Es ist wie ein Spuk : Da klopfen Vögel anhaltend ans Fenster, als wenn sie Einlass ins Zimmer erhalten möchten. Im Frühjahr gibt es bei bekannten Hobbyvogelkundlern immer wieder Anrufe, die nach Ursache und Abhilfe dieses Verhaltens der Vögel befragt werden. Nun hat zu diesem Thema die schweizerische Vogelwarte Sempach eine Veröffentlichung erarbeitet, die sich mit den bisherigen Auskünften der Vogelschutzgruppe Eutin - Bad Malente deckt, und sie soll daher sowie mit Erlaubnis dieser Vogelwarte geschildert und auszugsweise zitiert werden.

Wenn zum Beispiel eine Krähe andauernd ans Fenster klopft, handelt es sich um einen "Spiegelfechter". Zu diesem eigenartigen Verhalten kommt es, weil viele Vogelarten zur Brutzeit ein Revier besetzen. Damit sichern sie für sich und die Aufzucht ihrer Jungen eine Nahrungsgrundlage. Dringt nun ein fremder Artgenosse in dieses Revier ein, wird er bedroht, angegriffen und möglichst nachhaltig vertrieben.

Foto ( Jürgensen ) : Gebirgsstelze als Spiegelfechter an einem Flusslauf auf Mallorca

Manchmal entdecken nun Vögel an Fensterscheiben, in Autorückspiegeln oder glänzenden Felgen ihr Spiegelbild. Sie halten dieses für einen fremden Artgenossen, der sofort attackiert und vertrieben werden muss. Nur mit dem Vertreiben ist es bei einem Spiegelbild so eine Sache ........

Es kommt vor, dass Vögel über Wochen nicht aufgeben, immer wieder zu den Scheiben zurückzukehren und aufs Neue auf sie einhacken. Dies bedeutet zwar für die Vögel Stress, doch kommt es nur in Ausnahmefällen vor, dass sie sich dabei verletzen. Aber auch dies ist in Bad Malente im Frühjahr 2008 beobachtet worden. Manchmal flattern sie über die ganze Scheibe hoch und verursachen dabei lästige Verschmutzungen. Die kräftigeren Krähen hacken dabei gelegentlich auch in Fugendichtungen, in den Kitt und in die Leisten, so dass Schäden entstehen können.

Mit Ausnahme der Rabenvögel zeigen die Gefiederten dieses Verhalten in der Regel nur zur Brutzeit. Der Spuk verschwindet meist nach ein paar Tagen oder Wochen, so wie er gekommen ist. Wenn der / die ungeduldige oder entnervte Hausherr / Hausfrau nun Gegenmaßnahmen ergreift, kann es vorkommen, dass das Tier sich an der nächsten Scheibe "abreagiert."

Anfang August letzten Jahres wird aus dem kleinen Ort Steinbek im Kreis Segeberg berichtet, dass ein Weißstorch aus dem diskutierten Grund "durchgedreht" sei, indem das verhaltensauffällige Tier Autodächer beschädigt hatte, weil es in dem glänzenden Lack sein Spiegelbild erkannte und in ihm einen Nebenbuhler vermutete. Das Storchenmännchen machte dabei Lackschäden, die in die Tausende Euro gingen - was die Versicherung aus Kulanz als Wildunfall betrachtet haben soll.

Zurück zu den kleineren Vogelarten, die sich in Aggressionsstimmung befinden  :  Es gibt nämlich ein paar Möglichkeiten, die Abhilfe von der "Plage" schaffen könnten. Da wäre zunächst die Außenabdeckung des unteren Teils der Scheibe mit einer Pappe, einem Stück Stoff oder einer Folie. Man kann die Scheibe auch mit etwas Dekorspray behandeln, so dass die Spiegelung verschwindet, oder Vorhänge ein paar Tage lang nicht hochziehen. Das Anbringen von Greifvogelsilhouetten ist hingegen so zwecklos wie übrigens auch gegen den Scheibentod unserer Singvögel - hervorgerufen durch einen spontanen Anflug ( Flucht vor dem Sperber ), denn sie erkennen in den meist schwarzen Klebebildern keinen Feind, und ihr Spiegelbild bleibt bestehen. In ganz hartnäckigen Fällen sollte man zum zeitweisen Anbringen von feinmaschigem Fliegendraht schreiten, der mit einigem Abstand zur Scheibe befestigt werden müsste.



Holger Jürgensen

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