Der Fachbegriff „Gelege“ steht für die Eizahl, die ein Vogel gleichzeitig bebrütet. Sein Umfang variiert bei den einzelnen Vogelarten beträchtlich, andere Gefiederte wieder lassen über die genetisch vorgegebene Zahl kein zusätzliches Ei heranreifen. Zu dieser Gruppe gehören die Tauben, die stets nur zwei Eier legen. Bei vielen anderen Arten schwankt die Eizahl um einen Mittelwert, oder sie legen so viele Eier, bis eine dem sitzenden Vogel zusagende Zahl erreicht erscheint. Nimmt man solchen Vögeln Eier weg, fangen sie erneut zu legen an, was man in zurückliegenden Jahren beim Sammeln von Möweneiern nutzte.


Foto (Jürgensen): Um Futter bettelnde Amselküken

Vögel, die anscheinend unbegrenzt legen können, sind in der Lage, in einem beträchtlichen Umfang nachzulegen. Besonders deutlich zeigt sich dieses Verhalten bei unserem Haushuhn, das bis zu 300 Eier im Jahr legen kann. Bei weit verbreiteten Vogelarten kann die Größe eines Geleges auch regional variieren, und besonders bei kleineren Singvögeln ist von Süden nach Norden oder von Südwesten nach Nordosten ein deutlicher Trend zu größeren Gelegen zu beobachten. Die Wissenschaft vermutet hier einen Zusammenhang mit der Tatsache, dass in nördlichen Breiten die Nahrungsbeschaffung infolge der längeren Tage auch für größere Bruten sichergestellt ist.

Es sind aber Zweifel an dieser Auffassung erlaubt, da im Vergleich zu weiter südlich nistenden Arten dem eine kürzere Brutperiode und weniger Jahresbruten eines Vogelpaares entgegen stehen. Manche Autoren nehmen an, dass die Gelegegröße durch die Anzahl der von einem Paar erfolgreich aufzuziehenden Jungen begrenzt wird. Natürlich wird die Anzahl der Eier, die zum gleichen Zeitabschnitt in einem Vogelweibchen reifen kann, als ein die Gelegegröße bestimmender Faktor angesehen. Weiterhin ist von Bedeutung, wieviele Eier der Vogel mit seinem Brutfleck bedecken und warm halten vermag. Außerdem scheinen auch einige Zusammenhänge zwischen der Gelegegröße einerseits und andereseits der indivuduellen Lebenserwartung der erbrüteten Jungen zu bestehen.

Nicht nur die Form, sondern auch die Größe der Eier einer Vogelart ist individuellen Schwankungen unterworfen, sogar innerhalb desselben Geleges. Beim Vermessen großer Serien haben Wissenschaftler Abweichungen von 10 bis 12 vH festgestellt. Zwar sind außergewöhnlich große Eier bei wildlebenden Vögeln eine seltene Ausnahme, Zwergeier hingegen kommen immer wieder einmal vor. Es sind in der Regel winzige, dotterfreie Stücke, die entstehen, wenn Gewebereste im Weibchen von Eiklar und Schale umgeben werden. Solche Eier können sich natürlich nicht entwickeln, und man findet diese zuweilen nach dem Ausfliegen der Brut in alten Nestern. Vogeleier wirken in einem Nest, wenn sie noch ihren Inhalt besitzen, dunkler und intensiver gefärbt als entsprechende Stücke im Museum. Daher werden Sammlungen in der Regel im Dunklen aufbewahrt. Die Schalenzeichnung entsteht durch Abbauprodukte der Galle und des Blutes und variiert innerhalb gewisser Grenzen. Meist legt aber ein Vogelweibchen Eier der gleichen Färbung und Zeichnung.

Die Nestlingsdauer unserer Vögel umfasst die Spanne, in der der Jungvogel auf seine Eltern angewiesen ist. Im ersten Abschnitt dieser Periode vermag er seine Körpertemperatur noch nicht alleine konstant halten u nd muss vom Altvogel gehudert und damit gewärmt werden – das Küken sitzt dabei unter den Flügeln eines Elternteiles. Bei den meisten Arten lässt sich das Junge in dieser Lebensphase von den Altvögeln füttern, und es wird von ihnen vor Feinden beschützt und akustisch gewarnt. Bei einigen Vogelarten bleiben die Jungen auch noch nach dem Selbstständigwerden bei den Altvögeln, und der Familienverband löst sich erst im folgenden Frühjahr zu Beginn der nächsten Fortpflanzungsperiode auf.

Eine Sonderstellung unter den Vögeln nehmen die am Mittelmeer beheimateten Drosslinge ein, bei denen die flüggen Jungen ihre Eltern bei der Aufzucht der nächsten Generation unterstützen. In den meisten Fällen trennen sich jedoch Junge und Alte bereits während der Herbstmauser. Die Rolle der Eltern bei der Jungenaufzucht unserer Vögel wechselt von Art zu Art. Entweder können sie die Pflichten gleichmäßig unter sich aufteilen, oder jeder Partner übernimmt ganz bestimmte Teilaufgaben. Es kommt aber auch vor, dass ein Altvogel sich überhaupt nicht um das Brutgeschäft kümmert.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass bei einer Anzahl von Vogelarten, von Lappentauchern bis hin zu einigen Singvogelarten, die Brut unter den Eltern aufgeteilt wird, sobald die Jungen das Nest verlassen. Das kann soweit gehen, dass die Jungen, die unter der Obhut des zweiten Partners stehen, nicht beachtet und gegebenenfalls sogar angegriffen werden.

Holger Jürgensen

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