Vogelkunde - Bonaparte – Kaiserneffe und Vogelkundler

Vogelkunde - Bonaparte – Kaiserneffe und Vogelkundler

Vögel erhalten neben ihrem deutschen Namen nach Art und Typ auch wissenschaftliche Bezeichnungen, gefolgt von wichtigen Autoren, die diesen Vogel zuerst entdeckt, benannt oder beschrieben haben. Eine individuelle Variante des Fichtenkreuzschnabels wird mit „loxia rubrifasciata Bonaparte & Schlegel, 1850“ anlässlich unserer Recherche genannt, und dies ließ uns interessiert aufhorchen. Wer war dieser Bonaparte ? Im Herbst 1803 wusste man in den Pariser Kaffeehäusern von einen neuen Skandal zu klatschen. Hatte doch der Bruder des auf Lebenszeit gewählten Konsuls Napoleon eine Dame geheiratet, die bereits mit einem „Wechselmakler“ rechtlich verbunden war. Abgesehen von dem Ärger entspross dieser Verbindung ein Junge, der bei der Taufe die Namen Charles Lucien Jules Laurent erhielt und nun auch de jure ein Bonaparte sowie damit ein Neffe des großen Korsen geworden war.

 

Charles wuchs in Italien auf und heiratete 1822 knapp neunzehnjährig in Brüssel seine Cousine Zenaide. Schon früh zeigte sich sein vogelkundliches Interesse. Die amerikanische Carolinataube trägt übrigens die wissenschaftliche Gattungsbezeichnung „Zenaida“. Ihr ornithologisch forschender Ehemann hatte sich wohl um diese Ehrung bemüht.

Ein Jahr später ( 1823 ) reiste Bonaparte zu seinem Schwiegervater in die USA und war bereits auf dieser Seereise vogelkundlich aktiv sowie mit den um das Schiff auftauchenden Sturmschwalben beschäftigt. In Amerika angekommen, präsentierte er ein Referat über einen neuen Vogel, den er nach dem großen amerikanischen Ornithologen Alexander Wilson benannte - Wilson`storm-petrel, Buntfuß- Sturmschwalbe. Er korrigierte und vervollständigte Wilsons Schriftgut über die „American Ornithology“ - die amerikanische Vogelwelt - und publizierte diese Arbeit.

1840 übernimmt Bonaparte nach dem Tode seines Vaters in Italien den Titel eines „Prinzen von Canino und Musignano“ und engagiert sich politisch. Aber nach dem Scheitern des italienischen Aufstandes 1849 – Oberitalien stand unter der Oberhoheit Österreichs - ging er nach England ins Exil und anschließend nach Holland. Aus seiner fleißigen Feder stammt sein „conspectus generum avium“ - lateinisch deshalb abgefasst, um seine internationale Bedeutung und das „Weltbürgertum“ des Verfassers zu betonen - „Allgemeine Übersicht der Vogelwelt“.

Was Bonaparte für die Systematik der Vögel hat leisten können, sichert ihm einen hervorragenden Platz in der Wissenschaft ! Die Spuren seines Wirkens haben sich tief eingegraben; aber es hat auch nie an Ornithologen gefehlt, denen sie missfielen. Einer, der seinem Herzen sehr nahegestanden hat, Hermann Schlegel – siehe oben - , hat Charles Bonaparte in seinen Lebenserinnerungen ein schönes Denkmal gesetzt : „Dieser merkwürdige Mann fand in vollkommener Sicherheit den rechten Weg in den Tiefen der Wissenschaft. Im höchsten Maße angenehm im Umgang, ein Kinderfreund wie wenige und im Kreis der Familie der liebenswürdigste und zutraulichste Mensch, den man sich denken kann“ - und damit ein Kontrapunkt zu seinem Kaiser-Onkel. Der rastlose Ornithologe diskutierte bereits damals – auch mit deutschen Vogelkundlern von Rang - , dass Vögel ein Ergebnis einer langen Evolution aus Echsen unterschiedlichster Form sein.

Nach dem Tode seiner Frau im Jahre 1854 übernahm Bonaparte die Direktion des Pariser botanischen Gartens. Im Alter von nur 54 Jahren verstarb er bereits im Jahre 1857 in Paris, gezeichnet von einer langen Krankheit.

Ach so ja – der wissenschaftliche Name des besonderen Fichtenkreuzschnabels „ … Bonaparte & Schlegel …..“ : Heute glaubt man an eine Hybride oder an eine „nicht seltene, aber individuelle Variante“ dieses schönen Vogels.

Holger Jürgensen

Foto (Jürgensen): Männlicher Fichtenkreuzschnabel

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