Im Frühjahr verfolgen oft mehrere Erpel ein schon verpaartes Weibchen, so dass es in der Zeit der Eiablage nicht selten zu turbulenten Szenen kommt. Lange konnte man sich dieses merkwürdige Verhalten, das der Jäger „Reihen“ nennt, der aggressiven Männchen nicht befriedigend erklären.

Wenn sich hungrige Wasservögel um die Futterstellen an Parkteichen drängeln, sind immer auch Stockenten dabei. Warten wir bis die letzten Brotbrocken in hungrigen Schnäbeln verschwunden sind und sich Höckerschwäne, Blässrallen, Stockenten und Lachmöwen wieder etwas auf der offenen Wasserfläche verteilt haben, können wir einem interessanten Schauspiel folgen. Sehr bald formieren sich nämlich selbst an kalten Wintertagen Entengruppen, die durch lebhafte Bewegungen auf sich aufmerksam machen.


Foto ( Heino Lanfer, Bad Malente ) : Eine Baumbrut eines Stockentenpaares

Diese ( soziale ) Balz der Enten, die auch bei vielen anderen der Stockente nah verwandter Arten in ähnlicher Form abläuft, hat Oskar Heinroth, einer der Väter der modernen Verhaltungsforschung, in einer seiner bahnbrechenden Arbeit Anfang des letzten Jahrhunderts als „Gesellschaftsspiel“ bezeichnet und einen auch heute noch üblichen Fachausdruck geschaffen. Heinroth hatte nämlich erkannt, „daß bei diesem Gesellschaftsspiel die Tiere niemals zur Begattung schreiten, es dient nur dazu, die nähere Bekanntschaft zu machen, man setzt sich den anderen gegenüber ins „rechte Licht“, etwa so wie wir es gelegentlich eines Balles etc. tun“. Inzwischen ist der Stil wissenschaftlicher Arbeiten zwar sehr viel nüchterner geworden, doch das Gesellschaftsspiel der Enten beschäftigt Biologen und Naturbeobachter immer noch und ist sogar für die Regenbogenpresse ein interessantes Thema.

Die Weibchen scheinen am lebhaften Spiel der Erpel wenig Anteil zu nehmen. Doch bei genauerem Hinsehen lässt sich eine sehr eigenartige Bewegung beobachten : Im Schwimmen führen Weibchen ihren Kopf mehrfach hintereinander rasch nach hinten über die Schulter, meist in Richtung auf einen schwimmenden Erpel. Dieses auch vom Nobelpreisträger Konrad Lorenz eingehend beschriebene „Hetzen“ ist eigentlich nichts anderes als eine Drohbewegung gegen einen fremden Erpel, durch die das eigene Männchen auf einen potenziellen Gegner gehezt werden soll. Ist die Ente noch nicht verpaart, wird dieses Hetzen zu einem „Antrag“ der Paarbildung. Der Erpel kann diese Werbung des Weibchens annehmen oder ablehnen; Männchen und Weibchen scheinen in der Zeit der Gesellschaftsspiele die gleichen freien Wahlmöglichkeiten zu besitzen.

Begattungen, die auf dem Wasser vollzogen werden, finden abseits der Gesellschaftsspiele statt. Männchen und Weibchen führen als rituelle Einleitung, das sogenannte Pumpen, aus : Die Köpfe beider Partner mit jeweils horizonal gehaltenen Schnäbeln bewegen sich einige Male ruckartig nach unten und langsam wieder in die Ausgangsstellung zurück. Erst nach diesem Vorspiel legt sich das paarungswillige Weibchen flach aufs Wasser, und das Männchen steigt auf. Anschließend schwimmt der Erpel in weitem Bogen um die Ente mit flach vorgestrecktem Hals, ein Verhalten, das man als “Nickschwimmen“ bezeichnet.

Holger Jürgensen