Die ersten Nistkästen entstanden bereits zur Zeit des Überganges vom 18. auf das 19. Jahrhundert. Bekannt ist vor allen Dingen die 1897 entwickelte "von Berlep`sche Höhle", die man den Spechthöhlen nachempfunden hatte. Hans Herrmann Freiherr von Berlepsch ( 1843 - 1926 ) war von 1890 bis 1896 sogar preußischer, arbeiterfreundlicher ( ! )  Minister für Handel und Gewerbe und stammte aus einer begüterten Famile des sächsischen Landadels. Übrigens wurde auch nach ihm die Apfelsorte "Berlepsch" benannt.



Foto ( Jürgensen ) : Kohlmeisenbrut kurz vor dem Ausfliegen

Kaufen oder Eigenbau?

Der später von Berlepsch entwickelte Kasten aus Holzbrettern hatte einen wesentlich größeren Innenraum und wurde von den meisten Höhlenbrütern vorgezogen. Nach dem letzten Krieg wurden die sehr witterungsbeständigen Holzbeton-Nisthöhlen entwickelt. Der Hersteller Schwegler hat von dieser Art bisher mehr als 8 Millionen Stück verkauft. Aber auch selbst gebaute Nistkästen aus Holz erfreuen sich heute großer Beliebtheit, und es gibt dazu eine Reihe von Bauanleitungen für jeden Geschmack, ist doch der Eigenbau im Rahmen der Umwelterziehung für Kinder ein bevorzugtes Aufgabengebiet im Naturschutz. Bauanleitungen sind bei den Naturschutzorganisationen wie bei der Vogelschutzgruppe Eutin - Bad Malente e.V. erhältlich.

Größe und Aufbau von Nistkästen

Ein Kasten sollte so konstruiert sein, dass die Vorderseite zur Reinigung leicht geöffnet werden kann. Kästen mit einem Fluglochdurchmesser von 26 mm können nur von Blau-, Tannen-, Sumpf- oder Weidenmeisen besetzt werden. Größere Meisen bevorzugen einen Fluglochdurchmesser von 32 mm, Stare sogar einen von 45 mm. Es gibt Kästen mit großen oder mehreren Öffnungen für die Halbhöhlen- und Nischenbrüter, Kästen mit einem seitlichen Einflugloch für die Baumläuferarten und besonders große Kästen für Eulen, Hohltauben, Schellenten und Gänsesäger.

Nisthilfen sollen nur dort angebracht werden, wo die erwarteten Vögel ausreichend Nahrung für ihren Nachwuchs finden und sie störungsfrei brüten können. Nistgeräte können zu jeder Jahreszeit angebracht werden, da viele Vögel ihren späteren Brutplatz schon im Winter festlegen und einige Arten bereits während der kalten Jahreszeit in den Höhlen nächtigen. Der Herbst ist daher die bevorzugte Zeit für die Anbringung der Nisthöhlen.

In Gärten mit wenig störendem Betrieb können die Nistkästen in Augenhöhe angebracht werden, was die herbstliche Reinigung sehr erleichtert. Das Flugloch sollte nicht unbedingt zur Wetterseite weisen, andere Ausrichtungen sind nicht wirklich relevant, aber pralle Sonne sollte vermieden werden als auch ganztägiger Schatten; damit kein Niederschlag in das Innere gelangen kann, muss jeder Kasten gerade oder noch besser leicht nach vorne geneigt aufgehängt werden.

Nisthilfen sollten potentiellen Feinden für das Gelege oder die Jungvögel möglichst keine Chancen geben. Im Bereich unserer Häuser sind es Marder und Katzen, in den Wäldern vor allen Dingen das Eichhörnchen. Inzwischen gibt es im Handel etliche Vorrichtungen, denen Katzen und Mardern das Erklettern von Bäumen mit Nisteinrichtungen unmöglich machen, gegen Elster und Eicherhäher sichere Brutraumeinsätze und gegen den Specht sichere Kästen aus besonders harten Materialien oder Beschläge am Einflugloch. Dennoch sollten wir nicht vergessen, dass es keine völlige Ausschaltung von Feinden unserer "Gartenlieblinge" gibt; denn : Fressen und Gefressenwerden ist zur Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten eingeplant. Sie sind in der Dynamik von Vogelpopulationen natürlicherseits einkalkuliert.

Sachgerechte "Endreinigung" nach Auszug der Gäste

Viele Vogelarten bauen jedes Jahr ein neues Nest, räumen aber alte Nester nicht aus, sondern überbauen diese. Eine Reinigung des Nistkastens im Spätsommer nach Ablauf der Brutsaison ist daher unabdingbar, denn in den alten Nestern befinden sich häufig Parasiten. Das alte Nistmaterial wird entfernt, der Kasten ausgebürstet sowie gegen verbliebene Flöhe, Milben und Lausfliegen eine Zeitungsseite in das Innere "hineingeknüllt" und angesteckt. Die Verwendung von Desinfektionsmittel oder gar von Insektiziden ist nicht akzeptabel. Fledermäuse, Siebenschläfer und Mäuseartige, Hornissen, Hummeln und Wespen ziehen häufig in Nistkästen ein. Größere Höhlen werden sogar von schwärmenden Bienen besetzt. Zur Abwehr von dadurch befürchteten Gefahren sollten Fachleute gerufen werden.

Übrigens sind Nistkästen begehrte Geschenke und preiswerte Mitbringsel .

Holger Jürgensen

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