Vogelkunde – ein Vogel mit und ohne „Star“allüren

Vogelkunde – ein Vogel mit und ohne „Star“allüren

Der für das menschliche Ohr angenehm klingende Gesang ist dennoch „nur“ geräuschhaft und wenig melodisch. Die abwechslungsreichen Töne enthalten eine ganze Reihe Imitationen anderer Gefiederter. Es wurden über 70 Vogelarten benannt, deren Gesänge oder Rufe von Staren imitiert werden können – in erster Linie die der Sperlingsvögel, aber erstaunlicherweise auch vom Mäusebussard sowie von Limikolen ( Watvögeln ). Bekannt sind auch die Nachahmungen von Fröschen und Haustieren allgemein sowie auch von technischen Geräten wie Klingelgeräusche, Rasenmäher bis zur Trillerpfeife des Schiedsrichters. Außerdem hat man bei genauem Zuhören den Eindruck, dass unser „Star“ zweistimmig singen kann – er bringt verbundene Motive und gleichzeitig „ratternde Stakkato-Rufe“.

 

Das Stimmenorgan der Vögel sitzt nicht im Kehlkopf wie bei uns Menschen, sondern tiefer, dort wo sich die Luftröhre in die beiden Bronchien gabelt, die die Lungenflügel versorgen. Die Gabelungsstelle wird nach dem griechischen Wort für die Panflöte „Syrinx“ benannt, an deren Innenseiten je eine Membrane sitzt. In der Regel verteilt sich eine Lautäußerung des Vogels auf beide Hälften – der Star kann es eben auch „anders“.

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Nach der Paarbildung und nach dem Beginn der Eiablage verstummen unsere Stare fast; erst wenn die Jungvögel aus den Höhlen schauen, beginnt das laute Lärmen erneut und steigert sich zur Herbstbalz und während der folgenden Monate bis zum Abflug in den Winteraufenthalt zu Chorgesängen am abendlichen Schlafplatz. Der Massengesang der Stare kann dann an städtischen Schlafplätzen den Lärm des Verkehrs übertönen sowie bei einer entsprechenden Beleuchtung lange anhalten.

Ein neuer Gedanke greift Platz : Kann es nicht sein, dass in längst vergangenen und wärmeren Erdzeiten, die dieser alte Tierstamm durchlebt hat, der Spätsommermauser der Stare sehr wohl eine erneute Fortpflanzungssaison folgte, wie es heute noch in den Tropen mit zwei Regenperioden üblich ist?

Der zweite Brutvogelatlas für Schleswig-Holstein gibt vor 10 Jahren eine Bestandszahl von gegenüber den Vorjahren gleichbleibenden 55. - 57.000 Paaren des Stars an. Aus der dortigen Kommentierung seiner Gefährdung geht erneut ganz klar seine Abhängigkeit vom Grünland hervor. In der Zeit vor der Möglichkeit, Schadinsekten durch Insektizide zu bekämpfen, hatte fast jeder Grünlandwirt mehrere Nistkästen an seine Scheunen genagelt. Im Naturschutzgebiet „Wildes Moor“ bei Rendsburg sind noch heute rudimentäre Reste einer Bretterwand zu sehen, an denen früher Nisthilfen hingen, von wo aus die Stare auf die hoffernen Wiesen und Weiden flogen, um die an den Graswurzeln nagende Tipula-Larve – plattdeutsch : Porks - der langbeinigen Wiesenschnake – plattdeutsch : Schooster – als Nahrung in Form einer umweltschonenden Schädlingsbekämpfung zu suchen. Dies gelingt dadurch, dass der Star mit dem geschlossenen Schnabel in den Boden eindringt und ihn dann erst wieder öffnet, um die gefundene Larve zu verspeisen. Diese Form der Nahrungsaufnahme ist auch gut zu beobachten und heißt „Zirkeln“.

Das Fehlen von Brutmöglichkeiten könne auch heute leicht durch die Bereitstellung von Nistkästen ausgeglichen werden – schließt der Kommentator des Brutvogelatlasses, und dem schließen wir uns zustimmend an.

Foto ( Uwe Grau, Langenhagen ) : Der Star sitzt vor seinem Brutkasten und wirbt mit Gesang um eine Partnerin.
Foto ( Holger Jürgensen ) : Ein ausgedienter Transformator in Gottrupel bei Flensburg dient als Standort mit unzähligen Starenkästen der umweltschonenden Schädlingsbekämpfung
 
Holger Jürgensen

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