Wilderei mit Fallen, Netzen, Schlingen und Leimruten auf den Mittelmeerinseln und in den Südalpen auf Vögel haben eine lange Tradition. Die Jagd in Italien ist so verbreitet wie in kaum einem anderen europäischen Land. Die 700.000 Jäger zwischen Brenner und Sizilien ziehen mit Flinten, Fallen, Netzen und Leim gegen durchziehende Zugvögel zu Felde und erlegen dabei jährlich mindestens 30 Millionen Tiere.

1993 wurde in Rom ein neues, nationales Jagdgesetz verabschiedet, das den Vogelfang weitgehend verbietet und fast alle Singvögel unter Naturschutz stellte. Trotzdem gelingt es den Behörden nur sehr zögerlich, die Wilderei in den Griff zu bekommen. Und auch die noch legale Form der Jagd ist ein Affront gegen den Natur- und Tierschutz.

Foto ( Heinrich Scheel, Scharstorf ) : Rotkehlchen - bei uns als Gartenvogel beliebt - in Italien in Gourmettempeln verspeist

Um die Vogeljagd ist inzwischen ein ganzer Industriezweig gewachsen. Besonders in Norditalien leben ganze Städte von der Waffenindustrie. Jagdausrüster, Geländewagenhersteller und Restaurants profitieren vom Jagdfieber. Der Staat kassiert jährlich mehr als 700 Millionen Euro in Form von Gebühren für Jagd- und Waffenscheine, Fang- und Abschussgenehmigungen sowie Steuern auf Waffen, Munition, Fahrzeuge und Jagdausstattungen.

Doch es gibt Grund zur Hoffnung. Besonders in den großen Städten Italiens kann kaum jemand mehr die Zugvogeljagd nachvollziehen, und die Jägerschaft hat große Nachwuchsprobleme. Die Umwelt- und Tierschutzbewegung hat zahlreiche, sehr motivierte Vereine hervorgebracht, die erfolgreich für ein neues Umweltverständnis in Italien werben. Und die Behörden gehen mit aller Härte gegen Wilderer und Vogelfänger vor.

Die Jagd mit Schrot und Blei ist aber noch erlaubt, wenn auch seit 1993 eingeschränkt. Neben verschiedenen Entenarten und Limikolen ( Watvögeln ) sind fünf Singvogelarten offiziell jagdbar. Viele Regionen geben zudem immer wieder auch EU-weit geschützte Arten zum Abschuss frei. Oft verwenden die Jäger Lockvögel, die in winzige Käfige gesperrt vor die Schießbunker gehängt werden, um ihre wilden Artgenossen vor die Flinte der Jäger zu locken. Leimruten sind ebenfalls schon lange verboten - einst im Friaul und an der Küste Liguriens weit verbreitet, ist diese Fangmethode inzwischen selten geworden.

Bogenfallen, die sogenannten "Archetti", lauern in den Bergen westlich des Gardasees zu Hunderttausenden auf Rotkehlchen, Zaunkönige und Drossel-Arten. Die seit mehr als 100 Jahren verbotenen Fallen zerschmettern den gefangenen Vögeln die Beine.

Schlagfallen werden im Frühling auf den Inseln an der süditalienischen Küste illegal aufgestellt, um den aus Afrika heimkehrenden Singvögeln nachzustellen. Die durch den Flug über das Mittelmeer erschöpften Tiere nehmen den Mehlwurm, mit dem die Fallen bestückt sind, als willkommene Mahlzeit und werden von den zuschlagenden Bügeln zerdrückt.

Singvögel gelten in ganz Italien als Delikatesse. Die traditionelle Küche jeder Region hat ihre eigene Zubereitungsart. Die Vögel sind mit einem Gewicht von kaum 20 bis 30 Gramm eher eine zweifelhafte Gaumenfreude als eine echte Mahlzeit. Im Norden werden die Vögel am Spieß, durch Zwiebeln, Paprika und Speck ergänzt, zu Polenta, einem Maisbrei, serviert. In der Toskana und in Umbrien gibt es Singvögel im Speckmantel - dazu reicht man Brot. Auf Sizilien werden die Vögel nach dem Braten in Öl eingelegt und sind dann als Weihnachtsdelikatesse beliebt.

Doch der offene Verkauf von Vögeln ist stark zurückgegangen. Heute werden gewilderte oder legal geschossene Vögel allerhöchstens noch unter der Ladentheke und nur an persönlich bekannte Kunden verkauft. Auch in Restaurants ist es fast unmöglich geworden, noch eine Mahlzeit mit Singvögeln serviert zu bekommen - das Vermarktungsverbot zeigt erste Erfolge.

Über die geschilderte Situation in Italien und darüber hinaus in Südeuropa sind wir immer gut  durch das tatkräftige, erfolgreiche und mutige "Komitee gegen den Vogelmord e.V." informiert. Am Dienstag, den 1. März ist der Geschäftsführer dieser Organisation, Herr Heinz Schwarze  Gast bei der Vogelschutzgruppe Eutin - Bad Malente e.V. anlässlich eines Vortragsabend im Forsthaus am Ukleisee in Sielbeck. Das aus mehreren vogelkundlichen Angeboten bestehende abendlich Programm beginnt um 19 Uhr.

Holger Jürgensen

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