Vogelkunde - Seeadler in Schleswig-Holstein

Vogelkunde - Seeadler in Schleswig-Holstein

Zurück zum Diebstahl in Eekholt : Aufmerksame Zollfander sowie die Hartnäckigkeit des Parkbesitzers Hans-Heinrich Hatlapa (t) ließen endlich die kriminelle Organisation auffliegen. Der Vorgang liest sich wie ein Krimi.

Bei den Ermittlungen spielte „Kommissar Zufall“ eine große Rolle. In der Nähe Nürnbergs war ein Millionärs-Ehepaar überfallen worden. Die eingeleiteten Ermittlungen der Polizei verliefen zunächst erfolglos, da ein Grund für den Überfall – bei diesem wurde der Mann zusammengeschlagen und der Frau die Nase abgeschnitten – nicht so recht erkennbar schien. Die Polizei vermutete, dass Erpressung eine Rolle vorliegen könnte, da auch der Millionär keine weiteren Aussagen machen wollte.

 

Weitere Untersuchungen des Falles riefen schließlich die Zollfahnder auf den Plan. Diese untersuchten nicht nur die Lebensgewohnheiten der reichen Leute, sondern nahmen auch das Gelände der Überfallenen unter die Lupe. Dabei wurden 37 ausgestopfte Greifvögel entdeckt – darunter auch das aus dem Wildpark Eekholt gestohlene und getötete „beste Seeadlerzuchtpaar der Ostseepopulation“.

Die Vermutungen der Polizei, dass die Überfallenen erpresst worden sein, bestätigten sich dann auch. In der Organisation der illegalen Tierfänger war es nämlich zu großen Differenzen gekommen. Als die Hilfskräfte nicht mehr Geld für die immer heißer werdende Ware erhielten, wurde der Auftraggeber unter Druck gesetzt und schließlich erpresst. Als der Millionär nicht mehr zahlte, kam es zu dem anfangs für die Polizei so unerklärlichen Überfall – dem reichen Nürnberger sollte „ein Denkzettel verpasst werden“.

Der Diebstahl der beiden Greifvögel hatte damals bundesweit Aufsehen erregt. Der große Tierfilmer Heinz Sielmann (t) sprach von einem „Verbrechen gegenüber jedermann“, und Hans-Heinrich Hatlapa ( t ) selbst sprach als Präsident des „Deutschen Wildgehege e. V.“ und als Vorsitzender des Fördervereins Wildpark Eekholt auch aus der Sicht des Artenschutzes von einem „unbezahlbaren Verlust“.

Eigenen Notizen zufolge zahlte man damals – Angaben noch in der alten deutschen Währung – für eine präparierte Schneeeule bis zu 2.500 Mark, für einen Uhu 1.500, einen Wanderfalken 2.000 und für einen nordischen Gerfalken 5.000 bis 7.000 Mark. Für einen lebenden Wanderfalken waren in einem orientalischen Land 20.000 Mark und für einen Gerfalken – möglichst das kräftigere Weibchen – 50. bis 100.000 Mark zu bekommen.

Das Washingtoner-Artenschutzabkommen von 1975 hat eine bundesweite Meldepflicht für bedrohte Tierarten in gang gesetzt inclusive einer Implantation eines individuellen Chips, so dass die Vernichtung von jahrelangen Zuchtbemühungen Einhalt geboten worden ist.

Foto ( Jürgensen ) : Dr. Heinz Brüll (t), Leiter der schleswig-holsteinischen Forschungsstation Wild, Wald und Flur, Hartenholm – Eekholt im Gespräch mit Hans Axt (t), Beiratsmitglied der Eutiner Vogelschutzgruppe – im Hintergrund die beiden präparierten Adler

Holger Jürgensen

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