Vogelkunde - Grasmücken – ruffreudige Langstreckenzieher

Vogelkunde - Grasmücken – ruffreudige Langstreckenzieher

Die kleinen und im Vergleich zu anderen Sperlingsvögeln eher unscheinbaren Geflügelten sind jedoch hervorragende Sänger; ganz besonders freut sich der Naturfreund, wenn im Frühjahr wieder der schmetternde und lautstarke Gesang der männlichen Mönchsgrasmücke erschallt – von manchem Liebhaber jenem der der Nachtigall gleichgestellt oder sogar vorgezogen. Die Schönheit des Gesangs war die Ursache für die früher verbreitete Käfighaltung des „Schwarzplättchens“ - nach den schwarzen Federn der Kopfplatte dieser Grasmücke so benannt -, und wir lesen beim ornithologischen Altmeister Johann Andreas Naumann ( 1744 – 1826 ), dass zu seiner Zeit eigens geschaffene „Kennerkreise“ existierten.

 

Alle Grasmückenarten ernähren sich vor allen Dingen von Insekten und deren Entwicklungsformen. Dennoch werden fleischige Früchte, besonders zur Zugzeit, nicht verachtet. Da die Nahrungssituation in den kalten Monaten für solche Ansprüche in unseren Breiten jedoch prekär ist, gehört diese Vogelgruppe grundsätzlich zu den Zugvögeln, und sie ziehen erfolgreich zielgerichtet im nächtlichen Dunkel in ihr Winterquartier. Das schließt nicht aus, dass in milden Wintern auch einmal eine Mönchsgrasmücke am Futterhaus erscheinen kann.

Die in der Regel um zwanzig Gramm wiegenden Grasmücken bewohnen besonders unsere Knicks, Feldgehölze und Wälder. Sie schlüpfen geschickt durch dichtes Gesträuch, Buschwerk und Baumkronen ihrer jeweiligen Wohngebiete. Die meisten nah verwandten Grasmückenarten sind durch eine unterschiedliche, arttypische Habitatwahl – durch ihren eigentlichen Lebensraum - getrennt, was ja auch Sinn macht, um unterschiedliche, ökologische Bereiche weitgehend getrennt zu nutzen.

Die behandelte Vogelgruppe ist auch wissenschaftlich gut untersucht. Mit Hilfe der individuellen Kennzeichnung hat man ihre unterschiedlichen Winterquartiere gründlich erforscht, und die Beringung hat auch Auskünfte über die Sterblichkeit dieser Vögel gebracht. Da die Ringe so klein sind, dass die Eingravierungen nicht durch optische Geräte aus der Ferne in der Natur erkannt werden können, sind die Ergebnisse ausschließlich über einen Wiederfang oder durch das zufällige Auffinden eines toten Individuums feststellbar.

Um ein paar Beispiele zu nennen : Bis ein Jungvogel der Mönchsgrasmücke im darauffolgenden Jahr selber mit der Brut beginnen kann, sind 68 bzw. 61 vH bereits letale Opfer aus den unterschiedlichsten Ursachen geworden; nachweislich ist dagegen ein Vogel dieser Art in der Natur acht Jahre alt geworden, in Gefangenschaft schaffte es einer, 12 Jahre alt zu werden. Das Höchstalter der Sperbergrasmücke wurde ebenfalls mit 12 bzw. zweimal mit 11 Jahren angegeben, und dies vor dem Hintergrund dieses Fernziehers und Überwinterer in den Tropen entlang des Weißen und Blauen Nils im Süden des Sudans sowie im Buschland Kenias, Ugandas und Tansanias. Gartengrasmücken sind nach Beringungsauswertungen 8, 9 und 10 Jahre alt geworden, während sie in Gefangenschaft 17, 18 und 24 Jahre alt wurden.

Foto ( Christian Garleff, Hamburg ) : Singende Dorngrasmücke bei Hohwacht

Holger Jürgensen

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