Vogelkunde - Aus dem Ei zum Jungvogel

Vogelkunde - Aus dem Ei zum Jungvogel

In der Folge des Legens von Eiern ist dann notwendigerweise ein Brüten angesagt – es sei denn, man ist so „schlau“ wie die weltweit agierenden Kuckucke. Den Bruttrieb, der oft in einem engen Nest, in einer von Ungeziefer wimmelnden Höhle oder auf einem allen Naturgewalten ausgesetzten Horst erfolgt, sollten wir nicht vermenschlicht als „aufopferndes Pflichtgefühl oder gar Elternliebe“ beschreiben wollen. Denn schon der Versuch mit einem Höckerschwan, dem man statt der Eier Bierflaschen ins Nest legte, dieser dann in der Folge unbeirrt seine Zeit darauf absaß, lässt uns nur an instinktive Gründe denken – genauso wie bei Legehennen, denen aus bestimmten Gründen Kunsteier untergelegt werden oder Kanarienvögel, die Kieselsteine „bebrüten“.

 

Solche Ergebnisse führen uns zur Frage, ob der Vogel seine Eier überhaupt kennt sowie erkennt. Zur Klärung dieser Frage wurde ein Versuch durchgeführt : Einer Silbermöwe wurde ihr Gelege in Reichweite neben ihr Nest gelegt. Als sie zurück kam, setzte sie sich zunächst auf den leeren Nistplatz, rollte sich aber dann die Eier mit dem Schnabel herbei. In einem zweiten Versuch legte man die Eier weiter entfernt, und sie erkannte diese nicht mehr als die ihrigen und fraß sie.....

Ist der Nachwuchs endlich geschlüpft, stellt sich dem geduldigen Beobachter die Frage, wer eigentlich die Reihenfolge der Fütterung der Jungen entscheidet. Dies bestimmen diese selbst, indem der Hungrigste sich nach vorne drängt oder am aggressivsten auftritt. Vogeleltern verteilen das Futter nicht „gerecht“, sondern sie reagieren auch hier auf den stärksten Reiz. Schwächlinge, die sich nicht durchsetzen können, werden „untergebuttert“ und müssen oft Hungers sterben. In den Horsten von einigen großen Greifvögeln werden in der Regel zwei Junge in einem mehrtägigen Abstand schlüpfen, und durch den entsprechenden Größenunterschied kommt es zu einer aktiven Abdrängung der von den Altvögeln eingetragenen Nahrung durch den kräftigeren Jungvogel, zum aktiven Verletzen und sogar zur Tötung (Kainismus) – und das vor den Augen der das Geschehen tolerierenden Vogeleltern.

Die Sauberhaltung der Kinderstube wird durch ein besonders originelles Wechselspiel von Reiz und Reaktion ausgelöst und erfolgt nicht aus ästhetischen Gründen. Der Selbsterhaltungstrieb zwingt die Vögel dazu, da sonst die Jungen in ihrem eigenen Kot zugrunde gehen würden, und der Geruch sowie das äußere Erscheinungsbild des Nestes würde Feinde geradezu herbeilocken. Darum pflegt der Altvogel nach der Fütterung eine kurze Zeit zu warten, bis sich zum Ende eines Verdauungsprozesses einer der Jungen einen Kotballen absetzt, der dann vorsichtig mit dem Schnabel aufgenommen und fortgetragen wird. Stelz- und Greifvögel setzen einen Strahl über den Nestrand ........

Schwalben sind als ehemalige Felsenbrüter nicht gewohnt, den Kot der Nestlinge fortzutragen, denn an unzugänglichen Steilhängen brauchen sie keine Feinde zu fürchten. Diese angeborene „Sorglosigkeit“ führt heute noch dazu, dass sie den Boden unter ihren Nestern stark mit ihrem Kot verschmutzen. Mit besonderem Nachdruck weisen daher Naturschutzverbände darauf hin, dass das Entfernen von Schwalbennestern aus Gründen der Reinlichkeit nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten ist. Die Vogelschutzgruppe Eutin – Bad Malente e.V. hält ein hilfreiches Flugblatt bereit, um eventuell geplagten Grundstückbesitzern zu helfen.

Holger Jürgensen

Foto (Jürgensen): Mit Hilfe des Eizahns auf dem Schnabel die Schale vor einem Tag verlassen – Silbermöwenjunges vom Sibbersdorfer See

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