Im Jahr 2009 veröffentlichte Heinz Schwarze einen Bericht über den sogenannten "Post Tower" in Bonn, den er als "Todesfalle" für durchziehende Vögel beschreibt. Quelle: Heinz Schwarze: Ein Hochhaus als Vogelfalle; Artenschutzbrief 13; 2009 Für ihren Hauptsitz in Bonn wollte die Deutsche Post World Net ein beeindruckendes Gebäude haben. Mit dem "Post Tower" dem mit 162,5 Meter Höhe größten Bürogebäude Nordrhein Westfalens ist ihnen dies zweifellos gelungen. Naturschutzverbände, darunter das Komitee gegen den Vogelmord, hatten im Vorfeld des Baus erhebliche Bedenken angemeldet, weil das Gebäude nah am Rhein und somit in der Vogelzugschiene errichtet werden sollte. Es hat nichts genützt, seit 2002 ragt der gläserne Büroturm in den ansonsten wenig verbauten Bonner Himmel. Und er ragt nicht nur, er leuchtet auch! Über 2.000 Leuchtstoffröhren und 112 Strahler illuminieren den Wolkenkratzer in der Nacht, der Turm ändert ständig seine Farbe von gelb über rot zu blau. Mächtige Dachstrahler verlängern das Gebäude op¬tisch bis in die Wolken. Bald nach der Einweihung erreichten die ersten Meldungen von verletzten Vögeln die Bonner Geschäftsstelle des Komitees. Insgesamt ein Dutzend Mal wurden Mitarbeiter zu dem Koloss gerufen, weil Vögel mit gebrochenen Flügeln oder Schädelverletzungen gefunden worden waren. Mehrfach gab es anonyme Anrufe von Beschäftigten, die berichteten, an manchen Herbstabenden würde es sich anhören, als werfe jemand Tennisbälle gegen die Scheiben. Es waren leider Vögel! Die Gespräche zwischen den lokalen Naturschutzverbänden und der Post waren schnell festgefahren und von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Schließlich verliefen sie im Sande. Im Herbst 2006 begann dann ein Bonner Biologe ehrenamtlich die systematische Erfassung der Vorgänge am Post Tower. Über ein Jahr lang kontrollierte der Hobby Ornithologe an 347 Nächten das Umfeld des Gebäudes. Die Erkenntnisse bestätigten unsere schlimmsten Befürchtungen: Der hell erleuchtete Glasbau lockt durchziehende Vögel magisch an. Vor allem im August, September und Oktober fliegen Kleinvögel vor allem Sommergoldhähnchen und Rotkehlchen von dem Licht irritiert wie Nachtfalter an den Glaswänden auf und ab, bis sie erschöpft zu Boden gehen. Viele Vögel fliegen aber auch geradewegs auf das Gebäude zu und brechen sich das Genick, spätestens beim Aufschlag auf den Boden. Von den 827 unter dem Turm aufgefunde¬nen Vögeln waren 151 direkt tot (siehe Tabelle). Die Überlebenden wurden notdürftig versorgt und etwas abseits des Post Towers wieder ausgesetzt. Ihr Schicksal ist unge¬wiss, aber innere Verletzungen, Erschöp¬fung und Katzen dürften ihr Übriges getan haben. Einzelne der zunächst geretteten Vögel wurden mit unschädlichem Nagellack an den Füßen markiert und teilweise nach nur wenigen Minuten erneut am Fuß des Hochhauses aufgegriffen. Rotdrosseln aus Skandinavien wurden bei ihrem Zug von dem Licht des Post-Towers geradezu gefesselt. An manchen Abenden fand der Ornithologe Tausende von ihnen, die in die taghell beleuchteten Gehölze am Rande des Hochhauses einfielen und keine Ruhe fanden. Ein Problem stellen auch die gigantischen Dach Strahler dar, die immer wieder in Formation fliegende Großvögel wie z. B. Lachmöwen irritierten. Neben dem nächtlichen Licht stellen natürlich die fast 10.000 Quadratmeter Glasfläche ein erhebliches Problem dar. Alleine an einem rund 200 Meter langen und nur 1, 10 Meter hohen Glasgeländer fanden sich in einem Jahr 49 tote Vögel, darunter vor allem Singdrosseln, Amseln, Stare, Rotkehlchen und Ringeltauben wie auch eine gefährdete Wasserralle. Fazit: Der Post Tower ist eine wahre Vogelfalle. Seine Ergebnisse präsentierte der Biologe im Jahr 2008 den zuständigen Stellen bei der Post. Die biologisch fundierten Ar¬gumente überzeugten den Post Vorstand und nach Jahren des Stillstandes wurde wieder nach Auswegen aus der Misere ge¬sucht. Im Herbst 2008 gab es dann einen ersten Versuch, die Situation zu verbessern: Die Post schaltete während der gesamten Zugzeit die bunte Beleuchtung des Gebäudes auf ein dunkles Blau und ließ zudem vogelähnliche Schatten über die Glasfassade huschen. Im Gegensatz zu gelbem und rotem Licht wird Blau nachgesagt, weniger attraktiv auf Vögel zu wirken. Auf die beste Lösung, nämlich das komplette Ausschalten der Beleuchtung, wollte sich die Post noch nicht einlassen. Dies, so der Pressesprecher des Unternehmens Dirk Hanke, sei "zu schade", da sich das Farbenspiel zu einem Werbeträger entwickelt habe. Dass man aber die Beleuchtung von Firmen-Wahrzeichen für den Vogelschutz auch werbewirksam ausschalten kann, beweist die Firma Bayer in Leverkusen jedes Jahr: Das dortige "Bayer Kreuz" bleibt während der Zugzeit dunkel eine Maßnahme, die dem Chemiekonzern jährlich eine positive Berichterstattung verschafft. Zur Überwachung des Erfolgs der veränderten "Lichtspiele" am Post-Tower wurde eine Diplomarbeit vergeben, die vom Bonner Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig betreut wird. Ergebnisse liegen noch nicht vor wenn sie aber nicht im Sinne des Vogelschutzes ausfallen, werden die Bonner Naturschützer wieder in Verhandlungen mit der Post treten.