Vogelkunde - Was zum Kuckuck heißt eigentlich "was zum Geier" ?

Vogelkunde - Was zum Kuckuck heißt eigentlich "was zum Geier" ?

Als der Schreiberling eine Tablette gegen seine Rückenbeschwerden einnahm, wandte er seinen Blick auf die Packung und den Beipackzettel - Diclofenac sei ein schmerzstillendes und entzündungshemmendes Arzneimittel.

Und dann erinnerte er sich an einen Pressebeitrag, der die "Geierkrise" in den neunziger Jahren in Asien beschrieb. Innerhalb von gut zehn Jahren starben in Indien über neunzig Prozent der dort zu Hunderttausenden beheimateten Bengal-, Langschnabel- und Dünnschnabelgeier. Es dauerte nicht lange, bis indische und auch englische Biologen die Ursache herausgefunden hatten : Die Vögel hatten sich mit Diclofenac vergiftet, einem dort ausgesprochen preiswürdigen Medikament, mit dem in Indien die heiligen Kühe gegen Gicht behandelt wurden. Die Rinder werden wegen einer - aus unserer Sicht irrationalen Ideologie - bekanntlich nicht geschlachtet, aber ihre Kadaver auf sogenannten Bestattungstürmen den Geiern zum Fraß "offeriert" - ähnlich dem ehemaligen Bestattungsritus der Parsen im Iran.

In der internationalen Literatur wurden Geier mit dem Teufel in Verbindung gebracht. "Was zum Geier" übersetzt man bei unseren britischen Nachbarn - zum Beispiel "was zum Teufel war das" - mit "what the hell was that" - und nutzt nicht die eigentlich korrektere Vokabel "Vulture" für Geier.

Der weltweitbekannte und -tätige Naturfotograf Carl-Albrecht von Treuenfels, 2006 mit dem Verdienstorden am Bande der Bundesrepublik Deutschland für seine Naturbeiträge geehrt, beschreibt nun auch den massenhaften Tod afrikanischer Geierarten. Viehhalter und Hirten präparieren dort die toten Körper einer Kuh oder eines erlegten Wildtieres mit einem Pflanzenschutzmittel, das im Agrarhandel leicht und billig zu erwerben ist. Als bevorzugtes Mittel gilt das Insektizid "Carbofuran", das Beutegreifer wie Löwe, Leopard und Schakal töten soll, meist aber auch viele Vögel unter den Aasvertilgern trifft. Jedes Jahr sterben hunderte Geier an vergifteten Kadavern, vermutet von Treuenfels.

"Es sind nicht nur die Bauern, die ihr Vieh gegenüber Raubkatzen schützen wollen, sondern aus zwei Gründen auch Wilderer, die es gezielt auf Geier abgesehen haben" - schreibt von Treuenfels. Sie wollen die "Verräter" ihres frevlerischen Tuns vom Himmel holen, damit diese nicht durch ihr auffälliges Kreisen über einem Kadaver die Vertreter der Naturschutzbehörden aufmerksam machen. Andererseits spricht von Treuenfels von einer obskuren afrikanischen Heilkunde, bei der Teile von Geiern als gut bezahlte und begehrte Medikamente gelten.

Geier werden in Freiheit, wenn man sie lässt, bis zu 30 Jahre alt, sind aber erst nach fünf Jahren paarungsfähig. Sie bebrüten dann 45 Tage lang das einzige Ei, und der Jungvogel muss mehrere Monate aufgezogen und versorgt werden, so dass in der Regel nur alle zwei Jahre eine Fortpflanzung erfolgen kann.

Holger Jürgensen

Foto ( Jürgensen ) : Der Gänsegeier auf einem Suchflug über dem Golan in Israel

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