Ferngläser – auch nostalgisch Feldstecher genannt – erhält man heute schon für ein paar Dutzend Euro. Der Käufer sieht sich dabei einer großen Spannbreite von Preisen und Qualitäten gegenüber.

Das richtige Fernglas für den richtigen Anlass

Das hat natürlich etwas mit dem unterschiedlichen Verwendungszweck zu tun. Ein Opernbesucher oder der Wanderer stellen in der Regel bescheidenere Ansprüche an das Glas als ein Jäger oder Vogelbeobachter. Und dies erst recht, wenn dann noch während der Dämmerung oder Dunkelheit die letzten optischen Reserven gefordert werden müssen. So sind eben Spitzenprodukte kleine technische Meisterleistungen und keine Massenware – sie haben allerdings dann auch ihren Preis.

Fernglas-Mathematik

Das klassische Fernglas für den Feldornithologen ist ein Glas mit den Werten 8 x 56 – achtfache Vergrößerung und 56 Millimeter Durchmesser des Objektivs, der dem Auge abgewandten Linsengruppe. Diese Größenordnung ist eine beliebte Kombination aus hoher Dämmerungsleistung und einer noch völlig ausreichenden Vergrößerung. Sie ist nämlich nicht automatisch besser, wenn die Werte höher sind, denn die Unruhe in der haltenden Hand wirkt sich umso mehr auf die Stabilität des Bildes aus, je höher die Vergrößerung ist. Aus der Kombination 8 x 56 ergibt sich ein optischer Ausgangsquerschnitt der Zahl 7, und mehr kann ein menschliches Auge ohnehin nicht nutzen – zumal im Alter. Wer nur bei Tageslicht sein Fernglas einsetzen will, braucht die oben genannten Werte sowieso nicht und kommt dabei mit weniger Gewicht, aber nicht immer mit weniger Kosten davon. Die Empfehlung geht in die Richtung der Werte 8 x 20. Erfahrungsgemäß empfinden unsere Damen schwere Gläser um den Hals hängend, zumal anlässlich einer über Stunden dauernden vogelkundlichen Wanderung, als lästig.

Holger Jürgensen beobachtet am Spektiv
Foto ( Jürgensen ); Beobachtungen am Spektiv sind immer ein besonderes Vergnügen

Fachberatung in Anspruch nehmen!

Der Handel hält leichte und handliche Gläser bereit. Der Kauf aus der riesigen Auswahl soll auch hier wohlüberlegt sein; ein guter Rat vom Fachmann bewahrt vor späterer Enttäuschung. Zur zeitgemäßen Feldornithologie ergänzt ein Spektiv das Fernglas, das auf einem Stativ fest montiert ist. Detailgetreue Beobachtungen sind in der Mehrzahl nur mit seiner Hilfe durchführbar. Auch hier sind viele Marken am Markt, und es spielt in der Tat der vorhandene Geldbeutel eine große Rolle – jede Anschaffung sollte auch hier selbstredend im Gelände mit vorhandenen Geräten ausgetestet werden. Die Vogelschutzgruppe Eutin – Bad Malente e.V. verfügt über langjährige Erfahrungen und ist zur Entscheidungshilfe gerne bereit.

Tipps zur Beobachtung von Vögeln

Die namentliche Bestimmung beobachteter Vogelarten erscheint für das geübte Ohr besonders im Fühjahr durch den unterschiedlichen Gesang der Vögel oder durch die Vogelrufe besonders einfach; aber auch geübte Ornithologen fangen in der Regel in jedem Frühjahr wieder an, sich erneut einzuhören. Hilfreich sind dabei Tonträger, die die vermeintliche Stimme – in der Regel des Vogelmännchens – zum Vergleich vorspielen kann. Sie sollten aber nicht dazu benutzt werden, sie sozusagen in der Natur erschallen zu lassen, da meist ein Revierrivale dadurch unnötig erregt werden würde.

Fliegende Vögel kann man oft allein anhand der Flügelform bestimmen. Da man aber häufig nicht genug Beobachtungszeit zur Verfügung hat, nimmt man zur Bestimmung die Flugweise zu Hilfe, um die Art wenigstens grob einzusortieren : Handelt es sich zum Beispiel um eine Ente, einen Greif oder eine Limikole ( Watvogel ). Vor allen Dingen hat die große Gruppe der Kleinvögel einen schnellen Flügelschlag, so dass man im Feld kaum die Zeit hat, sich weitere Details der Flügelform anzuschauen. Man lernt aber sehr rasch, sich die anderen wichtigen Merkmale des Federkleides und die typischen Flugrufe einzuprägen. Unter den tagaktiven Greifvögeln kann man beispielsweise zwei Gruppen unterscheiden : Die Falken mit ihrem schnellen, rasanten Flug haben spitze Flügelenden, während andere Arten wie Bussarde oder Adler verhältnismäßig große und breite Flügel aufweisen, die sie bei ihren ausgedehnten Segelflügen in der Thermik tragen. Gänse, Enten und Hühnervögel mit ihrem schnellen und kräftig erscheinenden Flug besitzen in der Regel große, abgerundete und nicht stark gefingerte Flügel. Die majestäsch anmutenden Schreitvögel wie Störche, Kraniche und Flamingos tragen große, gefingerte Flügel, mit denen sie bei ihren segelnden Wanderungen auch über weite Distanzen durchhalten.

Wichtiges Utensil auf vogelkundlichen Wanderungen ist ein leichtes, erschöpfend Auskunft gebendes und mit allen Vogelkleidern bebildertes Bestimmungsbuch. Optimal ist der Feldornithologe zusätzlich mit einem Spektiv ausgerüstet.

Holger Jürgensen

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