Sie fliegen Tausende Kilometer, überqueren Wüsten, Gebirge sowie Meere und ertragen Hunger wie Durst - manchmal bis zur völligen Erschöpfung. Zugvögel machen sich regelmäßig in eine andere Welt auf. Doch warum zieht es die Gefiederten regelmäßig in die Ferne ? Wie finden die oft nur wenige Gramm leichten Tiere den weiten Weg ? Aber es geht auch um die Bedrohung, denen die gefiederten Flugexperten ausgesetzt sind. Der Klimawandel zum Beispiel zerstört zunehmend das eingespielte Gleichgewicht unter den Arten, die seit langer Zeit in die Ferne ziehen und denen, die standorttreu dem Winter trotzen.

fund rauchschwalbe im kongo
Foto ( Jürgensen ) : Muster eines Wiederfundes einer Rauchschwalbe aus Schleswig-Holstein im Kongo

Die geheimnisvollen Strategien der Zugvögel

Fernweh und Reiselust – wer Zugvögel über sich ziehen sieht, wird unweigerlich davon gepackt. Einige Zugvögel fliegen alleine, andere in langen Reihen, in V-Formationen oder in großen Scharen. Dabei legen manche nur kurze Strecken von mehreren hundert Kilometern zurück, andere ziehen über 20.000 Kilometer weit. Manche bevorzugen es, unterwegs eine Rast einzulegen, andere überqueren ganze Kontinente mit Wüsten und Meeren im Non-Stop-Flug. Was viele Menschen nicht wissen : Rund dreiviertel aller Vogelarten sind Zugvögel. Von den 270 in Deutschland lebenden Vogelarten sind nur acht Prozent sesshaft – alle anderen unternehmen im Verlaufe eines Jahres mehr oder weniger weite Wanderungen. Würde man alle Zugrouten der Vögel nachzeichnen, so würde unser Globus unter einem dichten Streckennetz fast verschwinden. Schätzungen zufolge sind pro Jahr weltweit fünfzig Milliarden Vögel als Zugvögel unterwegs.

Was genau macht einen Zugvogel zu einem Zugvogel ?

Hauptursache für den Vogelzug sind die nachhaltigen Nahrungsgrundlagen, zumal an kürzer werdenden Tagen. Vor allem Insektenfresser ziehen dorthin, wo das Nahrungsangebot gerade günstig ist. Anstatt im fast insektenfreien Winter in Mitteleuropa zu bleiben, was für viele Arten den sicheren Hungertod bedeuten würde, ziehen die Tiere zum Beispiel nach Westafrika. Dort gibt es Nahrung im Überfluss. Dabei ist es nicht der eigentliche Hunger, der die Zugvögel losziehen lässt : Sie brechen vielmehr Jahr für Jahr zur gleichen Zeit, manchmal auch bereits mitten im Sommer, in das Überwinterungsgebiet auf und fliegen von dort wieder Jahr für Jahr zurück in das Brutgebiet. Diese Art der Wanderung nennt man „Pendelwanderung“.

Vogelzug findet das ganze Jahr über statt. So geht der Heimzug der spät brütenden Vogelarten fast nahtlos in den Wegzug der Frühzieher über. Viele Zugvögel verlassen uns – wie gesagt – bereits mitten im Sommer, manche treffen noch im Winter ein. Sogenannte „Vagabundenvögel“, wie zum Beispiel der Fichtenkreuzschnabel, wandern hingegen nur einmal im Jahr weiträumig umher, und zwar so lange, bis sie wieder auf einen Lebensraum mit einem günstigen Nahrungsangebot stoßen. Vögel, die an einem Ort bleiben, nennt man Standvögel; das sind überwiegend unsere typischen Futterhaus-Besucher im Winter. Von manchen Arten, wie etwa dem Rotkehlchen oder der Amsel, gibt es sowohl Zug- als auch Standvögel.

Holger Jürgensen