Ist es eigentlich eine Verschwendung, wenn ein männlicher Pfau seine Stoßfedern zu einem wunderschönen Rad öffnet oder der Paradiesvogel ein eher hinderliches Prunkgefieder mit sich herumschleppt ? Generell stehen solche auffälligen Verhaltensweisen und die aufwendige Show im Zusammenhang mit dem wichtigsten Anliegen im Tierleben. Es geht um das Gewinnen der Gunst der Weibchen, und so "fliegen" förmlich viele Vogeldamen auf die herausgeputzten und farbenprächtigen "Herren der Schöpfung".

Foto ( Scheel, Scharstorf ) :  Der schmucke Fasanenhahn ist oft in einer Schilfzone anzutreffen 

Vergleicht man einmal die lebhaft farbenfrohe Ausstattung des männlichen Fasans mit dem
schmucklos-bräunlichen Federkleid seiner Partnerin, ist der Unterschied deutlich zu erkennen. Ein ähnliches Bild beim Auerhahn : Er weist eine prächtige Gefiederfärbung auf, die Henne ist eher unscheinbar. Zudem haben die Männchen vieler Fasanen sowie des Auerwildes fleischfarbene Schwellkörper beziehungsweise nackte, leuchtend rote Hautstellen, den sogenannten Balzrosen, am Kopf. Diese signalisieren, dass es sich um ein paarungswilliges Individuum handelt.

Weitere Vogelarten präsentieren sich ebenfalls nur in der Balzzeit in besonders schön gefärbtem Federkleid. Ein solcher Kandidat ist der Stock(enten)erpel, bei dem Teile seines Äußeren in blauen, grünen und braunroten Tönen schillern. Verantwortlich für diese Färbung ist nicht etwa das verstärkte Auftreten von männlichen Hormonen, sondern das Zurückdrängen weiblicher Hormone in seinem Hormonhaushalt. Wissenschaftler konnten diesen Zusammenhang durch verschiedene Versuche an einer kastrierten Ente belegen, die plötzlich ein Prachtgefieder wie der Erpel zeigte. Damit wird deutlich, dass das ausschließlich zur Paarungszeit getragene Prachtgefieder die eigentliche Grundfärbung der Stockenten darstellt. Eine derart farbenfrohe, ja formidable Färbung wäre bei der Jungenaufzucht aber absolut unangebracht, da sie viel zu auffällig wäre. Hervorragend tarnt für diesen Zweck das erdbraune Federkleid des Weibchens, das auf diese Weise mit der Umgebung verschmilzt.

Manchen Vogelarten genügt das männliche Prachtkleid für die Werbung anscheinend nicht. Ein hervorragender Tänzer ist der auf Neuguinea lebende Laubenvogel, der diesen Namen erhalten hat, weil das Männchen seine Partnerin tanzend in eine kleine, von ihm alleine erstellte "Laube" am Boden lockt, die aus aufgerichteten Halmen und Zweigen besteht, die teilweise auch noch miteinander verflochten sind. Zudem wird diese "Liebeslaube" mit bunten Beeren, Blüten, Schneckengehäusen, Federn, Steinchen sowie anderen farbigen Gegenständen geschmückt - auch Zivilisationsmüll wie Kronkorken, Plastikteile und buntes Papier wird dabei verwendet. Die Laube dient ausschließlich der Balz und stellt nicht das Nest dar, das wiederum gut versteckt in den Bäumen errichtet wird.

Holger Jürgensen

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