Vogelkunde: Zuflucht Zoo ?

Vogelkunde: Zuflucht Zoo ?

Wenn heute ernsthafte Artenschützer freilebende Tiere einfangen und sie in Menschenobhut halten, wollen sie diese vor dem sonst unvermeidlichen Aussterben bewahren. In Sachen Vogelwelt sind wohl der Kalifornische Kondor in den USA sowie der Bartgeier in den Alpen und Pyrenäen die bisher bedeutendsten positiven Beispiele hierfür. Bei einigen Vogelarten lässt sich schon mit etwas Geschick die Zahl der Nachkommen erstaunlich steigern; so hat man die amerikanische Brautente vom Rande eines vermeintlichen Aussterbens zur vorletzten Jahrhundertwende nunmehr auf einen Stand gebracht, der heute eine jährliche Jagdstrecke von 750 000 Kreaturen möglich macht.

 

Natürlich wäre es grundsätzlich das Beste, die noch vorhandene Wildnis – weltweit - zu schützen, was jedoch kurzfristig nicht immer möglich ist : Immer ist irgendwo Krieg, findet eine Naturkatastrophe statt, werden Bodenschätze gefunden ( z. B. Öl ), oder es bestehen „übergeordnete“ Planungen unterschiedlichster Art. Vom Aussterben bedrohte Tiere im Zoo ? – Es bleibt immer der Einwand, der auch von manchem Naturschützer erhoben wird, nämlich, wenn Tiere nur noch in Zoos überleben können, dann sollten sie lieber sterben. Könnte man allerdings die betroffenen Tiere nach ihrer Meinung fragen, dann würden sie dem sicherlich nicht zustimmen.

Nun, die Erhaltung von Vögeln in Gefangenschaft ist in der Regel einfacher als die von Säugetieren, wenn der Züchter das generelle Problem der Geschlechtsbestimmung beherrscht, da sich Männchen und Weibchen sehr oft äußerlich nicht unterscheiden. Da muss dann schon `mal eine Endoskopie der Bauchhöhle – für Wildvögel sicher ein traumatischer Vorgang - zur Erkennung der Keimdrüsen durchgeführt werden. Im Verlaufe der Geschichte gab es schon des öfteren Bemühungen, gefährdete Vogelarten in vermeintlich sichere Lebensräume, in denen sie nie zuvor heimisch waren, anzusiedeln. Neuansiedlung von Fremdarten ist aber auch eine Hauptursache für das Aussterben heimischer Tiere – es bedarf bei solchen Gedanken also immer guter Begründungen. Wir lesen in einem zeitgenössischen Bericht über einen Versuch, in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts einen „bunt zusammengewürfelten Fang“ von 4.000 europäischen Singvögeln bei Cinsinnati / Ohio heimisch zu machen. Dazu liest man ein Zitat aus dem Werk „Naturalised Birds of the World“ : Ein schöner gefiederter Schwarm erhob sich aus dem offenen Fenster in die Luft, und einen Augenblick später war der Vorort erfüllt von einer Dankesmelodie, wie man sie nie zuvor und nie wieder gehört hat, denn nur wenige dieser Vögel hat man jemals wiedergesehen.

Über Arterhaltung von gefährdeten Tieren in Zoos, ihre dortige Reproduktion in Menschenobhut und über ihre anschließende Wiederfreilassung kann man unterschiedlicher Meinung sein. Die unausweichliche Realität ist aber : Die menschliche Bevölkerung der Erde hat vor dreißig Jahren die Fünf-Milliarden-Marke überschritten; Mitte dieses Jahrhunderts wird die Höchstmarke zwischen acht und zwölf Milliarden erreicht sein und – so sagen „kompetente“ Forscher – dieser Wert wird über Jahrhunderte beibehalten werden. Wenn unsere Nachkommen erst so beengt leben müssen wie heute die Bevölkerung in Südostasien – können wir dann überhaupt noch einen Konsens zwischen den Bedürfnissen der Menschen und dem Schutz der Natur finden ? Eine ängstlich machende Frage !

Holger Jürgensen

Foto ( Jürgensen ) : Vom Aussterben bedrohte Kappensäger – Farbkleckse in der Wasservogelwelt des Zoos in Hannover

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