Obwohl sich der Mensch seit frühesten Zeiten mit der Vogelwelt beschäftigt hat, fand in der Antike eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Erscheinungen in der Natur nicht statt. Erst der griechische Philosoph Aristoteles, der von 384 bis 322 vor Christi lebte, legte mit seiner „Geschichte der Tiere“ den Grundstein für die wissenschaftliche Zoologie.

Einige Kapitel sind darin auch den Vögeln gewidmet, so dass er damit auch als der erste, namentlich bekannte Ornithologe bezeichnet werden kann. Aristoteles beschränkte sich in diesem Werk nicht alleine darauf, bereits vorhandenes Wissen zusammen zu tragen, sondern er ließ in seine Beschreibungen reichlich eigene Beobachtungen einfließen und ordnete die Vögel nach philosophischen Gesichtspunkten in ein System.

Historisches Buch zur Ornithologie

Foto aus dem Reprint ( Jürgensen ) : Seitenbeispiel aus dem Falkenbuch Kaiser Friedrich II.

In den folgenden Jahrhunderten der nachchristlichen Zeit bis in das ausgehende Mittelalter erfolgte ein Niedergang der Naturwissenschaften, von dem auch die Vogelkunde nicht verschont blieb.Die Tierbeschreibungen beschränkten sich kritiklos auf das Reich der Fabeln und Legenden. Eigene Vogelbeobachtungen fügte erst der Dominikaner Albertus Magnus, der von 1193 bis 1280 lebte, den Ausführungen des Aristoteles bei. Übertroffen wurde er aber noch bei Weitem von einem nicht minder berühmten Zeitgenossen, dem Stauferkaiser Friedrich II. ( 1194 – 1250 ), der sich in seinem Werk „Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen“ ( „De arte venandi cum avibus“ ), nicht nur als hervorragender Kenner der Vogelwelt auszeichnete, sondern dem man auch nach heutigen Maßstäben die Qualitäten eines exellenten Wissenschaftlers bescheinigen muss. Sein Buch ist weit mehr als nur eine Anleitung zur Falkenjagd zu verstehen; vielmehr ist der erste Band eine umfassende Einführung in die Ornithologie. Leider war die Schrift Friedrichs II. über viele Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, und erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde ihr Wert für die Vogelkunde entdeckt. Sie liegt in der kaiserlichen Prachthandschrift in der Vatikanischen Bibliothek. Es sollte aber noch einige Jahrhunderte vergehen, bevor der Schwede Carl von Linne ( 1707 – 1778 ) ein erstes, auch aus heutiger Sicht, brauchbares System der Pflanzen und Tiere erarbeitete.

Historisches Buch zur Ornithologie 2

Foto ( Jürgensen ) : Der Sarkophag Kaiser Friedrich II im Dom zu Palermo.

Übrigens stand der Schreiberling im Februar dieses Jahres vor dem Sarkophag Friedrich II. im Dom von Palermo, dessen Öffnung vor kurzer Zeit zu einer sensationellen Überraschung führte : Es wurden darin in unerklärbarer Weise die Überreste von drei Körpern gefunden - aber das ist natürlich wieder eine ganz andere Geschichte. Fast gleichzeitig mit Conrad Gesners Vogelbuch, über das bereits an dieser Stelle berichtet wurde, erschien ein siebenbändiges, vogelkundlich beachtliches Werk über „Die Geschichte der Natur der Vögel“ des französischen Wissenschaftlers Pierre Belon, der von1517 bis 1564 lebte. Diesem Werk war allerdings für eine lange Zeit ein Schattendasein beschieden, das vom Glanz des Gesnerschen Vogelbuches überstrahlt wurde. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend zeugen Belon`s ornithologischen Informationen nach Selbststudien anlässlich seiner Reisen durch Europa von beträchtlichem Wissen.

Es erscheint heute kurios, dass auch die Fledermäuse bei Gesner in die Vogellschar eingereiht wurde. Immerhin wird ihnen eine Zwischenstellung zwischen Vogel und Maus eingeräumt, und viele Besonderheiten wie Gebiss und Krallen an den Flügeln werden ebenso hervorgehoben wie die Tatsache, dass sie lebende Junge zur Welt bringen, diese säugen und einen Winterschlaf halten. Sie deshalb aber den Mäusen ganz zuzuordnen mit der einzigen Besonderheit der Flügel – dafür war die Nähe des Mittelalters wohl doch noch zu lebendig.

Die Gelehrten der Renaissance hatten es gelernt, den überlieferten Naturbeschreibungen skeptisch gegenüber zu stehen und sich mehr auf das eigene Beobachtungsvermögen und den Verstand als auf mythenverbrämte Legenden zu bauen. Doch während auf der einen Seite viel Ballast mitteralterlichen Aberglaubens über Bord geworfen wurde, brach eine Revolution über das mühsam gewonnene naturwissenschaftliche Weltgefüge herein – es begann die Zeit der Endeckungsreisen, und mit jedem Schiff, das nach Europa zurückkehrte, mehrten sich die unglaublichen Beschreibungen.

Die Naturkundigen standen einem Gemisch von Wahrheiten, Halbwahrheiten und reinen Produkten der Phantasie gegenüber, und so manches Märchen geisterte unausrottbar für lange Zeit durch die Gelehrtenwelt. So gibt es zu der Zeit unglaubliche Empfehlungen in Sachen „Volksmedizin“ - frei nach dem Motto: „Nun brat mir `mal einer einen Storch“. Das Herz des Storches sollte vor Vergiftungserscheinungen bewahren, der Verzehr der Leber Schwindsucht sowie Fallsucht heilen, und der Genuss seines Blutes würde das Leben verlängern.

Holger Jürgensen

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