Ein oder zwei Tage vor dem Schlüfen können Vogelküken mit der Außenwelt in einen sogenannten Stimmfühlungskontakt treten, indem sie Laute von sich geben, auf die der Altvogel antwortet. Es vermag seinerseits auf einen Warnruf eines seiner Eltern hin zu verstummen.

Im typischen Fall liegt der Jungvogel im Ei auf dem Rücken oder auf seiner linken Seite, während der Kopf auf der Brust ruht und der Schnabel zur Seite gedreht und unter den rechten Flügel gesteckt wird. Auf der Spitze des Oberschnabels befindet sich gewöhnlich eine kleine harte Verdickung – der Eizahn. Er ist in der Regel weiß und deutlich zu erkennen. Meist fällt er nach wenigen Tagen nach dem Schlupf ab, kann aber in manchen Fällen bis ein oder zwei Wochen nach dem Schlüfvorgang beibehalten werden.


Foto (Jürgensen): Junge Schwanzmeisen im Nest

Obwohl das Vogeljunge im Ei nur sehr begrenzten Bewegungsspielraum hat, ist es doch in der Lage, den Schnabel so weit zu heben, dass der Eizahn die Schale berührt und eine kleine Delle in sie stößt. Andere Schlüpflinge bewegen sich hingegen kaum, aber wenn sie versuchen, den Kopf in eine bequemere Lage zu positionieren und dabei immer wieder den Schnabel anheben, bekommt letztendlich die Schale einen Sprung, der sich halbkreisförmig zum stumpfen Ende hin von der rechten zur linken Eihälfte erstreckt.

Gleichzeitig wird durch krampfartige Streckbewegungen Druck auf die beiden Pole der dünner gewordenen Schale ausgeübt, bis sie früher oder später in zwei Hälften auseinander bricht und damit den Jungvogel freigibt. Bei manchen Vogelarten können sich die Jungen im Ei leichter bewegen. Ruckweise drehen sie sich langsam um sich selbst und picken dabei die Schale kreisförmig an, bis sie in zwei sauber getrennte Hälften auseinander fällt.

Die Zeit die vergeht, bis sich ein Jungvogel aus der Schale befreit hat, schwankt von mehreren Minuten bei den kleinen Singvögeln bis zu ein oder zwei Tagen bei einigen größeren Arten. Der Elternvogel kann dabei ein wenig helfen, indem er – möglicherweise unbewusst oder versehentlich – auf den Schalenrand pickt. Nachdem der Jungvogel sich von den Schalenhälften befreit hat, zerbricht und frisst der Altvogel die Schalenreste, noch häufiger jedoch trägt er sie fort und lässt sie in einger Entfernung vom Nest fallen.

Andere Vogelarten wieder, deren Junge das Nest bald nach dem Schlupfakt verlassen – die zu den Nestflüchtern gezählt werden – kümmern sich wie die Hühnervögel nicht weiter um die verbleibenen Eierschalen. Es lassen sich zwei Jungvogeltypen unterscheiden : Der Nestflüchter-Typ wird durch ein sehr lebhaftes Dunenjunge verkörpert, der das Nest - in der Regel am Boden – nach dem Trocknen des Dunen- oder Daunenkleides sofort verlassen kann. Nesthocker- Junge schlüpfen dagegen nackt, sind blind, hilflos und völlig auf den Altvogel angewiesen.

Bei manchen Vogelarten ergeben sich jedoch Schwierigkeiten, sie in die eine oder andere Kategorie einzuordnen. Sie zeigen zwar das Erscheinungsbild eines Nestflüchter-Typus, sie sind aber in einem unterschiedlichen Maße auf die Altvögel angewiesen und müssen einige Tage im Nest vertbleiben. Diese Küken werden Platzhocker genannt, und zu ihnen gehören unsere Möwen. Über das Aussehen der Jungvögel im Nestlingsstadium ist nicht allzu viel bekannt. Das liegt einerseits an der lobenswerten Zurückhaltung seitens der Ornithologen, die die hudernden Altvögel während dieser Zeit nicht unnötig stören wollen.

Dennoch hat die Wissenschaft notwendige Untersuchungen über die Merkmale der Jugendentwicklung unserer Vögel in der letzten Zeit durchgeführt, um korrekte Bestimmungsbücher zu erstellen und den Vogelschutz zu fördern.

Holger Jürgensen

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