Die Glaswerke Arnold GmbH & Co. KG, zwischen Wein und Wald im badenwürttembergischen Remshalden ansässig, hat das Vogelschutzglas „Ornilux“ erfunden. Das ist doch zunächst einmal eine gute Nachricht, da angeblich jeden Tag in Europa circa 250 000 Vögel sterben, nur weil sie Fensterglas nicht als solches erkennen können und daher durch ihren schwungvollen Aufprall den Tod finden.


Foto ( Jürgensen ) : Scheibenopfer Eisvogel

Firmen, die Naturschutzprodukte in ihren Katalogen führen, bieten schwarze Greifvogel-Silhouetten an, die auf Glas geklebt den Anflug von Vögeln verhindern sollen. Der Erfolg ist leider in der Praxis nur als mäßig zu bezeichnen, und der Verwender macht sich falsche Hoffnungen. Vögel schlagen nicht aus Angst vor den Greifen andere Flugwege ein, sondern umfliegen das gesehene Hindernis. Um also auf diese Weise eine angemessene Vorsorge zu treffen, müsste man mindestens 40% der Scheibenfläche bekleben, was sich negativ auf den eigentlichen Zweck von Fenstern auswirken würde.

Da ist der „Bird-Pen“ schon empfehlenswerter, auch wenn nicht jeder Anwender über die entgegen der Aussage des Anbieters doch sichtbaren Streifen glücklich ist. Da Privatbesitzer eines Hauses mit größeren Scheibenflächen die nicht unerheblichen Kosten für eine nachträgliche, ziemlich aufwendige Glasflächenbehandlung scheuen, kann hier ein Vorhang aus Bambusröhren als kostengünstigere und sehr flexibel auszuführende Alternativlösung des Problems des Scheibenanfluges durch Vögel empfohlen werden. Der Bambusröhrenvorhang kann auch außerhalb eines Wohnhauses angebracht werden und sommers wie winters draußen bleiben, da das Material gegen Witterungseinflüsse ziemlich beständig ist.

„Ornilux“-Glas entfaltet seine Wirkung erst vollständig in Verbindung mit Verbundsicherheitsglas. Weil Vögel auch UV-Strahlen erkennen können, erscheint ihnen „Ornilux“ nicht transparent, sondern als ein spinnennetzartiges Hindernis, das von den meisten Vögeln umflogen wird. Radspinnen weben ihre Netze nämlich aus Seidenfäden, die UV-Strahlen reflektieren und von den Geflügelten wahrgenommen und gemieden werden. Die Innovation der Firma beruht auf dem Wissen, dass Vögel früher durch das UV-Licht absorbierende Netz der Spinnen geflogen sind, sodass diese evolutionsbedingt ein Sekret für ihre Fäden entwickelten, das die UV Strahlen an ihren Netzen reflektieren lässt. Das führte zu der Idee, diesen natürlichen Warneffekt auch in der Glasproduktion auszunutzen.

Wissenschaftler der Vogelwarte Radolfzell am Max-Planck-Institut für Ornithologie haben das neue Glas in sogenannten Flugtunneln getestet. Ergebnis: dreiviertel der Vögel wich der „Ornilux“-Scheibe aus. Die noch nicht abgeschlossenen Versuche sind sehr mühsam, und sie dauern bereits sechs Jahre an. Langzeitstudien im Freiland sollen zeigen, ob „Ornilux“ auch zum Einsatz an Lärmschutzwänden an Straßen geeignet sind.

Die Firma Arnold erzielt mit allen Produkten und 1.100 Mitarbeitern in Deutschland und in Österreich einen Umsatz von jährlich 160 Millionen Euro, und verfügt über eine ernst zu nehmende Innovations- und Technologieabteilung. Sie gewann 2010 den höchsten Design Preis, der in Nordrhein-Westfalen mit einem „roten Punkt“ verliehen wird, den „red dot award“ - und das für etwas, was man gar nicht sieht. Man schätzt in den nächsten Jahren bereits 60 bis 80 000 „Ornilux“-Einheiten absetzen zu können.

Anfragen kamen bereits aus verschiedenen Tiergehegen, so zum Beispiel vom New York Bronx Zoo und vom Tierpark Hellabrunn für das dortige Pelikan-Haus.

Holger Jürgensen