Besondere Anpassung an die nächtliche Lebensweise

Auf Grund ihrer nächtlichen Lebensweise und den damit verbundenen Fähigkeiten haben Eulen schon immer für uns Menschen eine besondere Rolle gespielt. Unser Verhältnis zu ihnen ist aber durchaus zwiespältig : Die alten Griechen schätzten die heimlichen Vögel sehr, während auf der anderen Seite sich so mancher Aberglaube rund um diese Nachtvögel rankt.

Totenvogel am Scheunentor

Bereits im antiken Rom glaubte man, dass der Eulenruf den nahen Tod eines Menschen voraussagt. Und auch im Mitttelalter galten Eulen und Käuze als „Totenvögel“ : Der Ruf des Wald- und auch des Steinkauzes, der wegen des vom erleuchteten Krankenzimmers angelockten Insekten so manches Haus umflog, wurde als „Komm mit“ ( ins Jenseits ) gedeutet. Das Heulen des relativ häufigen Waldkauzes und der als „Hohnlachen“ empfundene Balzruf des männlichen Uhus – der Ruf wurde zu seinem Namen – wurden von vielen Menschen als nächtliche Geisterstimmen empfunden. Damals hatten sie ein schlechtes Image : Sie seien wohl Ankündiger von Seuchen und anderem Unglück, Handlanger von Hexen und des Teufels, glaubte man. Kein Wunder daher, dass man sich der Vögel am liebsten entledigen wollte. Und das ist gar nicht so lange her, dass lebende Eulenvögel mit ausgebreiteten Flügeln an Scheunentore genagelt wurden. Viele Landbewohner glaubten, so ihren Hof vor Blitzeinschlägen, Feuer, Hagel und Krankheiten schützen zu können.

Fokussierender Junguhu

Im Zeichen der Brille

Eulen und Käuzen dichtete man aber auch eine besondere Klugheit an, denn sie sehen aus wie ein Mensch mit einer Brille, von dem man annimmt, dass er viel liest und daher auch viel weiß. Deshalb findet man Eulen häufig dort als Logo oder als Wappentier, wo es um Wissen geht – zum Beispiel in Wappen von Schulen, Universitäten oder Verlagen. Der gesichtshafte Ausdruck der Eule hat vor allem mit dem Schleier zu tun – das Federkleid am Kopf, das maßgeblich zum Erfolg der nächtlichen Jagd beiträgt. Als Attribut der Göttin Athene stand der Steinkauz für Weisheit und Bildung. Aus dieser Zeit rührt die Redewendung „Eulen nach Athen tragen“, die etwas Unsinniges oder Überflüssiges zu tun meint. Die Griechen sind ihrer kleinen Eule bis in die heutige Zeit treu geblieben, indem sie ihn auf den griechischen Euro gedruckt haben.

Foto ( Jürgensen ) : Fokussierender Junguhu

Die ökologische Nische ist die Nacht

Für den Ornithologen der Gegenwart sind Eulen und Käuze wegen ihrer Lebensweise besonders interessante Vogelarten. Und neben dem, was uns an den Nachtvögeln sowieso subjektiv ungewöhnlich erscheint, verfügen diese noch über eine ganze Reihe von Merkmalen, die ihnen auch objektiv eine Sonderstellung zuweisen. Im Grunde besetzen Eulen die gleiche ökologische Nische wie Greifvögel – nur, dass sie im Gegensatz zu diesen in der Nacht jagen. Obwohl Eulen und Käuze viele ähnliche Merkmale wie scharfe Krallen und einen Hakenschnabel mit Greifvögeln wie Adler, Falke und Habicht teilen, sind sie mit dieser Vogelgruppe entwicklungsgeschichtlich nicht unmittelbar verwandt. Es ist aber die ähnliche Jagdweise, die während der Evolution zu dieser äußeren Übereinstimmung geführt haben.

