Vogelkunde Nahrung im Watt – alleine oder in der Gruppe

Vogelkunde Nahrung im Watt – alleine oder in der Gruppe

Wir konnten in den Everglades Floridas einen Schneckenweih beobachten, der eine dort lebende Gehäuseschneckenart aufnahm und zu seinem Fressplatz flog. Dort hielt er das Schneckenhaus mit einem Fang fest und wartete. Irgendwann ließ die Duldungsstarre des Weichtieres nach und sie steckte die Fühler heraus, was den Greif zu einer blitzschnellen Reaktion veranlasste. Unsere Amseln und andere Drosseln lösen dieses Problem sehr viel rabiater. Sie nehmen Gartenschnecken mit ihren relativ dünnen Häusern in den Schnabel und schmettern sie auf einen Stein. Der kundige Beobachter erkennt solche Tätigkeit an den Resten dieser sogenannten „Drosselschmieden“.

 

Watvögel sammeln während der Ebbe große Mengen von Weichtieren auf Sandbänken und im Watt. Knutts und Alpenstrandläufer sammeln diese, Würmer und Insektenlarven, indem sie mit ihrem Schnabel im Schlamm herumstochern. Sie finden die Leckerbissen durch Berührung mit ihrer sehr sensiblen Schnabelspitze. Bei dieser Suche leben sie nicht ungefährdet, denn sie stehen völlig allein auf weiter Flur und können sich daher nirgends verstecken. Deshalb müssen die Vögel ständig auf Feinde wie den Wanderfalken oder den Merlin achten. Verständlicherweise gehen sie daher ihrer Nahrungssuche dann auch nur in Schwärmen nach, in denen immer einige Vögel den Kopf oben haben – was wir „aufmerken“ nennen - und die anderen warnen können, sobald auch nur die geringste Gefahr droht.

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Auch Rotschenkel, Fluss- und Sandregenpfeifer suchen im ungeschützten Gelände nach Nahrung. Sie nehmen dabei ein größeres Risiko auf sich, denn sie suchen allein. Warum verzichten sie auf die geschilderte Sicherheit eines Schwarmes ? Die Antwort liefert ihre Nahrung. Ihre Beute ist nicht im Schlamm des Watts versteckt, sondern diese Vogelarten suchen nach Spiralmuscheln und Krustentierchen, die auf der Oberfläche leben. Wenn eine hohe Anzahl dieser Vögel Vibrationen im Sand oder kleine Wellen auf den flachen Wasserlachen auslösen – was zwangsläufig anlässlich der Nahrungssuche passiert - , würde ihre Beute unerkannt und schnell im Schlamm verschwinden. Im Falle einer Gruppenjagd dieser Watvögel stört die Aktion des einen Vogels die des anderen, und sie fänden gemeinsam nur sehr wenig Nahrung. Sie müssen also alleine suchen, auch wenn es viel riskanter ist.

Holger Jürgensen

Foto 1 ( Heinrich Scheel, Scharstorf ) : Flussregenpfeifer nehmen ihre Beute mit einem kurzen Schnabel von der Bodenoberfläche auf

Foto 2 ( Christian Garleff, Hamburg ) : Eine Bekassine sucht mit ihrem langen „Stecher“ tief im feuchten Boden nach Nahrung

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