Vogelkunde: Die aufwändige Balz der Vögel

Vogelkunde: Die aufwändige Balz der Vögel

...so dass darüber die Selbsterhaltung wegen der in der Regel ungeschützten und dadurch gefahrvollen Aktivitäten oft genug zu kurz kommt und die Natur durch einen Überschuss an Männchen nachhelfen muss ? Dabei wirken doch oft die umworbenen Weibchen reichlich uninteressiert, glänzen vielfach durch Abwesenheit oder picken irgendwo im Hintergrund scheinbar unbeteiligt nach Futter, während andere sogar häufig vor den balzenden Männchen die Flucht ergreifen.

 

Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass die Natur diesen „hochzeitlichen“ Aufwand nicht ablaufen ließe, wenn dieser überflüssig wäre. Der männliche Partner zeigt zunächst einmal dadurch die erwachte Funktionstüchtigkeit seiner Keimdrüsen, und das Balzgehabe steigert seine eigene Paarungsbereitschaft – sogar das Sicherheits- und Nahrungsbedürfnis wird zeitweise überlagert. Mag die Umworbene auch unsichtbar bleiben, sich gleichgültig oder gar spröde zeigen, so nimmt sie doch das arttypisch zugeordnetes Balzverhalten wahr. Auge und Ohr sind auf das ihnen gesendete Reizangebot derart geprägt, dass dieses innerlich verarbeitet wird. Ihre Keimdrüsen reagieren auf den „Alarm“ im Zentralnervensystem und leiten sogar den Prozess der Eireifung ein.

Ohne die notwendige unmissverständliche Bereitschaft des Weibchens kommt es nicht zu einer Paarung - Vergewaltigungen unter den Gefiederten sind höchst selten, nur ausnahmsweise und häufig technisch gar nicht möglich. Dazu scheint es gar nicht so leicht zu sein, den Geschlechtspartner auf Anhieb zu erkennen. Untersuchungen haben ergeben, dass das Männchen des Rotkehlchens in der Balz - stärker als sonst - alles angreift, was sich mit roter Kehle seinem Bereich nähert. Deshalb bleibt dem Weibchen nichts anderes übrig, als sich völlig passiv zu verhalten, also vor seinen Drohgebärden nicht zu fliehen, woran das Männchen eine mögliche Partnerin erkennen kann. Die oft aufgeworfene Frage, ob sich Partner in der Vogelwelt kennen, ist durch einen Versuch geklärt worden. Die Wachshaut des Männchens des Wellensittichs ist an seiner Stirn blau, die eines Weibchens bräunlich. Werden Weibchen durch eine farbliche Auftragung anscheinend zu Männchen, werden sie als Konkurrenten bekämpft. Geschieht diese Täuschung an einem fest verbundenen Paar, merkt das Männchen den „Schwindel“ und verhält sich wie vorher.

Holger Jürgensen

 

Foto ( Dirk Schümann ) : Besonders deutlich wird der Aufwand für die Balz beim Pfau – hier in einer griechisch-klösterlichen weißen „Ausfertigung“ 

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