die ihre meiste Zeit auf dem Meer verbringen, keine größere Bedeutung haben. Dieser Geruchssinn aber führt die einzelnen Tiere nicht nur während der Brutsaison nachts in ihre Bruthöhle zurück, sondern hilft ihnen auch, ihre Nahrung zu finden. Von Garnelen oder Fischen angefressene Planktonteile setzen einen chemischen Duftstoff frei, der auch in geringsten Mengen von den Sturmschwalben erkannt wird und sie anlockt. Wegen der oft rauen Witterungsverhältnisse der Hochseeküstenregionen sind kleine Sturmvögel gezwungen, ihren Brutplatz unterhalb der Erdoberfläche zu suchen, oft in umfangreichen Kolonien. Sie wählen daher Kaninchenbauten, verlassene Felseingänge der Papageitaucher oder müssen selber grabend aktiv werden.

Sturmvögel sind vor allen Dingen während der Dunkelheit aktiv, wenn die Altvögel von der Nahrungssuche auf dem Meer zurückkommen und ihrem einzigen Jungen das aus dem Seegetier gewonnene Fischöl auswürgen. Schon das alleine sowie die ausgeschiedenen Verdauungsreste des Jungvogels verschmutzt nicht nur die Bruthöhle, sondern hinterlässt auch Gerüche, von denen bereits in den vergangenen Jahrhunderten auf solchen Vogelinseln gestrandete Seeleute auf der Suche nach Nahrung in den Geschichtsbüchern berichtet haben.

Nach entsprechenden Untersuchungen von Sturmvögeln ist von einer Vergrößerung des Vormagens die Rede, gemeint ist wohl der Drüsenmagen, da in diesem Verdauungstrakt sich ungewöhnlich viele Drüsen befinden, die ein Sekret absondern, das dem Walrat ähnelt, jenem Öl, das aus der Melone im Kopf des Pottwals gewonnen wurde. Beunruhigte Vögel verwenden diesen halbverdauten Mageninhalt zur Verteidigung, indem er dem Störenfried entgegengespritzt wird; bei Jungvögeln geschieht dies durchaus gezielt - "bis zu einem Meter weit".

Foto ( Christian Garleff, Hamburg ) : Röhrennasen, verdeutlicht an einem Paar Eissturmvögel auf Helgoland

Holger Jürgensen

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