Vogelkunde - Sperlinge als Untermieter in der Nestburg des Storches

Vogelkunde - Sperlinge als Untermieter in der Nestburg des Storches

Weißstörche sowie weitere Stelzvögel und große Greife errichten bekanntlich umfangreiche Nestburgen, sogenannte Horste, die oft nicht nur ihren Erbauern als Kinderstube dienen, sondern auch einigen Kleinvögeln Unterschlupf für die Aufzucht ihrer Brut bieten können.

Neben Bachstelzen, Feldsperlingen und Staren sind vor allem Haussperlinge beispielhaft für solche Untermieter. Sie gelten als ganz typische Kulturfolger, die sich dem Menschen in seinen Siedlungen angeschlossen haben und gewöhnlich in Höhlungen von Gebäuden, zum Beispiel von Mauerlöchern oder unter Dachziegeln nisten.

In einigen ländlichen Gebieten brütet der Weißstorch inmitten von Ortschaften – bekannte Storchendörfer dafür sind das schleswig-holsteinische Bergenhusen sowie Rühstädt im Land Brandenburg - , wobei die sperrigen Ränder seines Horstes einen offenen Brutplatz für unsere Spatzen bieten. Im Rahmen gezielter Untersuchungen wurde festgestellt, dass fast die Hälfte aller Storchennester von Haussperlingen bewohnt werden. Gewöhnlich bilden diese Untermieter sogar kleine Kolonien aus mehreren Paaren. Eindeutig bevorzugt werden größere Nestburgen, die sich in unmittelbarer Umgebung von Häusern befinden und die bereits seit zehn oder zwanzig Jahren existieren.

Andererseits tut sich eine Frage und ein interessanter Untersuchungsgrund auf, in wie weit Kleinvögel ihre Untermiete überhaupt gefahrlos genießen dürfen, wären sie doch begehrte, größenmäßig interessante Leckerbissen für die Gastgeber ...........

Die Brut von Sperlingen in Adler- oder Reiherhorsten kommt wesentlich seltener vor, da diese großen Vogelarten andere Ansprüche an die Umgebung ihres Nestes stellen und die Nähe des Menschen in der Regel meiden.

Das Nest des Haussperlings ist eine kugelige, wenig stabil wirkende Konstruktion aus Grashalmen, Stroh und ähnlichem Material. Für die innere Auskleidung werden zahlreiche Federn, Tierhaare und feine Pflanzenfasern verwendet. Auch wenn die meisten Nester in Nischen und Höhlungen, bei uns zunehmend in künstlichen Nistkästen gebaut werden, gibt es örtliche Kolonien mit frei stehenden Nestern in Bäumen, im Efeu an Hauswänden oder in hoch wachsendem Buschwerk. Dies fällt uns besonders in den Urlaubsgebieten des Mittelmeeres auf. Diese Nester sind kompakter gebaut und bis auf einen kleinen Seitenausgang in sich geschlossen. Man vermutet darin das ursprüngliche Nestbauverhalten des Haussperlings.

Durch seine erstaunliche Anpassungsfähigkeit im menschlichen Siedlungsraum führt der Spatz einen wahren Eroberungszug fast über den gesamten Erdball – er ist in Ostafrika zwischen den Jahren 2002 und 2009 von „sehr selten“ auf „weit verbreitet“ gesprungen, und die Süddeutsche Zeitung meldet dazu am 1. Juli 2014, dass er jetzt Kenia erobert hat.

Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ganz Europa bis ins nördliche Afrika und weit in den Orient hinein. Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich dieses Areal durch Einbürgerungen in den damaligen Kolonialländern und durch neue Verkehrswege enorm vergrößert. Dennoch haben Veränderungen in der Bauweise unserer Häuser sowie in der landwirtschaftlichen Praxis mit Aufgabe der kleinen Freiland-Geflügelhaltungen seit etwa Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer spürbaren Bestandsabnahme bei uns in Westeuropa geführt.

Foto ( Autor ) : Storchenhorst in der Westtürkey mit einem dort heimischen Weidensperling

Holger Jürgensen

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