Vor beinahe 140 Jahren erschien aus der Feder des bedeutendsten schleswig-holsteinischen Hobbyornithologen seiner Zeit, des Husumer Gymnasiallehrers Joachim Rohweder, ein Büchlein über die "Vögel Schleswig-Holsteins". 1841 in der Nähe von Hohenweststedt geboren, erlebte er als Siebenjähriger während der schleswig-holsteinischen Erhebung den deutsch-dänischen Krieg und als 26-jähriger nach erneuten kriegerischen Auseinandersetzungen unser Heimatland Schleswig-Holstein als eine preußische Provinz. Es folgte dann noch zu seinen Lebzeiten der deutsch-französische Kieg 1870 / 71.

portrait des Ornithologen

 
In seinem Geburtsjahr dichtete Hoffmann von Fallersleben auf Helgoland das "Lied der Deutschen", dessen 3. Strophe heute die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland ist. Rohweder starb 64-jährig im Jahre 1905.

In Rohweders Bemerkungen zur heimatlichen Vogelkunde finden wir bereits zu dieser Zeit seinen hohen Einsatz für den Schutz der Vogelwelt, wenn er sozusagen schriftlich "ausruft" : Ohne Kenntnis der Vögel kein Vogelschutz ! Und wir möchten ergänzen : Vögel sind als beliebte Lebewesen wichtige Indikatoren für eine intakte Natur. Rohweder beruft sich auf die damalige Unkenntnis und den herrschenden Aberglauben in breiten Teilen der Bevölkerung. "Solange Kolkrabe und Rabenkrähe miteinander verwechselt werden, Kuckuck und Sperber für identisch gehalten werden, solange Elster (?) und Storch für unantastbar und wenigstens halbwegs heilige ( nützliche ? ) Vögel gehalten werden, müssen sich alle Bestrebungen ... zum Schutze der Vögel als unzulänglich erweisen". Heute fassen wir diese Erfahrungen zusammen : Wir können und werden nur das schützen, was wir ( mit der uns anvertrauten Jugend ! ) auch kennen gelernt haben. Darin hat die Feldornithologie ihre große Bedeutung.

In der Rubrik "Vorkommen und Verbreitung ( Verf.: der Vögel ) in Schleswig-Holstein" macht Rohweder zum Teil interessante Bemerkungen. So schreibt er über den Mönchsgeier, dass sich dieser Vogel "merkwürdigerweise einige Male bis zu uns verflogen habe ... in Eiderstedt zierte vor einigen Jahren sein Kadaver einen Stallgiebel". Zum Vorkommen des Fischadlers  - der hier auch Flussadler genannt wird - wird bemerkt, dass er " nicht zahlreich, ... so doch in Holstein horstend vorkommt". Der Schlangenadler, auch eine bei uns ausgestorbene Vogelart, "sei überall nur sparsam, aber bei Schleswig, Flensburg und Apenrade horstend angetroffen worden".

Foto ( Heinrich Scheel ) : Fischadler mit doppelter Beute - als Zugvogel in Schleswig-Holstein zu beobachten

Sogar der Schreiadler war seiner Zeit vereinzelt Brutvogel auf der Geest des Mittelrückens. Rohweder verhielt sich aber trotz seines Einsatzes für den Schutz der Vögel - unabhängig von nützlichen oder schädlichen - ansonsten auch nicht viel anders als seine Zeitgenossen. Er war leidenschaftlicher Jäger und berichtet, dass er 1872 einen Schreiadlerterzel schoss. Er gesteht weiterhin, dass er aus einem Horst dieses Greifvogels "durch ein von unten gebohrtes Loch das frisch gelegte Ei herausholte, worauf natürlich der Bau verlassen wurde ...". Es wird schon durch solche Schilderungen stimmig, dass Vogelkundler wesentlich dazu beigetragen haben, dass Großvögel wie Schwarzstorch, Schrei- und Schlangenadler nach 1900 als Brutvögel Schleswig-Holsteins ausgestorben sind. Sie scheinen Recht zu haben, wenn berufsmäßig agierende Vogelkundler in unserem Bundesland diese Behauptung aufstellen ............

Um weiter aus dem "Vorkommen und Verbreitung" zu berichten, erwähnt Rohweder zum Steinadler, dass dieser Greif "ein ziemlicher häufiger Wintervogel" sei, der "fast jedes Jahr beobachtet und geschossen werde". Der Eisvogel komme "freilich sehr zerstreut, aber im Ganzen doch nicht selten ... in östlichen Gegenden als Brutvogel und auf dem Strich" vor. Über das Vorkommen der Feldlerche, eines unserer derzeitigen Sorgenkinder, heißt es, dass der Vogel "sehr gemein in den freien Marschen der Westküste ... auf den sterilen Landstrichen des Mittelrückens ebenso zahlreich wie auf den von Wäldern und Knicks umschlossenen Kornfeldern des Ostens" vorkomme. Ebenfalls die Grauammer, die hier auch als Gerstenammer bezeichnet wird, sei damals häufig vorgekommen und "schwärmt im Winter auf Stoppelfeldern scharenweise umher".

Insgesamt kann wohl festgehalten werden, dass Rohweders Arbeit "Die Vögel Schleswig-Holstein" bereits viele kenntnisreiche Beobachtungen enthält, auf die nachfolgende Generationen aufbauen konnten. Dank eines Sonderheftes der "Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft für Schleswig-Holstein und Hamburg" stehen die Aufzeichnungen des seit langem im Original vergriffenen Textes den vogelkundlich Interessierten wieder zur Verfügung.

Holger Jürgensen

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