Im Wachzustand beträgt die normale Temperatur der Vögel ungefähr 41 `C und steigt bei Bewegung bis auf 43.5 `C an - vergleichsweise  lebensbedrohliche Werte für den Menschen. Um die dafür notwendige Energie zu erzeugen, muss ein kleiner Vogel täglich etwa ein Drittel

seines Körpergewichtes an Nahrung zu sich nehmen. Ein größerer Vogel gebraucht weit weniger, denn er verliert weniger rasch  Energiereserven, weil seine Oberfläche - durch die Wärme verloren gehen kann - im Verhältnis zu seinem Körpervolumen geringer ist als bei kleinen Vogelarten.



Foto : Beispiel unterschiedlicher Vogelschnäbel

Die von Insekten- oder Fleischfressern aufgenommene Nahrung wird durch die Säfte des Drüsenmagens zersetzt und von den Wänden des Muskel- oder Kaumagens zermahlen. Die weitere Verdauung erfolgt im Darm und bei manchen Vogelarten überdies noch in zwei
langen sowie dünnen Blinddärmen, die überaus wichtig sind, vor allem für die Verdauung des eventuellen Anteils an Zellulose.

Bei Vögeln, die hauptsächlich von pflanzlicher Nahrung leben, ist der Verdauungstrakt besonders kräftig ausgebildet. Die elastischen Wände der Speiseröhre erweitern sich zu einem Kropf, in dem die Nahrung bis zur Verdauung gespeichert werden kann. Der Kropf der Ringeltaube  zum Beispiel kann im Winter rund 100 Körner, das heißt 20 vH ihres Körpergewichtes, oder eine entsprechende Menge Klee- und Grasblätter  enthalten. Der Magen eines Körnerfressers ist außerordentlich muskulös, was nach dem Schlachten eines Huhnes gut zu erkennen sein wird. In den Falten seiner rauen, hornartigen Innenseite wird die Nahrung dadurch zermahlen, dass sie gegen groben Sand oder Steinchen, dem sogenannten Grit,  gepresst wird - auch im Hühnermagen gut erkennbar. Diese auch Magensteine genannten Teile müssen regelmäßig  vom Vogel aufgenommen und ergänzt werden. Daher beobachtet man zum Beispiel nach Räumung des Schnees Kleinvögel oder in unseren Breiten vielfach auch Saatkrähen am Straßenrand, die in gefährlicher Nähe zum Verkehr nach Steinchen suchen. Auch Bläßrallen kommen immer wieder im Winter zu Tode, wenn sie sich bei Vereisung der Wasserflächen auf der Suche nach Grit auf ungewohntem Terrain aufhalten.

Bei einer Nahrungsumstellung, die zum Beispiel bei der im Schilf lebenden Bartmeise von den dort reifenden Samen auf weicheres Futter - zum Beispiel auf Insekten - erfolgt, werden die die Magenwände verstärkenden hornähnlichen Teile abgestoßen, da sie dann nicht mehr  benötigt werden.

Wegen der Wechselbeziehungen zwischen der Schnabelform des Vogels einerseits und der Art der Nahrung andererseits, läßt die aufmerksame Betrachtung des Schnabels nicht nur gewisse Rückschlüsse auf das Nahrungsspektrum zu, sondern ist darüber hinaus auch ein wichtiges Bestimmungsmerkmal eines Vogels. Körnerfresser besitzen harte, konisch zulaufende Schnäbel wie sie bei den Finken - besonders ausgeprägt beim Kernbeißer - typisch zu beobachten sind. Das "Mundwerkzeug" der Insektenfresser ist zum Aufpicken von tierischen Organismen schmal und pinzettenartig. Besonders breit erscheint der Schnabel bei Schwalben und Seglern, die Insekten im Fluge fangen müssen. Pflanzenfressende Vögel besitzen scharfkantige Schnabelränder zum Herauszupfen, Abreißen oder Schneiden des Futters; Beispiele dafür sind bei unseren Gänsen und Hühnern zu finden.

Die Vielzahl der Schnäbel setzt sich fort bei den auf Nektar spezialisierten Kolibris in der Neuen und den Nektarvögeln in der Alten Welt mit ihren dünnen, röhrenförmigen Schnäbeln bis hin zu den langen und zugleich spitzen Schnäbeln der sich von Fisch ernährenden Vogelarten. Greifvögel benutzen einen nach unten gebogenen Hakenschnabel zum Töten oder Zerkleinern ihrer Beute. Mitglieder der Papageienfamilie können mit ihren Schnäbeln Grassamen ernten, Nüsse knacken und Früchte öffnen - oder sogar dank ihres Intelligenzgrades
situationsgerecht und wirkungsvoll die Käfigtür öffnen .

Holger Jürgensen