Wenn es einen Mittelsäger gibt, dann muss es wohl auch einen größeren und einen kleineren Säger geben, oder...? Und so ist es denn auch : Wir kennen den Gänse- und als besonders schön gefärbten Wintergast den Zwergsäger. Säger sind weder Handwerker noch schnarchen sie; es sind mittelgroße Entenvögel.

Foto ( Jürgensen ) : Eine Familie der Mittelsäger in der Neustädter Bucht - ein Exemplar betreibt "Wasserlugen"

Mittelsäger führen ein Leben als Fischer, und sie bevorzugen das Milieu des Salzwassers. Daher sind sie bei uns auch eher im nordischen Küstenraum zu finden. Als Nahrungstiere fangen sie kleine Fische, vor allem solche unter acht bis zehn Zentimetern, aber auch Krebstiere, Ringelwürmer und Insekten. Bevor sie die Beutetiere erjagen, tauchen sie den Kopf unter Wasser, um einen Leckerbissen zu erspähen. Dieses Verhalten nennt man "Wasserlugen". Ihr langer Schnabel sieht aus wie eine Säge. Die feinen Häkchen am Ende der Lamellen dienen dem Festhalten der Beute und verhindern, dass gefangene Fische wieder aus dem Schnabel rutschen.

Der Brutvogelatlas Schleswig-Holstein spricht im Erfassungsjahr 1999 von 273 Brutpaaren des Mittelsägers. Im Gegensatz zu seinem großen und kleinen "Bruder" - beide sind in der Regel Baumhöhlenbrüter - legt der Mittelsäger sein Nest geschützt am Boden an, in dichter Vegetation und möglichst dicht am Wasser. Als gesellige Vögel nisten Mittelsäger teilweise in unmittelbarer Nähe ihres Nachbarn und dulden auch andere Vogelarten in ihrer Nähe. Sie führen zwar eine monogame Saisonehe, jedoch sind auch Vielweiberei und Vielmännerei bekannt.

Das Paarungsspiel beginnt zum Monatswechsel November in den Dezember, und es kann bis in den folgenden Juni hinein dauern. Selbst im Winter balzen die Vögel zwischen Eisschollen und Schneetreiben, bei der die Männchen ( oder Erpel ) mit verschiedenen Balzgesten den Weibchen imponieren wollen. Beim sogenannten "Knicks" reißen sie zunächst Kopf und Hals nach oben, Hinterhals und Vorderbrust sinken dabei unter Wasser. Dann hebt sich das Hinterteil, und die roten Füße werden sichtbar; den Schnabel haben sie dabei weit geöffnet. Dieses Schauspiel ist an unseren Ostseestränden gut zu beobachten.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren auch die Binnenseen in der Norddeutschen Tiefebene vom Mittelsäger besiedelt, die er aber inzwischen verlassen, dabei aber sein Brutgebiet nach Süden und Westen ausgedehnt hat. Seine Population gilt heute mit ungefähr 400 Paaren in Deutschland als stabil. Er brütet vor allem an der Ostküste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns, aber auch in wenigen Brutpaaren auf den Nord- und Ostfriesischen Inseln. Erstaunlich, dass einige Mittelsäger im niedersächsischen Harzvorland zur Brut schreiten.

Holger Jürgensen