Vogelkunde - Wiege im Schilfwald

Vogelkunde - Wiege im Schilfwald

Das Hauptvorkommen des Drosselrohrsängers in Schleswig-Holstein konzentriert sich südlich des Nord-Ostsee-Kanals im östlichen Hügelland sowie in dem dortigen Seengebiet mit breiten Schilfgürteln. Diese Vogelart nutzt ein breites Spektrum an Nahrungstieren. Die Größe und Art der Beutetiere ist u. a. im schlesischen Teichgebiet um Milicz (Nähe Breslau) wissenschaftlich mit der Halsringmethode untersucht worden, die die Nutzung eines breiten Insektenangebotes, aber auch Frösche, Molche und kleine Fische bis zu drei Zentimetern Größe nachweisen konnte.

 

Zur Feststellung der Nestlingsnahrung hat sich bei Staren und später auch bei Mauerseglern die Halsringmethode gut bewährt. Den Nestlingen werden vom dritten Lebenstag an gut biegsame Metallringe für längstens zwei Stunden so eng um den Hals gelegt, dass einerseits die Atemtätigkeit nicht behindert wird, andererseits ein Herunterschlucken der von den Alttieren gebrachten Nahrung verhindert wird. Mit Hilfe von Pinzetten lassen sich die Nahrungsanteile herausnehmen und bestimmen.

Während seiner Rufe klettert der Drosselrohrsänger in einer für ihn ganz typischen Weise an einem senkrechten Schilfhalm empor und nutzt diesen als Singwarte. Auch wenn die meisten Individuen dieser Vogelart eine monogame Saisonehe führen, verpaart sich ein Teil der Männchen mit einem zweiten Weibchen. Diese polygamen männlichen Drosselrohrsänger besitzen in der Regel ein umfangreicheres Gesangsrepertoire, was die Weibchen bevorzugen. Und dies funktioniert offenbar nur, da die Männchen weder brüten noch hudern – Jungvögel im Nest wärmen.

Nach der Revierbesetzung und anschließenden Paarbildung bestimmt das Weibchen einen Neststandort. Um das Nest vor dem Zugriff von Räubern zu schützen, werden von dem allein bauenden Weibchen in der Regel fünf bis sieben im Wasser stehende Schilfhalme als Trägerstruktur verwendet. Der Unterbau und die Wandungen bestehen überwiegend aus alten Schilfblättern, die kunstvoll um die Halme gebunden werden. Dabei werden die Blattknoten der Halme als Verankerung benutzt, um ein Abrutschen zu verhindern.

Meist holt das Weibchen Nistmaterial aus dem Wasser, das daher bei der Verarbeitung noch geschmeidig ist und sich daraufhin beim Trocknen an den Schilfhalmen festzieht. Die tiefe Nestmulde wird fast ausschließlich mit den weichen Samenrispen des vorjährigen Schilfes ausgepolstert. Wenn bei starkem Wind und Wellenschlag das Nest mitunter heftig bewegt wird, verhindert der nach innen gezogene Nestrand ein Herausfallen der Eier oder gar der unruhigen, kälte- und nässeempfindlichen Jungvögel. Die Bauphase bis zur Fertigstellung so eines Nestes dauert durchschnittlich etwa ein Woche.

Drosselrohrsänger sind sehr aggressiv und versuchen Konkurrenten der eigenen Art sowie selbst andere Vogelarten aus ihrem Revier zu vertreiben. Nicht immer gelingt dies beim Kuckuck, von dem er dann gelegentlich als Wirtsvogel zum Aufziehen eines fremden Jungen gezwungen wird.

Foto (Jürgensen): Breite Schilfflächen und dichte Gebüschgruppen wechseln sich im Lebensraum des Drosselrohrsängers ab

Holger Jürgensen

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