Die scharfen Sinne bei der Jagd

Eulen und Käuze haben sehr viele Sehzellen – das sind Stäbchen auf der Netzhaut - , und sie nehmen auch bei schwachem Licht immer noch Beutetiere wahr. Die Augen sind viel lichtempfindlicher als die der Menschen, und sie sind auch – anders als bei anderen Vogelarten – nicht seitlich am Kopf angebracht, sondern sie schauen nach vorne. Sie sind zudem unbeweglich, da der Augapfel mit dem Schädelknochen verwachsen ist. Dies führt zu dem typischen, starren Eulenblick. Diesen Nachteil gleicht der Nachtvogel aber durch eine enorme Beweglichkeit des Kopfes aus. Ohne den Körper zusätzlich zu bewegen, kann die Eule über die gegenüber liegende Schulter blicken. Sie vollbringt dabei eine Drehung von sagenhaften 270 Grad. Die Sehfelder beider Augen überlappen sich, was zu einem sehr guten Abschätzen von Entfernungen und zu einem dreidimensionalem Sehen führt.

Übrigens : In einer absolut schwarzen Nacht – die jedoch in der Natur nicht vorkommt – würden unsere nächtlichen Jäger auch nichts erkennen können !

Eulen und Käuze sehen also auch sehr gut räumlich, weshalb sie auch die Geschwindigkeit einer fliehenden Maus und die Entfernung zu ihr korrekt einschätzen können. Dazu kommt, dass die Ohren schlitzartig und seitlich am Kopf angeordnet sind. Bei einigen Eulenartigen liegt die rechte Ohröffnung etwas höher als die linke. Ihr Gesichtsschleier lenkt den Schall zusätzlich in Richtung der Ohröffnungen und verstärkt ihn so, dass sie noch unter einem halben Meter Schnee eine Maus rascheln hören kann – was ihr aber in diesen konkreten Fall zwar wenig nutzt, da sie den Nager nicht erreichen vermag.

Sicherer Griff, geräuschloser Flug

An den Füßen besitzen Eulen - im Gegensatz zu den Taggreifen – eine „Wendezehe“, die sowohl nach vorne als auch nach hinten gedreht werden kann. Die Zeheninnenseiten tragen hornartige Knötchen, mit denen die Tiere sicher tasten und greifen können. Eulen können bekanntlich nahezu geräuschlos fliegen. Ihre Federn besitzen keine festen Kanten wie die anderer Vögel, sondern sie weisen eine Zähnung auf. Diese und die weiche, samtige Oberfläche des Gefieders dämpfen das Geräusch der sich aneinanderreibenden Federn und der Luft, die durch die Federn rauscht, gänzlich. Hinzu kommt eine relativ große Spannweite der Flügel, die den Nachtvögeln einen sanften Flug auf leisen Schwingen verleiht.

Nahrungsreste in Speiballen ( Gewölle )

Hauptbeutetiere der Eulen und Käuze sind verschiedene Arten von Nagern. Besonders häufig jagen sie die offenbar sehr trägen Schermäuse ( Wühlmäuse ). Daneben erbeuten sie auch Vögel, und der große Uhu schlägt auch kleinere Eulenarten; er hat sogar Tiere bis zu einer Größe eines Hasen oder eines Rehkitzes auf dem Speiseplan. Besonders gerne nimmt er den Igel, die er trotz stacheliger Abwehr versteht, auszuhöhlen. Kleine Eulenarten wie Steinkauz und Zwergohreule ernähren sich auch von Insekten und Regenwürmern. Was die Eulen fressen, lässt sich anhand von Knochen in ihren Gewöllen, den unverdaut wieder hervorgewürgten Fraßresten, erkennen. Im Gegensatz zu denen von Taggreifen findet man in Eulengewöllen viele Knochen, weil ihre Magensäure weniger konzentriert ist, und daher die Speisereste der Beute nicht verdaut werden können.

Unterschiedliche Jagdmethoden

Eulen kennen zwei unterschiedliche Jagdmethoden, nämlich die vom Ansitz aus sowie die im Fluge. Arten, die im Wald leben, jagen von einem Ansitz aus. Auf die Pirsch fliegen Eulen, die in der offenen Landschaft jagen. Die Beute wird dabei aus dem Flug heraus geortet. Bei beiden Jagdmethoden muss die Eule letztendlich fliegen, um die Beute zu ergreifen. Dabei wird der Flug kurz vor dem Zupacken abgebremst, die Beine werden nach vorne gestreckt und die scharfen Zehen gespreizt. Danach tötet sie das Opfer mit einem schnellen Nackenbiss.

Holger Jürgensen