In diesen Tagen ist an der schleswig-holsteinischen Westküste unter den zahlreichen Vogelarten ein ganz besonders gefärbter und auffälliger Watvogel in seinem Prachtkleid zu beobachten. Der „Dunkle Wasserläufer“ ist Brutvogel Nordskandinaviens sowie Nordrusslands und im Herbst und Frühjahr regelmäßiger Durchzügler in unserem Bundesland.

Dunkle Wasserläufer, auch Große Rotschenkel genannt, Tringa erythropus ( griech.: Roter Fuß ), die ab Mitte Juni in ihrem ansprechendsten Federkleid an der Westküste zahlreich beobachtet werden können, sind z. Z. offenbar in der überwiegenden Mehrzahl weiblichen Geschlechts, die nach der Eiablage den Brutvorgang dem Männchen sowie ihm auch die Führung der Jungen überlassen, und sich danach bereits auf die Reise ins Winterquartier aufmachen.

Dieses ungewöhnliche Verhalten ist auch bei anderen, im Norden brütenden Limikolen ( Watvögeln ), bekannt, wie zum Beispiel beim Odinshühnchen, Zwergstrandläufer und Mornellregenpfeifer. Das Weibchen dieser Vogelarten besitzt aber auch einen Brutfleck und wäre daher bei Ausfall des Männchens in der Lage, ebenfalls zu brüten; gelegentliches Brüten kann daher auch bei ihr zumindest nicht ganz ausgeschlossen werden. Der Brutfleck ist ein federloser, kahler Fleck auf der Bauchseite, der reich mit Blutgefäßen versehen ist und der Versorgung der Eier mit Wärme dient.

Holger Jürgensen